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Politik "Das ist blinder Aktionismus"
Nachrichten Politik "Das ist blinder Aktionismus"
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09:00 27.03.2018
Von Heike Stüben
Stefanie Sudhaus vom BUND zeigt Mikroplastik-Partikel (links) und Hautpeeling-Produkte, die solche enthalten. Quelle: eis - Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Die 39-jährige Umweltschützerin Stefanie Sudhaus fordert grundsätzliche Maßnahmen gegen die Vermüllung der Umwelt mit Plastik.

Frau Sudhaus, an der Schlei wird zurzeit versucht, das Plastik an den Uferbereichen abzusammeln. Wie bewerten Sie diese Maßnahme?

Stefanie Sudhaus: Die Plastikteilchen gelangten nach jetzigem Wissen über mehrere Jahre in die Schlei, dazu handelt es sich um kleine Partikel. Die Menge sowie die Größe machen ein Absammeln in unseren Augen aussichtslos. Niemals könnten alle Teilchen entfernt werden. Zudem belastet die Sammelaktion zusätzlich die Umwelt, weil jetzt die Brutsaison der Vögel beginnt. Durch die Störung von Tieren oder beispielsweise durch das Entfernen von Schilf, welches als Nistmaterial und Sichtschutz dient, wirken die aktuellen Aktionen wie blinder Aktionismus. Dazu ist davon auszugehen, dass immer neue Partikel angeschwemmt werden, denn einiges Material dürfte sich noch im Wasser befinden. Der BUND schlägt vor, eine Expertenkommission aus Verwaltung, Fachgutachtern und Umweltverbänden zu bilden, die während der kommenden Brut- und Vegetationsperiode ein Konzept zur Reinigung des Ufers und des Gewässers erarbeitet.


Was passiert mit den verbleibenden Plastikteilchen – an Land und am Wasser?

Plastik ist nicht abbaubar. Das gilt auch für sogenanntes Bioplastik, denn selbst dafür sind spezifische Bedingungen wie eine bestimmte Temperatur nötig. Plastik wird durch chemische und physikalische Prozesse einfach immer kleiner und kleiner. Im Falle der Schlei sind die Partikel schon nah an beziehungsweise unter der Definitionsgrenze von Mikroplastik,die bei fünf Millimeter liegt. Die Partikel werden winzig bis in den Nanometer-Bereich, gelangen über die Schlei auch in die Ostsee und verteilen sich so Stück für Stück im gesamten Nahrungsnetz.


Welche Lebewesen sind von den Folgen betroffen?

Das betrifft nicht nur Vögel, sondern auch marine Tiere vom kleinsten Krebs bis zum Raubfisch – und am Ende auch uns Menschen. Es geht eben nicht nur um das Plastik selbst, welches die Mägen der Tiere verletzt und verstopft und so zum elenden Tod der Tiere führen kann. Es geht auch um Weichmacher im Plastik und um die Eigenschaft, dass Plastik giftige Stoffe wie Glyphosat und PCB wie ein Schwamm anzieht und damit aus dem Umgebungswasser konzentriert. Diese Gifte gelangen dann ebenfalls ins Nahrungsnetz – und somit am Ende auch auf unsere Teller.


Das vollständige Interview lesen Sie in der heutigen Print-Ausgabe der Kieler Nachrichten.

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