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Politik Stegner will sich im Herbst entscheiden
Nachrichten Politik Stegner will sich im Herbst entscheiden
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08:28 11.05.2018
Foto: Einst waren sie vertraute Partner: Nun legt Ex-Innenminister Stefan Studt (re.) Ralf Stegner den Rückzug nahe.
Einst waren sie vertraute Partner: Nun legt Ex-Innenminister Stefan Studt (re.) Ralf Stegner den Rückzug nahe. Quelle: eis: Thomas Eisenkrätzer (Archiv)
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Kiel

Die Diskussionen seien sachlich geblieben, erklärte der Kieler Kreisvorsitzende Jürgen Weber. Auch Stegner sprach von einer „sehr fairen Debatte“. Der seit elf Jahren als Vorsitzender amtierende Stegner will nun im Herbst bekanntgeben, ob er im Frühjahr noch einmal antritt. Noch am Montag hatte der 58-Jährige seine Absicht bekräftigt, sich nicht vor Jahresende zu erklären.

Ex-Innenminister Stefan Studt sagte am Rande der Sitzung, die SPD müsse den Wählern besser erklären, wofür sie eigentlich stehe und weshalb sie gewählt werden solle. Und sie brauche neue und jüngere Gesichter an der Spitze. Es wäre gut, würde Stegner rechtzeitig die Tür öffnen, sagte Studt. Zu einer Hinterzimmerrevolution solle es nicht kommen.

Stegner hatte im Vorfeld einen Rücktritt ausgeschlossen und unserer Zeitung gesagt, er sei „kein Schönwetterkapitän“. Das veranlasste prominente und weniger prominente Genossen im Internet zu einer wortreichen Diskussion: Während oben der Kapitän noch meine, das Schiff durch Stürme steuern zu können, schwanke die Mannschaft unten im Maschinenraum längst zwischen Resignation und Meuterei. „Ralf Stegner ist nicht mal Kapitän in seiner Badewanne“, stänkerte Parteiratsmitglied Yves Christian Stübe auf Facebook. „Nur gilt für ihn offenbar bei Sonnenschein und bei Sturm immer: Beide Hände für mich! Und deswegen ist die SPD SH auch abgesegelt wie ein kroatisches Charterboot. Süßwassermatrose!“

Für Stegner sprang Vize-Landeschefin Bettina Hagedorn in die Bresche. Sie griff das maritime Bild auf und verwies auf ein Zitat der früheren Ministerpräsidentin Heide Simonis. Die vermeintlich besten Kapitäne würden immer an Land stehen. „Und schnacken (vermeintlich) klug rum.“

Irgendwann schaltete sich Ex-Innenminister Andreas Breitner in die Online-Debatte ein: „Ein Spitzenkandidat der SPD mit Ralf Stegner als Landesvorsitzenden braucht gar nicht anzutreten. Null Chance im echten Norden.“

Ein Genosse hielt Hagedorn vor, ein totes Pferd zu reiten. „Warum hängen wir immer noch an diesem Landesvorsitzenden, der von vielen Menschen inner- und außerparteilich nur noch als ,Kotzbrocken’ empfunden wird?“ Der Vorstand müsse endlich mit seiner Erneuerung beginnen. „Warum sind wir nur so betriebsblind, wenn es um unsere Führungsköpfe geht?“ Schließlich platzte Ex-Parteisprecher Amin Hamadmad der Kragen. „Die Bo(o)tschaft ist angekommen. Machtkämpfe in der Partei regeln wir über Wahlen. (...) Meckern und Lautstärke ersetzen kein alternatives politisches und personelles Angebot.“

Von Christian Hiersemenzel und Wolfgang Schmidt