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Politik Syriens Terrorexport nach Europa
Nachrichten Politik Syriens Terrorexport nach Europa
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16:31 18.08.2017
Öffentliche Plätze wie der Boulevard La Rambla sind das neue Kampffeld des Islamischen Staats. Quelle: AP
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Barcelona/Tunis

Die doppelte Tragödie von Barcelona und Cambrils zeigt, wie zuvor die Mordtaten in London, Manchester, Nizza, Brüssel, Paris und Berlin, dass mit einem militärischen Erfolg auf dem nahöstlichen Schlachtfeld der Islamische Terror keineswegs besiegt ist.

Am Tag nach den Anschlägen in Spanien sitzt der Schock tief. 14 Menschen sind getötet worden, mehr als 100 Verletzte werden in Krankenhäusern behandelt. Das Land ist zutiefst getroffen.

Im Gegenteil – für Europa könnten nach einem Ende des „Islamischen Kalifates“ die Terrorgefahren ganz neue Dimensionen annehmen. Denn die bedrängten Gotteskrieger werden sich weit mehr als bisher auf Attentate in der westlichen Welt konzentrieren, um Rache zu nehmen für den internationalen Feldzug gegen ihr Herrschaftsgebiet.

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Giftgas und bombenbestückte Drohnen

Einzelheiten mag man sich noch gar nicht vorstellen. Denn die Fanatiker experimentieren offenbar mit Giftgas und in Laptops versteckten Bomben. Die Anzahl und bösartige Tarnung der in Mosul hinterlassenen Sprengfallen machen selbst erfahrene Bombenentschärfer sprachlos. Inzwischen beherrschen die Jihadisten auch das Abwerfen von Bomben durch kleine, akkubetriebene Drohnen.

Obendrein kursieren im Internet detaillierte Ratschläge für Terrortaten mit Messern, Kalaschnikows und Lastwagen, seit kurzem auch die Bauanleitung für einen Schienenapparat, der Schnellzüge zum Entgleisen bringen soll.

Abgetauchte Kämpfer bilden autonome Guerilla-Zellen

30.000 ausländische Kämpfer aus hundert Nationen standen einst unter dem Kommando des „Islamischen Staates“. Ein beträchtlicher Teil ist in den Gefechten ums Leben gekommen oder hat sich in den verbliebenen Enklaven auf syrischem und irakischem Territorium verschanzt.

Andere sind unter dem Druck der Niederlage in Mosul und der drohenden Niederlage in Raqqa abgetaucht, bilden jetzt autonome Guerilla-Zellen und agieren auf eigene Faust. Von vielen ausländischen Jihadisten aber fehlt jede Spur. Niemand weiß, wo sie sich aufhalten und was sie vorhaben.

Mit jeder IS-Niederlage werden es mehr

Dagegen sind einige hundert Männer, aber auch Frauen und Jugendliche inzwischen in ihre Heimatländer Deutschland, Frankreich, Belgien, England oder Skandinavien zurückgekehrt. Und mit jeder weiteren IS-Niederlage im Nahen Osten werden es mehr. Ein Teil hat sich glaubhaft von der Gewaltideologie losgesagt und kooperiert mit den heimischen Sicherheitsbehörden.

Ein anderer Teil hat der Terrormiliz nach eigener Darstellung offiziell den Rücken gekehrt, bleibt aber anfällig für radikalen Fundamentalismus und lebt als tickende Zeitbombe in den salafistischen Moscheemilieus der europäischen Städte. Hochgefährlich, weil mit konkreten Anschlagsplänen im Kopf, ist bislang nur eine Handvoll Extremisten zurückgekommen.

Aber auch dies kann sich schnell zum Schlechteren wenden, sollte in der nächsten Zeit unter dem Druck der alliierten Militäroffensive auch der Exodus des harten IS-Kerns aus Syrien und Irak beginnen. Deren Kommandos werden den Terror dann mit aller Kraft internationalisieren – und sie haben vor allem Europa im Visier. Denn die ideologische Ausstrahlung des „Islamischen Staates“ ist ungebrochen. Und es mangelt nicht an Sympathisanten, die sich zu weiteren Mordtaten anstiften lassen könnten, auch wenn sie nie auf dem nahöstlichen Kriegsschauplatz waren.

Von Martin Gehlen/RND