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Politik Tötet China Häftlinge, um ihre Organe zu transplantieren? Zehntausende Fälle vermutet
Nachrichten Politik Tötet China Häftlinge, um ihre Organe zu transplantieren? Zehntausende Fälle vermutet
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17:16 18.06.2019
Nur selten dringen Informationen aus dem autoritären China. Quelle: Kyodo/dpa
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Berlin

Der Verdacht ist grausam und verstörend: Werden in China politische Häftlinge getötet, um ihnen anschließend Organe für Transplantationen zu entnehmen? Zu diesem Schluss kommt ein internationales Tribunal in London in seinem Abschlussbericht. „Die Mitglieder des Tribunals sind sich sicher, dass in der Volksrepublik China Organe von politischen Gefangenen entnommen werden. Dies wird seit langem und in sehr großer Zahl praktiziert“, heißt es in dem Schriftstück wörtlich.

Laut der britischen Zeitung „Guardian“ gehen die Menschenrechtler von bis zu 90.000 Organtransplantationen in der Volksrepublik pro Jahr aus, eine deutlich höhere Zahl als von offizieller chinesischer Stelle angegeben.

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Besonders religiöse Minderheiten betroffen

Das „China-Tribunal“, setzt sich aus internationalen Menschenrechtsanwälten und anderen Experten zusammen. Prominenter Vorsitzender ist Sir Geoffrey Nice, der ehemalige Chefankläger des Serbenführers Slobodan Milošević am UN-Kriegsverbrechertribunal.

Er geht davon aus, dass besonders Anhänger der Falun-Gong-Sekte als „Hauptquelle für Organnachschub“ dienen. Die religiöse Minderheit wird von der kommunistischen Regierung in Peking brutal verfolgt. Deshalb sei zu befürchten, dass in Zukunft auch Angehörige der muslimischen Uiguren Opfer illegaler Organentnahme werden. Zuletzt stand China immer wieder in der Kritik wegen Gefangenenlagern, in denen das Regime mutmaßlich hunderttausende Angehörige der ost-chinesischen Minderheit interniert.

Untersuchung der Vereinten Nationen gefordert

Das Tribunal, das im Zuge seiner Ermittlungen Beweise und Zeugenaussagen zusammengetragen hat, fordert nun eine offizielle Untersuchung der Vorwürfe. Die Vereinten Nationen und die internationalen Gerichte müssten in diesem Zusammenhang auch den Vorwurf des Völkermordes untersuchen, heißt es.

Im britischen Parlament wurden als Reaktion Stimmen laut, dass ein Import von Spenderorganen aus China ausgesetzt werden müsse. Auch Reisen in das Land zum Zweck einer Organtransplantation müssten jetzt verboten werden, forderten Abgeordnete des Unterhauses.

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Von Till Eichenauer/RND