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Politik SPD-Politikerin Köpping: „Wir leiden höllisch unter dem Bundestrend“
Nachrichten Politik SPD-Politikerin Köpping: „Wir leiden höllisch unter dem Bundestrend“
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05:00 22.06.2019
Die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) verlangt, es müsse „unbedingt“ eine Mitgliederbefragung zum Parteivorsitz geben. Quelle: Monika Skolimowska/dpa

Frau Köpping, der SPD-Vorstand entscheidet am Montag, wie es bei der Suche nach einer neuen Parteispitze weitergehen soll. Braucht es auf jeden Fall eine Doppelspitze – und muss dann einer der Vorsitzenden-Posten an jemanden aus dem Osten gehen?

Ja, ich finde, eine Doppelspitze ist unverzichtbar. Das müssen ein Mann und eine Frau, eine Person aus dem Westen und eine aus dem Osten sein. Wir brauchen eine Person, die den Osten ganz oben in der Parteispitze vertritt – und ihm damit ein Gesicht gibt. So, wie es Manuela Schwesig gerade in der kommissarischen Parteispitze tut.

Führt noch ein Weg daran vorbei, die Parteispitze diesmal durch eine Mitgliederbefragung entscheiden zu lassen?

Nein. Über die Parteispitze darf auf gar keinen Fall wieder von einigen wenigen im Hinterzimmer entschieden werden. Da hat die SPD eine unrühmliche Geschichte. Erst hat Sigmar Gabriel gesagt: „Jetzt macht es Martin Schulz.“ Dann hat Martin Schulz gesagt: „Jetzt ist Andrea Nahles dran.“ Es muss Schluss damit sein, dass der Parteivorsitz einfach weitervererbt wird. Wir brauchen unbedingt eine Mitgliederbefragung. Diesen Respekt müssen wir der Parteibasis entgegenbringen.

Hinter den Kulissen wird in der SPD auch darüber diskutiert, ob die Kandidaten für eine mögliche Doppelspitze als Teams antreten sollen – damit die Gewählten hinterher auch tatsächlich miteinander klarkommen.

Ich finde Teamkandidaturen eine gute Idee. Ich sage aber auch: Jetzt ist keine Zeit für Befindlichkeiten. Jeder an der Parteispitze muss mit jedem klarkommen. Wenn zwei gewählt werden, die nicht die besten Freunde sind, müssen sie trotzdem gut zusammenarbeiten. Es müssen Menschen vorn stehen, die glaubwürdig sind und etwas rüberbringen. Da bin ich ein bisschen neidisch auf die Grünen, dass sie Robert Habeck haben.

Brauchen Sie einfach nur einen wie Habeck – und dann geht es bei der SPD wieder aufwärts?

Die Inhalte bei der SPD sind doch gut. Das Thema soziale Gerechtigkeit ist und bleibt der richtige Markenkern für unsere Partei. Da haben wir doch auch in der ungeliebten großen Koalition im Bund viel für die Menschen erreicht. Jetzt brauchen wir eine Führung, die so spricht, dass die Menschen uns verstehen. Was abschreckt, ist technokratische Politiker-Sprache. Die gibt es in allen Parteien viel zu viel.

Hat die SPD in Sachsen noch eine Chance, wenn der Bundestrend sich nicht dreht?

Wir leiden höllisch unter dem Bundestrend. Wir müssen jetzt hoffen, dass die knappe Zeit bis zur Landtagswahl reicht, etwas zu drehen. Vielleicht hilft es ja noch, wenn jetzt im Willy-Brandt-Haus in Berlin das eine oder andere absehbar besser wird.

Wären Sie selbst auch bereit, den Osten in einer Doppelspitze in der Bundes-SPD zu vertreten und für den Parteivorsitz zu kandidieren?

Wir haben viele tolle Leute, die bundesweit noch nicht bekannt sind. Uns in Sachsen ehrt es, wenn in Debatten über den Parteivorsitz der SPD die Namen von Martin Dulig oder mir genannt werden. Aber ich werde jetzt hier in Sachsen gebraucht. Ich liebe dieses Land. Dafür will ich meine ganze Kraft einsetzen.

Lesen Sie auch: Kühnert, Klingbeil und wer noch? Das sind mögliche Kandidaten für den SPD-Vorsitz

Von Tobias Peter/RND

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