Stegner will offenbar Landesvorsitz abgeben
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16:08 03.09.2018
Der Landesvorsitzende von Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, will nicht erneut kandidieren.
Der Landesvorsitzende von Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, will nicht erneut kandidieren. Quelle: Michael Kappeler/dpa
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Kiel

Ralf Stegner wird nicht mehr für den SPD-Landesvorsitz in Schleswig-Holstein kandidieren. Er werde bei der Wahl zum Landesvorsitzenden Ende März 2019 nicht mehr antreten, sagte der 58-Jährige, der auch SPD-Bundesvize ist, in Kiel auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Festhalten will Stegner am Amt als SPD-Landtagsfraktionschef.

Er bekundete, die Kandidatur der stellvertretenden Vorsitzenden der Landtagsfraktion, Serpil Midyatli, für den Landesvorsitz zu unterstützen. Die 43-Jährige gehört seit 2009 dem Landtag an.

Midyati ist Mutter, Politikerin, Muslimin und Unternehmerin

Midyatli gilt als Vorzeigebeispiel für gelungene Integration. Im Jahr 2000 trat sie in die SPD ein, seit 2009 ist sie Landtagsabgeordnete, inzwischen stellvertretende Fraktionschefin. Und sie ist seit 2015 stellvertretende Präsidentin des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes.

Temperament, Natürlichkeit, Humor, aber auch politische Leidenschaft werden der ersten türkischstämmigen Abgeordneten in der Geschichte Schleswig-Holsteins nachgesagt. „Frauen können mehrere Bälle gleichzeitig in der Luft halten“, sagte sie einmal. Denn neben ihren Rollen als Mutter und Politikerin hat sich die Muslimin auch als Unternehmerin verwirklicht.

Serpil Midyatli kommt 1975 als Kind türkischer Einwanderer in Kiel zur Welt. Sie wohnt seit 2013 mit ihrem Mann Atilla und den beiden Söhnen in Gettorf. Zur Schule ging sie in Kiel in Mettenhof und am Ravensberg. Von 1994 bis 2003 leitete Midyatli in Kiel ein Restaurant. 2004 gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann einen Kultur- und Veranstaltungsservice. Als Politikerin konzentriert sich die stellvertretende Fraktionsvorsitzende auf die Themen Migration und Integration sowie Familienpolitik.

Stegners Musiktipp am Morgen: „Should I stay od should I go“

Stegner war zuletzt in die Kritik geraten, weil die SPD bei der Kommunalwahl im Frühjahr bereits die dritte Niederlage nach der Landtags- und der Bundestagswahl 2017 in Folge einstecken musste.

Vor der offiziellen Ankündigung des Rückzugs hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf SPD-Kreise von den Plänen Stegners berichtet. Bereits seit Längerem war darüber spekuliert worden, ob der SPD-Politiker, der die Landespartei bereits seit 2007 führt, beim Parteitag der Nord-SPD im März 2019 erneut antritt.

Beim Kurznachrichtendienst Twitter hatte sich Stegner am Montagmorgen in der ihm eigenen ironischen Art zu der Debatte geäußert. „Mein Musiktipp für Euch da draußen im digitalen Orbit ist von The Clash“, twitterte er. „Should I stay or should I go“.

Von Gordon Repinski/RND

Christian Hiersemenzel 03.09.2018
03.09.2018