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Politik Uni-Ringvorlesung: Carstensen, die Ethik und der Kapitalismus
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19:40 10.06.2009
Kiel

Er spreche vielmehr als „jemand, der mittlerweile auf 62 Lebensjahre zurückblickt“, als Ministerpräsident, als Vater von zwei Töchtern, als „begeisterter Großvater und nicht zuletzt auch bekennender Christ“. Vor etwa 130 Zuhörern machte der Dozent aus der Staatskanzlei aber schnell deutlich, dass es schlechtere Voraussetzungen gibt, um sich mit Max Webers Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ auseinanderzusetzen.Carstensen, der sich fast täglich mit den konkreten Folgen der Krise auf heimatliche Betriebe konfrontiert sieht, nutzte die Gelegenheit für grundsätzliche Gedanken. Auch der Politiker brauche „einen ethischen Rahmen aus Werten und Normen, auf den er seine Entscheidungen beziehen kann“, lautete eine seiner Botschaften.Max Weber ist demnach aktueller denn je. Der Mitbegründer der Soziologie hatte Anfang des vergangenen Jahrhunderts die Zusammenhänge zwischen der protestantisch geprägten Lebens- und Arbeitsweise und der Entwicklung hin zum modernen Kapitalismus untersucht. Weber hatte unter anderem festgehalten, dass es „nicht waghalsige und skrupellose Spekulanten“ waren, sondern „in harter Lebensschule aufgewachsene“ Männer, denen die „Durchsetzung des ökonomischen Lebens“ zu verdanken war. Carstensen, der überzeugte Protestant, spannte den Bogen bis hin zum Bankendesaster und mahnte: „Mehr protestantische Askese hätte uns allen gut getan.“Natürlich: Der Landeschef der Nord-CDU blieb auch im Hörsaal Politiker. Und als solcher konnte er sich auch den Seitenhieb auf seine Amtsvorgängerin Heide Simonis nicht verkneifen. Die SPD-Ministerpräsidentin habe im Zusammenhang mit der HSH Nordbank „plastisch formuliert“, man sei damals wie „besoffen von der Idee gewesen, immer satte Gewinne einzufahren“. Das Zitat mache deutlich, dass manche Politiker die Bank „als Gelddruckmaschine missverstanden haben“, kritisierte Carstensen.Gleichwohl verteidigte er die Rettung vehement. Bei vielen Bürgern sei „der fatale Eindruck entstanden, die Politik helfe mit Milliarden-Beiträgen denjenigen Bankrotteuren, die die ganze Malaise angerichtet haben“. Carstensen beschwor die Zuhörer: „Ich sage Ihnen, wir können die HSH Nordbank nicht pleite gehen lassen. Das wäre unverantwortbar.“ Ihr Bankrott hätte dramatische Folgen für die kriselnde Wirtschaft.Der Christdemokrat erinnerte aber nicht nur an die eigene Verantwortung. Zugleich legte er zwei Bekenntnisse ab. Er sei überzeugt: „Märkte ohne Moral und Regeln funktionieren nicht.“ Und: „In einer Welt, die nach der Maxime leben würde, wenn jeder nur an sich selbst denkt, ist an alle gedacht, möchte ich jedenfalls nicht leben.“ Das könnten sogar Sozialdemokraten unterschreiben.Im Rahmen der Ringvorlesung ist am 1. Juli auch der SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner zu Gast. Er spricht ab 18.15 Uhr über das Thema „Streit und Konsens im politischen Prozess. Welche Rolle spielt die Ethik?“

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