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Politik Söder bleibt CSU-Chef - und muss viel Kritik einstecken
Nachrichten Politik Söder bleibt CSU-Chef - und muss viel Kritik einstecken
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22:18 18.10.2019
Markus Söder läuft nach seiner Wiederwahl zum CSU-Chef auf die Bühne. Quelle: imago images/Oryk HAIST
München

Über eine Stunde hat Markus Söder gesprochen, er hat geprahlt, gebeten, erzählt und geworben. „Weil wir nur einander haben, müssen wir einander stärken“, hat er zum Schluss gesagt und die Delegierten des CSU-Parteitags darum gebeten, ihn wiederzuwählen als CSU-Chef. Es klang fast ein bisschen verzweifelt, auf jeden Fall nicht allzu sicher.

Und dann gibt es tatsächlich Ärger. Ein junger Mann tritt ans Saalmikrofon, Niklas Stadelmann aus dem oberfränkischen Lichtenfels. Der neue Kurs der CSU sei Schaumschlägerei, findet er. Es gebe ein neues Parteilogo, und nicht viel mehr.

„So eine Blamage“

Ausgerechnet die Pläne für mehr Beteiligungsmöglichkeiten der Basis seien mit dieser Basis nicht abgesprochen worden. Jünger und weiblicher solle die CSU nun werden, aber was geplant sei, reiche nicht aus. „Warum versucht man nicht die Trennung von Amt und Mandat?“, fragt Stadelmann. „Dann kommen wirklich mal Junge zum Zuge und nicht immer nur die Gleichen.“

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Ein Zweiter fängt an zu schimpfen, Willibald Schels aus Oberbayern, er gehört zu den ständigen kritischen Parteitagsrednern. „Wir sind nicht so nah am Menschen, wie es immer gefordert wird“, ruft er. Bei der Pkw-Maut habe sich die CSU blamiert, und Verkehrsminister Andreas Scheuer habe noch eins draufgesetzt.

„So eine Blamage“, ruft Schels. Auch Innenminister Horst Seehofers Flüchtlingspolitik sei nicht in Ordnung. Der Applaus ist groß, es ist eine kurze Revolutionsstimmung im Raum.

Söder mit über 90 Prozent als CSU-Chef wiedergewählt

Manfred Weber rettet die Lage, ausgerechnet Weber, der selber gerne Horst Seehofer als CSU-Chef beerbt hätte. Er hat dann die EU-Spitzenkandidatur übernommen, ist aber auch nicht EU-Kommissionspräsident geworden, weil Frankreich da lieber ein Regierungsmitglied sehen wollte.

Eine neue Zeitrechnung

Weber wirbt also nun für Söder, auf dass der ein zweites Mal gewählt werde. „Aufbruch Bayern. Zukunft Deutschland“, steht auf einer großen Wand hinter der Bühne – als könne es jetzt endlich losgehen in diesem Bayern, in dem die CSU seit Jahrzehnten regiert.

Wenn es nach Söder geht, beginnt tatsächlich eine neue Zeitrechnung: Vor einem Jahr, nach dem Absturz der CSU bei der Landtagswahl, sei die CSU in einer Existenzkrise gewesen, sagt er auf der Bühne. „Ein Jahr später sind wir wieder so in Schuss, dass manche uns mehr zutrauen, als nur in Bayern erfolgreich zu sein.“

Söder ist bei der Landtagswahl schon Ministerpräsident gewesen, er hat sich davor mit Horst Seehofer einen Kampf um Parteivorsitz und Regierungsamt geliefert (den Seehofer verloren hat). Er hat nicht wenig zimperlich mitgemischt beim Streit mit der CDU um die Flüchtlingspolitik.

Söder und seine Fehler

Nun räumt er Fehler ein: „Von Stil und Inhalt falsch geführt“ sei der Streit gewesen, und vor allem „nicht bürgerlich“.

Aber er hat sich ja Neues vorgenommen. Mehr Kompromisse, mehr Klimapolitik, mehr Frauen und mehr junge Leute für die Partei. „Es wird nicht reichen, weiterzumachen wie bisher“, ruft er. „Es reicht nicht, glorreiche alte Zeiten zu beschwören.“

Viel gehe zu schnell, hat Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer vor dem Parteitag im Deutschlandfunk gesagt. Er hat bei der CSU Klimahysterie diagnostiziert, die Parteiaustritte zur Folge hätte: „Viele können dem Tempo nicht folgen.“ Söder antwortet: „Es gibt mehr, die wissen, was sie nicht wollen, als die, die Ahnung haben, was möglich ist.“ Wer sage, die CSU müsse der Fels in der Brandung sein und dürfe sich nicht verändern, müsse sich fragen: „Ist dort, wo du den Fels vermutest, überhaupt noch Wasser?“

Wo Seehofer keine Platzkarte mehr hat

Im Übrigen kopiere die CSU nicht die Grünen, sondern erinnere sich mit der Klimapolitik an „den Urauftrag der CSU“. „Hauptherausforderer“ nennt Söder die Grünen: „Die Frage ist nicht Schwarz und Grün, sondern Schwarz oder Grün.“

Verkehrsminister Scheuer versichert er den Rückhalt der CSU. Der ist allerdings auf dem Parteitag ganz außen platziert, weit weg von Söder. Viele gemeinsame Fotos kann es da nicht geben.

Zum Schluss bekommt Söder 91,3 Prozent der Stimmen. Das ist mehr als bei seiner ersten Wahl vor zehn Monaten, als er mit 87,4 Prozent die 90-Prozent-Hürde gerissen hatte, aber weniger als Weber, der mit über 93 Prozent zum Vizechef gewählt wird.

Einer ist dem Parteitag ferngeblieben: Söders Vorgänger Seehofer hat sich auf eine Innenministerkonferenz gerettet. In der CSU haben sie noch nicht einmal mehr ein Namensschild aufgestellt.

Von Daniela Vates/RND

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