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Politik Vom Hoffnungsträger zum Sündenbock
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14:30 16.05.2017
Torsten Albig reagiert während der Landtagswahl 2017 geschockt auf das Wahlergebnis im Landeshaus in Kiel. Quelle: Olaf Malzahn
Kiel

Manchmal sagen Bilder mehr als 1000 Worte. Bei der ersten Fraktionssitzung nach der verlorenen Landtagswahl stand Torsten Albig alleine da. Als Schleswig-Holsteins noch amtierender Ministerpräsident als letzter den Sitzungssaal betrat, kam keiner seiner 20 Fraktionskollegen auf ihn zu. Albig machte im Kieler Landeshaus selbst die Runde. Ein SPD-Mann stand nicht mal auf, als ihm Albig die Hand reichte.

Nun hat der 53-Jährige, der aus Bremen stammt und in Ostholstein und Bielefeld aufwuchs, seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. „So, wie ich es meiner Partei schon unmittelbar nach der Wahl mitgeteilt habe, darf eine künftige Regierungsbildung zwischen progressiven Parteien in Schleswig-Holstein nicht an der Frage scheitern, wer diese Regierung führt“, sagte Albig. Für eine „Ampel“-Koalition kam das aber wahrscheinlich zu spät.

"Hornochse" soll gefallen sein

Bereits kurz nach der klaren Wahlniederlage hatten Genossen aus Bund und Land den Juristen Albig als Hauptgrund für die klare Wahlniederlage der SPD ausgemacht - wohl auch um Kanzlerkandidat Martin Schulz vor der wichtigen Wahl in Nordrhein-Westfalen zu schützen. Sogar der Begriff „Hornochse“ soll in der Berliner Parteizentrale gefallen sein. Denn Albig hatte im Wahlkampf kurz vor Schluss eine mehr als unglückliche Figur abgegeben.

Das einzige TV-Duell mit CDU-Herausforderer Daniel Günther konnte Albig nicht gewinnen. Vorwerfen lassen muss sich Albig auch mangelnde Präsenz im Wahlkampf. Und: Kontrahent Günther konnte im Gegensatz zur Nord-SPD des mächtigen Landeschefs Ralf Stegner mit konkreten Inhalten punkten - von größeren Abständen zu Windrädern bis zur Abkehr vom Turbo-Abitur.

Kaum auf Augenhöhe ausgetauscht

Und da war noch das „Bunte“-Interview, in dem Albig Schilderungen seines Privatlebens mit viel kritisierten Äußerungen über die Gründe für die Trennung von seiner langjährigen Ehefrau verband. Sein Leben habe sich schneller entwickelt als ihres und man habe sich kaum noch auf Augenhöhe ausgetauscht, sagte Albig.

Mit der Neuwahl eines Nachfolgers wird für Albig Schluss sein als Ministerpräsident. Seit 2012 führte er eine relativ geräuschlos arbeitende Koalition mit Grünen und SSW, der Partei der dänischen und frieseischen Minderheit. „Das ist die erste Wahl, die ich verliere, das tut besonders weh“, sagte Albig.

Albig gewann Mitgliederentscheid

Zuvor hatte der einstige Sprecher des Bundesfinanzministeriums und Kieler Oberbürgermeister eine fulminante Karriere hingelegt. Als krasser Außenseiter trat der Jurist 2011 im Kampf um die SPD-Spitzenkandidatur gegen den mächtigen, aber von einem nicht geringen Teil der SPD ungeliebten Stegner an. Albig gewann den Mitgliederentscheid klar und wurde für viele in der Partei zum Hoffnungsträger. Nun gibt der Fan des Fußball-Zweitligisten Arminia Bielefeld und Handball-Rekordmeisters THW Kiel auch sein Landtagsmandat auf.

Im Landtag störten sich in den letzten Jahren viele an Albigs oft pastoralem Ton. In Regierungserklärungen wurde der Blick nach vorn vermisst. Seinen Ministern ließ Albig weitgehend freie Hand. Nur ihm wichtige Themen wie die Flüchtlingspolitik riss er an sich. Seinen Prinzipien blieb er dabei treu - zur Not auch gegen den Bund wie beim Abschiebestopp nach Afghanistan. Ansonsten spielte Albig in der Bundespolitik keine besondere Rolle, abgesehen von gelegentlichen eigenwilligen Interview-Äußerungen wie etwa 2015, als er meinte, die SPD müsse angesichts der Popularität der Kanzlerin gar keinen eigenen Kanzlerkandidaten aufstellen.

Von dpa

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