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Politik Viel Streit um den echten Norden
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07:51 29.08.2013
Von Ulf Billmayer-Christen
So will das Land künftig werben. Quelle: Agentur Boy
Kiel

Der Vater des neuen Marketingkonzepts, Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD), reagiert gelassen. „Über Geschmack lässt sich trefflich streiten“, sagt er unserer Zeitung. „Ich bin aber sicher, dass der neue Slogan sich durchsetzen wird.“ Für die Entwicklung zahlte das Land der Kieler Agentur Boy 90000 Euro. Im nächsten Jahr will Meyer weitere bis zu 460000 Euro ausgeben, um die Dachmarke über Schleswig-Holstein hinaus bekannt zu machen.

 Werbe-Profis zweifeln, dass die Kampagne zündet. „Der echte Norden ist Unsinn, denn es gibt ja keinen falschen“, bemängelt der Geschäftsführer der Berliner Kommunikationsagentur Blumberry, Lutz Meyer. Besser wäre ein Slogan wie „Das Land mit Meer und mehr". Skeptisch ist auch der Geschäftsführer der Großagentur Scholz&Friends, Stefan Wegner. Der geringe Werbeetat des Landes reiche allenfalls aus, „um die Botschaft in Kiel zu platzieren“.

 Unterdessen tobt in Schleswig-Holstein die Debatte über Sinn oder Unsinn der Landesmarke. Rückendeckung erhält Minister Meyer aus der Wirtschaft. „Wir haben immer eine Dachmarke für ganz Schleswig-Holstein gefordert“, sagt der Hauptgeschäftsführer der IHK zu Kiel, Jörn Biel. Den umstrittenen Slogan will er nicht bewerten.

 Die Unternehmensverbände (UV) Nord sehen in dem PR-Konzept einen „ersten handwerklich ordentlichen Aufschlag“. Nun müsse die Marke mit Inhalt gefüllt werden, mahnt UV-Nord-Präsident Uli Wachholtz. „Insbesondere für den Tourismus kann dies ein identitätsstiftendes Signal werden.“

 Diese Hoffnung erfüllt sich bisher nicht. „Die Dachmarke ist gut gemeint, aber schlecht gemacht“, meint die Geschäftsführerin der Nordsee-Tourismus-Service GmbH, Constanze Höfinghoff. Sie erinnert daran, dass die Marke „Nordsee“ bundesweit bekannt und beliebt ist. „Für uns ist der neue Slogan keine Alternative.“ Ähnliche Stimmen gibt es an der Ostsee, der nach Berlin zweitbeliebtesten Marke in Deutschland.

 Bei Kiel-Marketing hält sich die Begeisterung ebenfalls in Grenzen. „Es ist richtig, eine neue Dachmarke zu entwickeln, aber fraglich, ob der Slogan für alle Bereiche des Landes taugt“, erklärt Geschäftsführer Uwe Wanger. Die Kampagne werde nur funktionieren, wenn sie gezielt über Bilder aus dem Tourismus transportiert werde. Ihm verdanke Schleswig-Holstein sein positives Image.

 Umstritten bleibt auch das neue Landes-Logo, das neben dem Nesselblatt nur einen einzigen Löwen zeigt. „Das Logo schert sich nicht um die Wappenkunde und mindert das Herzogtum Schleswig ein zweites Mal“, schimpft ein Sprecher der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte. Hintergrund: Das Herzog-tum Schleswig, früher ein Lehen des dänischen Königs (drei Löwen), ist im Landeswappen mit zwei Löwen vertreten.

 Die Löwenfrage beschäftigt nicht nur Historiker. Auch im Kabinett wurde diskutiert, wie das Land es mit den schleswigschen Königstieren und mit dem holsteinischen Nesselblatt halten soll, das im Logo einem Hummer ähnelt. Minister Meyer verspricht, solche Mängel zu beheben. Am Kern der Kampagne will er aber nichts ändern.

 Der Bund der Steuerzahler hinterfragt die Kosten. „Es ist nicht klar, warum das Land eine neue Dachmarke braucht“, so Geschäftsführer Rainer Kersten. „Es wäre besser, den alten Slogan, Land der Horizonte, mit Leben zu erfüllen als ein neues Motto teuer zu bewerben.“ Mit dem Nord-Slogan kann Kersten sich ohnehin nicht identifizieren. „Mich spricht das nicht an, obwohl ich ein waschechter Schleswig-Holsteiner bin.“

 Vielen Bürgern geht es ähnlich. In einer KN-Online-Umfrage spricht sich bisher eine Mehrheit dafür aus, im „Land der Horizonte“ zu leben.

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