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Politik Mit den Sommerferien getrickst
Nachrichten Politik Mit den Sommerferien getrickst
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00:36 16.06.2014
Von Ulf Billmayer-Christen
Falckenstein im Sommer: Länger ist der bundesweite Ferienzeitraum ab 2018 vor allem, weil im Folgejahr die Pfingstferien in Süddeutschland eingerechnet wurden. Quelle: Behling (Symbolbild)
Kiel

„Hier soll offenbar ein fauler Kompromiss schöngerechnet werden“, sagt der Vorsitzende des Landes-Tourismusverbandes, Jörn Klimant. Von einem Zugeständnis der KMK an die Tourismuswirtschaft könne man nicht mehr sprechen. Unter dem Strich hätten die Bildungsminister den Ferienkorridor lediglich um einen Tag verlängert.

 Die Rechnung: Nach der ursprünglichen KMK-Vorlage sollte der Korridor für die Sommerferien von 2018 bis 2024 im Schnitt nur 81,6 Tage betragen. Nach Protesten beschloss die KMK nicht ohne Eigenlob, den Ferienzeitraum im Jahresschnitt um drei auf 84,6 Tage auszudehnen. Für diesen Zuwachs ist aber vor allem ein Sondereffekt verantwortlich. Für 2019 kommt die KMK auf einen Korridor von 95 Ferientagen, weil die Pfingstferien in Bayern und Baden-Württemberg sich mit dem Start der Sommerferien in Berlin und Brandenburg überschneiden.

 In den anderen Jahren ist der Korridor deutlich enger. 2018 liegt er bei 80 Tagen, 2020 bei 86 und in den Folgejahren bei 87, 80 und zweimal 82 Tagen. Der Tourismusverband hat nachgerechnet. Demnach beträgt der Sommerferien-Zeitraum ohne den Pfingsttrick gerade mal 82,9 Tage. Das sei zwar eine kleine Verbesserung gegenüber den Ursprungsplänen, bilanziert der Deutsche Tourismusverband (DTV). „Von einem weitreichenden Entgegenkommen, wie es die KMK behauptet, kann aber kaum die Rede sein.“ Die Kritik des DTV, dessen Präsident Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) ist, gilt insbesondere der Schulministerin Waltraud Wende. Sie hatte vom Kabinett den Auftrag bekommen, für eine großzügige Ferienregelung (bis 90 Tage) zu streiten und sonst in der KMK ein Veto einzulegen.

 Wende selbst hatte den Kompromiss als „gute Balance“ zwischen Schulen und Tourismuswirtschaft gelobt und damit – schon vor Bekanntwerden des Pfingsttricks – Widerspruch ausgelöst. „Das Ergebnis liegt hinter unseren Erwartungen und wird die Touristiker an Nord- und Ostsee nicht begeistern“, sagt der Präsident der Unternehmensverbände Nord, Uli Wachholtz. Enttäuscht haben auch die IHKs, der ADAC und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband reagiert. Sie hatten einen 90-Tage-Korridor gefordert, um die Betten besser auszulasten. Jeder nicht gewährte Ferientag koste die Branche allein in Schleswig-Holstein bis zu 15 Millionen Euro.