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Schleswig-Holstein Neue Infos zu gestrandeten Pottwalen
Nachrichten Schleswig-Holstein Neue Infos zu gestrandeten Pottwalen
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17:40 19.07.2018
Die im Winter 2015/2016 an der Nordsee gestrandeten Pottwal-Bullen gehörten zwei Gruppen mit unterschiedlicher Herkunft an. Quelle: Bodo Marks/dpa
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Hannover

Von den insgesamt 30 im Januar und Februar an den Küsten Deutschlands, der Niederlanden, Großbritanniens, Dänemarks und Frankreichs gestrandeten Pottwalen konnten 24 obduziert werden. Wissenschaftler des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der TiHo und ihre Kollegen aus den betroffenen Ländern untersuchten sie gemeinsam auf Schadstoffe. Sie stellten fest, dass die Tiere zu zwei Gruppen unterschiedlicher Herkunft gehörten. Die Ergebnisse der Studie veröffentlichten sie am Donnerstag im Fachmagazin "Scientific Reports".

Pottwal-Bullen (Physeter macrocephalus) wandern gruppenweise im Sommer aus den gemäßigten und tropischen Zonen in die Polarregionen, weil sie dort reichlich Nahrung erbeuten können. Im Körper jedes einzelnen Wals sammeln sich je nach geografischem Lebensraum und Nahrung unterschiedliche Mischungen und Konzentrationen chemischer Schadstoffe an. Die Untersuchungen von Gewebeproben aus Muskeln, Leber, Nieren und Fett der Kadaver ergaben sogenannte Kontaminationsprofile, die Rückschlüsse auf die sozialen Strukturen möglich machten, in denen die jungen Pottwal-Bullen lebten. 

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Herkunftsgebiete waren mit mit organischen Stoffen verschmutzt

Danach stammten die Pottwale, die im Januar auf Texel in den Niederlanden, auf Helgoland und vor Büsum strandeten, aus Gebieten, die stärker mit organischen Stoffen verschmutzt waren. Außerdem ließen sich in den Proben dieser Tiere auch höhere Konzentrationen Arsen nachweisen - ein Stoff, den man vor allem im Bereich geothermisch aktiver Regionen wie den Azoren und vulkanischen Brennpunkten wie den Kanarischen Inseln und den Kapverden findet.

Bei der Gruppe von acht Bullen, die im Januar 2016 vor Dithmarschen strandeten, sowie bei zwei weiteren Tieren, die Anfang Februar vor Büsum anlandeten, fanden die Forscher niedrigere Konzentrationen organischer Stoffe und Arsen, jedoch höhere Konzentrationen an Zink und Barium. Das in den Ozeanen gelöste Zink kommt in Oberflächengewässern nur in sehr geringen Konzentrationen vor, unterhalb von 1000 Metern Wassertiefe sind die Konzentrationen jedoch sehr hoch. Barium gilt als Indikator für arktische Wassermassen. Das zeigt, dass diese Tiere aus den tieferen nordatlantischen Nahrungsgebieten rund um den norwegischen Schelfrand stammten. Genetische Analysen der Forscher deuten ebenfalls auf eine Herkunft aus dem Gebiet der Kanarischen Inseln und dem nördlichen Teil des Atlantiks hin.

Kanaren und Atlantik

"Die Kombination der toxikologischen und der genetischen Daten lässt darauf schließen, dass unter den gestrandeten Pottwalen zwei Gruppen unterschiedlicher Herkunft waren: Eine Gruppe stammt aus dem Gebiet der Kanarischen Insel und eine aus dem nördlichen Teil des Atlantiks", erklärte der Wissenschaftler Joseph Schnitzler.

Von dpa