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Politik Rechte fallen mit neuer „Challenge“ auf die Nase
Nachrichten Politik Rechte fallen mit neuer „Challenge“ auf die Nase
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17:12 03.04.2019
Twitter-User halfen per Photoshop nach: Anhänger der „Abschiebechallenge“ predigten plötzlich #NazisRaus, statt Hass-Botschaften zu verbreiten. Quelle: Twitter/hfr
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Berlin

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter macht eine so genannte Abschiebechallenge die Runde – und viele Menschen fassungslos. Dabei benennen User Menschen mit (und ohne) Migrationshintergrund, die sie gerne abschieben würden und „nominieren“ Gleichgesinnte, die es ihnen nachmachen sollen. Zu den Angegriffenen zählen prominente Deutsche wie die TV-Moderatorin Dunja Hayali oder der Journalist Deniz Yücel. Die Kampagne stößt auf massiven Widerstand im Netz.

Als einer der ersten teilte der NPD-Bundesvorsitzende Frank Franz die Aktion auf Twitter. Er wendete sich in einem Post gegen Sawsan Chebli (SPD), Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales im Berliner Senat. Sie ist auf Twitter besonders gegen Rechts aktiv. Mehrere seiner Sympathisanten folgen dem Aufruf – darunter etwa der NPD-Europaabgeordnete Udo Voigt – und teilen ihrerseits Fotos von sich mit Zetteln, auf die sie Namen der ihrer Meinung nach „Abzuschiebenden“ gekritzelt hatten.

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Der Widerstand im Netz formierte sich rasch

Dunja Hayali reagierte auf die neue Kampagne unter dem Hashtag „#ich bleibe“ einigermaßen entgeistert: „eine #abschiebechallenge - echt jetzt? mehr fällt ihnen nicht ein? und wohin überhaupt? nach datteln? peinliche aktion, zeigt aber, wie weit es schon gekommen ist. dann halt noch ein „schrei nach liebe“ - soll später keiner sagen, er hätte von nichts gewußt ...“, schrieb sie auf Twitter.

Die Show „Late Night Berlin“ des Entertainers Klaas Heufer-Umlauf twitterte eine Gegenstrategie als „perfekten Zeitvertreib“: „1. Hashtag #Abschiebechallenge“ eingeben 2. alle geisteskranken Hass-Tweets von Nazis melden. 3. auf „fällt unter des Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ klicken. 4. aktualisieren und von vorne beginnen.“

Tatsächlich hatten viele Nutzer die „Abschiebechallenge“ bei Twitter gemeldet. Die meisten erhielten die Meldung, es liege kein Regelverstoß gegen die Bestimmungen von Twitter vor.

Der User @PegasusNDS meldete insgesamt fünf Verstöße. Im Fall eines Berliner NPD-Politikers bekam er von Twitter die Rückmeldung: „Gemäß entsprechender Gesetze und unserer Richtlinien hat Twitter den gemeldeten Inhalt in Deutschland zurückgezogen.“ Der Tweet wurde gelöscht. Vier weitere Meldungen des Users wurden aber nicht berücksichtigt. Der NPD-Mann hatte einen Linken-Politiker türkischer Herkunft „nominiert“ und in abfälligen Worten vor ihm gewarnt.

Mit Photoshop gegen die rechte Kampagne

Schließlich fanden Twitternutzer einen Weg, die Kampagne ins Leere laufen zu lassen und ins Lächerliche zu ziehen. Sie nahmen die Fotos der „Abschiebechallenge“-Unterstützer – und bearbeiteten sie digital. Und plötzlich warben diese für die Seenotrettung im Mittelmeer oder predigten „#Liebe statt Hass und #Nazis raus.“

Das Phänomen „Online-Challenges“ gibt es bereits seit Längerem. Bisher waren diese aber nicht politisch, sondern eher lustig oder für den guten Zweck. Zu den bekanntesten gehörte die „Ice Bucket Challenge“ aus dem Jahr 2014. Sie sollte auf die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam machen und Spendengelder für deren Erforschung und Bekämpfung sammeln.

Von Christian Burmeister/RND