Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Politik Sollen Schüler im Unterricht Handys nutzen dürfen?
Nachrichten Politik Sollen Schüler im Unterricht Handys nutzen dürfen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:40 09.12.2016
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Sieht so Bildung 2.0 aus? 20 digitale Modellschulen erproben im Norden den Einsatz von Smartphones beim Lernen. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Bremens Schulsenatorin Claudia Bogedan (SPD), hatte sich am Donnerstag mit Blick auf oftmals geltende Handyverbote an Schulen für eine stärkere Nutzung von Smartphones im Unterricht ausgesprochen. Die Aneignung von Wissen bleibe analog wie digital immer der gleiche Vorgang. Aber die Digitalisierung erweitere die Möglichkeiten. Das sieht Schleswig-Holsteins Schulministerin Britta Ernst (SPD) ähnlich. „Entscheidend ist nicht ob, sondern wie diese Medien in den alltäglichen Unterricht eingebunden werden“, sagte sie. Das Lernen mit digitalen Medien sei unverzichtbarer Bestandteil moderner Bildung. 20 digitale Modellschulen erprobten im Norden aktuell unterschiedliche Konzepte – auch mit den privaten Smartphones, Tablets und Notebooks der Schüler.

 Die Grünen-Bildungsfachfrau Anke Erdmann verglich die Ausgangslage mit einem Detail aus den Harry-Potter-Romanen: Im Prinzip hätten die Schüler jeden Tag Hermines Handtasche dabei, in deren unendlicher Tiefe man nahezu alles finden kann, was man braucht. „Komplettverbote werden sich nicht halten lassen“, sagte Erdmann. „Aber es geht ums Arbeiten, nicht ums Daddeln.“ Dazu müsse jede Schule für sich gute Regeln finden. Nach Beobachtung von Jette Waldinger-Thiering (SSW) ist das Handy für viele Schüler längst zum Computerersatz geworden. „Als Abgeordnete, aber auch als Lehrerin begrüße ich daher, wenn Smartphones stärker in den Unterricht einbezogen werden können.“ Wichtig sei, ihnen zusätzlich Risiken und Nebenwirkungen wie Sexting und Online-Mobbing zu vermitteln.

 Handys sind Ablenkungsquelle

 Die Opposition reagierte reservierter. Natürlich müsse digitale Technik sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden. „Allerdings bin ich skeptisch, inwieweit eine generelle Aufhebung von Handyverboten zielführend ist“, sagte Volker Dornquast (CDU). Handys seien eine nicht zu unterschätzende Ablenkungsquelle. Und eine Computertastatur dürfe nicht den Füllfederhalter ersetzen. FDP-Expertin Anita Klahn bezeichnete den Vorstoß der KMK-Chefin als abstrus. Es sei der Staat, der die Schulen mit Unterrichtsmaterialien auszustatten habe. „Die Länder können diese Verantwortung nicht einfach ins Private verschieben, nur um Kosten sparen zu wollen.“ Pirat Sven Krummbeck dagegen jubelte. „Die Schule darf kein medienfreier Raum sein, wenn sie Schüler auf eine digitale Zukunft vorbereiten will.“

 Noch finden die digitalen Geräte, die bei den meisten Schülern griffbereit in der Hosentasche stecken, im Unterricht der Kieler Humboldt-Schule kaum Verwendung. Schulleiterin Dagmar Vollbehr will es weiterhin ihren Kollegen überlassen, wann sie Handys im Unterricht nutzen. „Die Lehrer entscheiden, was sie mit welchen Mitteln erreichen wollen. Dort, wo es sinnvoll ist, sollen sie Smartphones einsetzen.“

 Allerdings werde diese pädagogische Chance bisher kaum wahrgenommen, bedauert Mirko Illetschk (18). Die Idee, Smartphones im Unterricht zu nutzen, sei ja gut. „Aber dann müsste eine freie WLAN-Verbindung zur Verfügung stehen“, sagt Tade Strehk (17), sonst sei das mobile Datenvolumen der Schüler schnell verbraucht. Johanna Möller (16) weist auf eines selbstkritisch hin: „Es wird auch auf uns Schüler ankommen, damit die Smartphones nicht nur zum Spielen genutzt werden.“

 Von Florian Sötje und Christian Hiersemenzel

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bund und Länder haben sich in der Nacht zu Freitag auf eine Reform der Finanzbeziehungen geeinigt. Das bedeutet mehr Geld für die Länder sowie mehr Kompetenzen für den Bund.

09.12.2016

Die CDU Hamburg hat nach Angaben der Parteiführung mit 38,5 Prozent den höchsten Frauenanteil Deutschlands. Ein aussichtsreicher Listenplatz für die Bundestagswahl 2017 ist den Frauen aber dennoch nicht vergönnt. Alle relevanten Plätze gingen an Männer.

Deutsche Presse-Agentur dpa 08.12.2016

Die Große Koalition will die Videoüberwachung in Deutschland offenbar schon in Kürze massiv ausweiten. Dabei geht es um privatrechtlich betriebene Überwachungsanlagen an öffentlichen Orten, etwa in Einkaufszentren oder Sportstätten.

08.12.2016