Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Politik Zentralrat der Muslime warnt vor Anschlag in Deutschland
Nachrichten Politik Zentralrat der Muslime warnt vor Anschlag in Deutschland
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:16 15.03.2019
„Christchurch liegt mitten unter uns“: Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Quelle: Soeren Stache/picture alliance

Herr Mazyek, was bedeutet das Massaker von Christchurch für die muslimische Gemeinde in Deutschland?

Unsere Gedanken und Gebete gelten den Ermordeten, unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme für diese grauenvolle Tat den Angehörigen und Hinterbliebenen. Für uns Muslime in Deutschland bedeutet der Terror-Anschlag, dass das ohnehin schon belastete Miteinander nicht einfacher werden wird. Hass, Intoleranz und unerklärliche Wut auf Andersdenkende, Anderswirkende, Andersglaubende haben weltweit zugenommen – auch in Deutschland. Wir dürfen nicht so tun, als liege Christchurch am anderen Ende der Welt. Christchurch liegt mitten unter uns.

Gegen wen richtete sich der Anschlag?

Es ist ein Anschlag gegen Muslime, aber es vor allem ein Anschlag gegen die Demokratie, gegen Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Toleranz, Vielfältigkeit – gegen die offene Gesellschaft. Es ist ein Fanal an die eigenen Anhänger und nach außen. Nach dem Motto: Schaut her, dazu sind wir fähig. Der Anschlag zielt darauf, Trittbrettfahrer zu ermutigen, es den Attentätern von Christchurch nachzutun. Es ist äußerst beunruhigend, wie stark das Manifest der Täter auf Europa Bezug nimmt.

Gibt es ähnliche Tendenzen in Deutschland?

Nach allem, was bisher bekannt ist, stammt der Täter aus der identitären Szene. Eine solche Szene haben wir in Deutschland auch. Sie fabuliert von Umvolkung, also dem Austausch der angeblich angestammten Bevölkerung durch Zuwanderer. Ich erinnere nur an die Prepper-Szene, an den Fall Franco A., an rechtsextreme Netzwerke in Sicherheitsbehörden. Wenn der Staat zulässt, dass sich diese Netzwerke ausbreiten, ist die Gefahr eines solchen Anschlags wie jetzt in Christchurch auch in Deutschland nicht mehr auszuschließen.

Angriffe auf Moscheen in Neuseeland

Erstmeldung: Angriffe auf Moscheen in Neuseeland – Mindestens 40 Tote

Bildergalerie: Schüsse in Moscheen in Neuseeland

Lässt der Staat, lässt die Bundesregierung, zu viel zu?

Ich kann nur das beurteilen, was mich persönlich betrifft. Zum Beispiel der sogenannte NSU 2.0 bedroht mich ganz persönlich. Ich würde mir wünschen, dass diese Bedrohung von den deutschen Sicherheitsbehörden ernster genommen würde, als das bislang der Fall ist.

Wird ausreichend viel für den Schutz von Moscheen in Deutschland getan?

Angesichts der steten Zunahme von Anschlägen auf Moscheen fordern wir mehr Polizeischutz. Die Bedrohung steigt. Die deutschen Muslime fühlen sich oft allein gelassen von den Sicherheitsbehörden.

Mitten im Freitagsgebet stürmt ein bewaffneter Mann eine Moschee in Christchurch. Auch in einer anderen Moschee der neuseeländischen Stadt fallen Schüsse. Die Bilanz: mehrere Tote.

Von Jörg Köpke/RND

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Ehemann von Frauke Petry, Marcus Pretzell, hat Anzeige gegen Mitglieder des sächsischen Wahlausschusses gestellt. Hintergrund ist eine Befragung Petrys im November 2015 in dem Ausschuss.

15.03.2019

Der irakische Flüchtling, der unter dem Verdacht steht Ende August 2018 am Rande des Chemnitzer Stadtfestes Daniel H. getötet zu haben, wird nun auch in seiner Heimat gesucht. Die Sicherheitsbehörden vor Ort sagten den deutschen Behörden Unterstützung zu.

15.03.2019

Die Anschläge in Neuseeland mit mindestens 49 Toten hat auch in Deutschland Bestürzung ausgelöst. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, sie trauere mit den Neuseeländern um ihre Mitbürger, die friedlich betend in ihren Moscheen überfallen und aus rassistischem Hass ermordet worden seien.

15.03.2019