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Politik Die meisten Schleswig-Holsteiner sind nicht versichert
Nachrichten Politik Die meisten Schleswig-Holsteiner sind nicht versichert
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10:35 12.05.2018
Von Tanja Köhler
In Oststeinbek wurde eine Hauswand durch eine Überflutung zerstört. Quelle: Daniel Bockwoldt
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Kiel

Die Jamaika-Koalition in Kiel ist sich uneins: Während Vertreter von CDU und FDP auf einen Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz verweisen, wonach eine Nothilfe nur noch für Bürger gelten darf, die sich erfolglos um eine Versicherung gegen Elementarschäden bemüht haben, plädieren die Grünen für Großzügigkeit. Auch die SPD will Ausnahmen.

„Natürlich muss es immer auch Härtefallregelungen geben“, sagt Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben und verweist auf den Klimawandel, für den alle solidarisch die Verantwortung tragen müssten. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sind in Schleswig-Holstein gerade einmal 23 Prozent der Hausbesitzer gegen Starkregen und Hochwasser versichert. Damit liegt der Norden weit unter dem Bundesdurchschnitt von 41 Prozent. In vielen älteren Verträgen seien nur die Naturgefahren Sturm und Hagel abgedeckt.

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Funktionierende Abflüsse?

Die Landesregierung hatte im November eine Vorsorge-Kampagne gestartet. Verbraucherschutzministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) betonte, dass es „in erster Linie in der Verantwortung jedes Einzelnen“ liege, sich über Möglichkeiten der Schadensbehebung zu informieren.

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Die SPD warf der Regierung vor, ihre Kampagne nicht genug beworben zu haben. Die Landesverbraucherzentrale registriert allerdings eine zunehmende Sensibilisierung. Experte Michael Herte appellierte an die Kommunen, für funktionierende Abflüsse zu sorgen und zu hinterfragen, ob so viele Baugebiete wirklich sinnvoll sind.

Mojib Latif: Extremwetterlagen häufen sich

Nach Einschätzung des Kieler Klimaforschers Mojib Latif werden Extremwetterlagen häufiger auftauchen. „Die Gesellschaft muss sich anpassen: Flächen in Innenstädten nicht komplett versiegeln, grüne Dächer fördern.“ Umweltminister Robert Habeck (Grüne) sieht seine Prognosen bestätigt. „Die Schäden für Verbraucher und Versicherer werden immer höher. Mit jedem Unwetter wird uns allen stets wieder vor Augen geführt, dass Klimaschutz keine Spaßveranstaltung ist.“

Die Aufräumarbeiten dauerten am Freitag an, die Höhe des Schadens war noch nicht absehbar. Laut dem Meteorologen Karsten Kürbis vom Deutschen Wetterdienst gab es in Hamburg-Billstedt Niederschlagsmengen von bis zu 80 Litern pro Quadratmeter innerhalb von zwei Stunden. So extreme Mengen seien sehr selten. „Wir hatten außerdem heftigen Hagel mit Korngrößen von vier Zentimetern.“

Von Christian Hiersemenzel und Alev Doğan