Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Politik Rex Tillerson könnte abgelöst werden
Nachrichten Politik Rex Tillerson könnte abgelöst werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:43 30.11.2017
Rex Tillerson. Quelle: AP
Anzeige
Washington

Tillerson, der als früherer ExxonMobil-Chef ebenso ein Quereinsteiger in Washington ist wie Donald Trump, gilt als zugänglich und mit den europäischen Standpunkten bestens vertraut. Mit Gabriel verbindet ihn ein unerwartet enger Kontakt – wie sich beim G-20-Gipfel in Hamburg zeigte, als sich die beiden Minister auf ein abendliches Bier in die Bar der Elbphilharmonie zurückzogen.

Ob sich Tillerson seinem deutschen Kollegen anvertraute und darüber klagte, dass er mehrfach vom Präsidenten düpiert wurde, ist nicht überliefert. Offenkundig sind aber die unterschiedlichen politischen Einschätzungen, die Tillerson und Trump trennen. Als der Chef des State Departments in Peking versuchte, einen Gesprächskanal zu dem verschlossenen Regime in Pjöngjang zu finden, polterte der Präsident aus der Ferne,Rex soll nicht seine Zeit verschwenden“. Zuvor gratulierte der Präsident Saudi-Arabien für das Embargo gegen Katar. Tillerson hielt von der Maßnahme nichts.

Anzeige

Nachfolger Mike Pompeo gilt als harter Hund

Tillerson, der sich als jahrzehntelanger Topmanager und Multimillionär nicht vor aller Welt vorführen lässt, konterte bei späterer Gelegenheit und bezeichnete seinen Dienstherrn kurzerhand als „Trottel“. Es war daher absehbar, dass seine Tage im Amt gezählt sind.

Die Folgen des Personalkarussells, über das die „New York Times“ am Donmerstag zuerst berichtete, dürften weitreichend – und bedrückend – sein: Tillersons designierter Nachfolger Mike Pompeo gilt als harter Hund, der mit dem glatten internationalen Parkett fremdelt. Der bisherige CIA-Chef kann als früherer Kongressabgeordneter zwar auf eine politische Karriere verweisen.

Aber seine Positionen sind aus europäischer Sicht befremdlich: Rabiaten Verhörmethoden, die an Folter grenzen, kann der 53-Jährige durchaus etwas abgewinnen. Auch sieht der Absolvent der Eliteuniversität Harvard wenig Einwände gegen Geheimgefängnisse der CIA oder gegen das Militärgefängnis auf Guantanamo. Kein Wunder: Pompeo stammt nicht aus dem Lager der gemäßigten Republikaner, sondern erkannte seine Aufstiegschancen zuerst in der fundamentalen Tea-Party-Bewegung.

An dieser Basis fand Pompeo denn auch Zustimmung, als er für den Whistleblower Edward Snowden, der den Überwachungsskandal durch die National Security Agency NSA aufdeckte, die Todesstrafe in Erwägung zog. In der massenhaften Datenerfassung sieht der frühere Militär eine fast zwangsläufige Antwort auf die Herausforderungen des digitalen Zeitalters. Eine Position, die ihn im Kreis seiner künftigen westlichen Kollegen allein dastehen lässt.

Von Stefan Koch / RND