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Politik Trump-Anhänger werfen Khashoggi Nähe zu Islamisten vor
Nachrichten Politik Trump-Anhänger werfen Khashoggi Nähe zu Islamisten vor
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14:13 19.10.2018
Der vermisste saudische Journalist Jamal Khashoggi wurde am 2. Oktober das letzte Mal gesehen. Quelle: AP
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Washington/Istanbul

Anhänger und Verbündete von US-Präsident Donald Trump kratzen an dem liberalen Image von Jamal Khashoggi und weisen auf Verbindungen des verschwundenen saudischen Journalisten zu Islamisten hin. Abgeordnete der Republikaner hätten in den vergangen Tagen rechte Medienberichte über Khashoggis Nähe zur islamistischen Muslimbruderschaft sowie über seine Berichterstattung über den 2011 getöteten Al-Kaida-Chef Osama bin Laden ausgetauscht, berichtete die „Washington Post“ unter Berufung auf Parteikreise. Die Kritik an dem Journalisten solle Trumps Versuche stützen, ein gutes Verhältnis zu den Saudis aufrecht zu erhalten.

Saudi-Arabien steht im Verdacht, für den Tod des Journalisten verantwortlich zu sein. Trump hatte zuletzt betont, man müsse das Ergebnis der Untersuchungen in dem Fall abwarten. Auch er geht aber inzwischen vom Tod des Regimekritikers aus. Die USA haben lukrative Öl- und Waffengeschäfte mit Saudi-Arabien abgeschlossen.

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Khashoggi hatte Verbindungen zur Muslimbruderschaft“, sagte Fox-News-Nachrichtensprecherin Harris Faulkner demnach in einer Sendung am Donnerstag. Einem örtlichen Radiosender sagte der republikanische Senatskandidat für den US-Staat Virginia, Corey Stewart, laut dem Blatt: „Khashoggi war selbst kein guter Kerl.“

Frühere Sympathien für Islamisten sind bekannt

Trumps Sohn Donald Jr. hatte erst vor einer Woche einen Tweet weiterverbreitet, in dem ein Journalist Khashoggi vorwirft, sich mit bin Laden „in Afghanistan herumgetrieben“ zu haben. „Er ist nur ein demokratischer Reformjournalist, der ein Rollenspiel mit Dschihadisten spielt.“

Khashoggis frühere Sympathien für Islamisten sind bekannt, aber auch sein Wandel zu einem Kritiker der saudischen Regierung, der sich für Reformen, Demokratie und Pressefreiheit aussprach. Er ist saudischer Staatsbürger und war im vergangenen Jahr ins US-Exil gegangen. Dort schrieb er unter anderem eine Kolumne für die „Washington Post“.

Regierungsnahe saudische Medien verbreiten seit Tagen den Vorwurf, Khashoggi habe den Muslimbrüdern, aber auch dem mit Saudi-Arabien verfeindeten Emirat Katar nahegestanden. Die saudische Führung verfolgt die Islamisten. Sie sieht in den Muslimbrüdern eine Gefahr für ihre Macht, weil diese bei vielen Saudis Sympathien genießen.

Türkei will Ermittlungsergebnisse mit der Welt teilen

Türkische Ermittler arbeiten unterdessen an der Rekonstruktion des Verschwindens von Jamals Khashoggi. Grundsätzlich gehen sie von einem Mord im saudi-arabischen Konsulat aus. Aus Ermittler-Kreisen verlautete am Freitag, die sterblichen Überreste Khashoggis seien entweder in einen Wald nördlich von Istanbul oder die Stadt Yalova gebracht worden. Ein Gewährsmann sagte, die Polizei habe festgestellt, dass am 2. Oktober - dem Tag des Verschwindens Khashoggis - zwei Fahrzeuge das Konsulat verlassen hätten. Das eine sei zum Belgrad-Wald gefahren, das andere nach Yalova. Unklar blieb, ob diese Orte von der Polizei abgesucht wurden.

Die Türkei hat die seit Tagen von Regierungsmitgliedern anonym zitierten Audiobänder von der angeblichen Ermordung des saudischen Regimekritikers Jamal Khashoggi bisher allerdings nicht an die USA weitergegeben. Das sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu.

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„Was ist mit Khashoggi passiert, wie ist es passiert und wer sind die Verantwortlichen? Darüber liegen uns natürlich Informationen und Beweise vor, als Ergebnis von bisherigen ... Ermittlungen“, sagte Cavusoglu. Aber die werde die Türkei erst „mit der gesamten Weltöffentlichkeit“ teilen, sobald sich alles vollständig geklärt habe. „Denn die Welt fragt sich zu Recht, was mit Khashoggi passiert ist und wie.“

Türkische Regierungsmitglieder lancieren seit dem Verschwinden Khashoggis am 2. Oktober über türkische und US-amerikanische Medien Informationen zu dessen angeblicher Ermordung im saudischen Konsulat in Istanbul. Dort hatte Khashoggi Papiere für seine Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abholen wollen. Medienberichten zufolge hat die Regierung sowohl Audio- als auch Videobänder, die in grausigen Details nachweisen, dass der Regimekritiker gefoltert und getötet wurde. Der Öffentlichkeit hat die Regierung ihre angeblichen Beweise bisher aber nicht offengelegt. Auch die Frage, wie sie sie bekommen haben könnte, ist weiter offen.

Von RND/dpa/lf

Christian Hiersemenzel 19.10.2018