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Politik Kritik an Carstensens Jagd-Petition
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15:23 04.04.2014
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Der ehemalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) geht gern auf die Jagd – und macht sich gleichzeitig für den Tierschutz stark. In einer Online-Petition fordert er die strenge Zertifizierung von Jagdmunition. Quelle: dpa
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Kiel/Schierensee

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hat eine Online-Petition von Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) gegen ein sofortiges Verbot von Bleimunition kritisiert. „Carstensen hinkt der Debatte um mehrere Jahre hinterher“, sagte Habeck am Freitag. „Bleifreie Munition hat sich bewährt. Tausende Jäger nutzen sie — in fast allen Landesforsten, in den Bundesforsten und in den lauenburgischen Kreisforsten.“

SPD, Grüne und SSW planen ein Verbot von Bleimunition im Norden ab April 2015. „Die Landesforsten, wo seit Beginn der Legislaturperiode nur noch bleifreie Büchsenmunition erlaubt ist, haben gute Erfahrungen gemacht“, sagte Habeck. In Baden-Württemberg trage sogar der Landesjagdverband das dort ab 2016 geplante gesetzliche Verbot von Bleimunition mit. Das CDU-regierte Saarland habe vor wenigen Wochen im Landtag ein Verbot beschlossen. „Selbst der Bund schwenkt nun endlich auf den Weg ein und peilt ein Verbot von Bleimunition an.“

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Bleimunition gefährdet nach Angaben des Umweltministeriums streng geschützte, aasfressende Greifvögel wie Seeadler, weil sie beim Fressen Blei aufnehmen. „Und welcher Verbraucher möchte schon Wildfleisch mit Bleigehalt essen“, sagte Habeck.

Ex-Regierungschef Carstensen hatte am 28. März seine Online-Petition mit dem Titel „Leiden vermeiden“ gestartet. Wenige Tage nach dem Start haben sie bereits knapp 1000 Menschen unterzeichnet. Die Petition ist an die Bundesregierung gerichtet und läuft bis zum 27. September. Konkret fordert der Christdemokrat, dass bleifreie Munition in einer Übergangsphase weiter genutzt werden darf - bis bleifreie Geschosse entsprechend weiterentwickelt sind. „Bei einem absoluten sofortigen Verbot von bleihaltiger Munition bleibt der Tierschutz in der Jagdausübung auf der Strecke.“

Carstensen ist selbst leidenschaftlicher Jäger. „Wild, das in der bisherigen Praxis mit der neuen bleifreien Munition beschossen wird, flüchtet länger und ausgiebiger. Es leidet länger. Nachsuchen fallen häufiger an und dauern länger“, heißt es in der Begründung seiner Petition. Damit die Jagd tierschutzgerecht sei, müsse ein Schuss aber sofort töten. „Nur so kann das Wild vor möglichem Leiden bewahrt werden, und nur so lässt sich dem Anspruch unserer Gesellschaft gerecht werden.“

Der Bund will das Bundesjagdgesetz zügig reformieren und ein Verbot bleihaltiger Munition einführen. Die Agrarministerkonferenz nahm einen entsprechenden Bericht der Bundesregierung am Freitag zur Kenntnis. Nach Habecks Angaben hat die Fachhochschule Eberswalde (Brandenburg) auf der Grundlage von 11 000 Abschussberichten die tierschutzgerechte Tötungswirkung der bleifreien Munition geprüft und dabei keine signifikanten Unterschiede zur Bleimunition festgestellt.