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Schleswig-Holstein Immer mehr Einser-Abiturienten
Nachrichten Schleswig-Holstein Immer mehr Einser-Abiturienten
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20:18 16.09.2019
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Es gibt mehr Einser-Abschlüsse im Land: In Schleswig-Holstein bekommen 17,3 Prozent der Abiturienten am Ende ihrer Schulzeit einen Notenschnitt von mindestens 1,9. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa (Symbolbild)
Kiel

"Ich bin schlecht im Büffeln, kann mir dafür aber Sachen sehr gut merken und habe im Unterricht aufgepasst", sagt Emily Seubert (20), die in diesem Jahr ihr Abitur mit der Abschlussnote 1,5 machte. Sie ist damit nicht allein: Wie eine Umfrage der "Rheinischen Post" zeigt, schließen immer mehr Schüler ihr Abitur mit einer Eins vor dem Komma ab.

2018 hatte deutschlandweit mehr als jeder vierte Absolvent einen Notenschnitt von mindestens 1,9. Zehn Jahre zuvor war es noch etwa jeder fünfte Schulabsolvent. Schleswig-Holstein hat mit 17,3 Prozent im Ländervergleich den niedrigsten Anteil an Einser-Abiturienten. 2008 waren es hierzulande 14,9 Prozent.

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Den Angaben zufolge wuchs in den vergangenen zehn Jahren der Anteil der Einser-Abiturienten in 15 von 16 Bundesländern. Nur Baden-Württemberg verzeichnete einen leichten Rückgang.

Philologen Verband warnt vor Noteninflation

"Ich muss vor einer Noteninflation warnen", so Jens Finger, der erste Vorsitzende des Philologen Verbandes Schleswig-Holstein. Die erhöhte Zahl der Einser-Abiturienten sei kein Qualitätsmerkmal. Es bedeute nicht, dass die Schüler heute besser seien als früher.

"Ich finde meine Note gerechtfertigt", sagt Abiturientin Emily Seubert. "Ich habe mit den Sprachen Fächer gewählt, die mir Spaß machen." So seien ihr die Prüfungen leichter gefallen. "Mathe wäre wohl nicht so gut gewesen", so die ehemalige Schülerin des Johann-Heinrich-Voß-Gymnasiums in Lütjenburg.

Auch Luca Hutzfeld aus Hohwacht hat in diesem Jahr ein Einser-Abi abgelegt. "Mit meiner Abschlussnote 1,9 bin ich sehr glücklich", so der 19-Jährige. Während der zwei Jahre in der Oberstufe habe er sich alle Zukunfts-Optionen mit einer guten Note offenhalten wollen. "An dem Punkt, an dem es ernst wurde, wusste ich allerdings schon, dass ich Physik studieren will und dafür keinen Einser-Schnitt brauche." Dennoch habe er für die Abiturprüfungen mehr gelernt als in der Zeit davor. "Ich hatte neben der Schule aber auch noch ein Sozialleben."

Freizeit ist den Abiturienten neben dem Lernen wichtig

Für Greta Wunderlich, die ihren Abschluss am Gymnasium Kronshagen mit der Note 1,1 machte, war die Freizeit neben dem Lernen ebenfalls wichtig: "Ich habe nicht alles für das Abitur hinten angestellt. Ich bin auch zum Training gegangen, wenn am nächsten Tag eine Klausur anstand", sagt die 18-Jährige. Das sei ein wichtiger Ausgleich neben dem Stress in der Schule gewesen. "Wie viel Zeit ich ins Lernen investiert habe, hing vom Fach ab." Für Mathe und Chemie habe sie sich sehr viel vorbereitet. "Da kann man auch Aufgaben bekommen, die man in der Form vorher noch nicht hatte und wo man nur das Werkzeug zum Lösen der Fragestellung kennt."

Ebenfalls am Gymnasium Kronshagen war Wahe Gabrieljan. Er bekam die Abiturnote 1,3. "Ich hätte gedacht, dass ich für die Note mehr tun müsste. Am meisten habe ich für Sport gelernt, da man da viel auswendig lernen musste", so der 18-Jährige mit Blick auf die Abschlussprüfungen. Er findet, dass die mündlichen Noten im letzten Jahr der Oberstufe relativ großzügig vergeben wurden. "Ich glaube, auch, weil es darum ging, ein gutes Abitur zu machen." Bei den schriftlichen Prüfungen habe sich die Benotung aber nicht verändert.

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GEW: Noten sind nicht objektiv

"Noten sind generell nicht gerecht", sagt Bernd Schauer, der Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Schleswig-Holstein (GEW). Auch wenn Lehrer die Schüler so objektiv wie möglich bewerten würden, sei es eine Illusion, dass eine neutrale Einschätzung zu hundert Prozent gelinge. In Bezug auf die gestiegene Zahl der Einser-Abiturienten ergänzt er: "Wir können nicht generell beobachten, dass heute großzügigere Noten vergeben werden als vor einigen Jahren."

Dass die Zahl der Abiturienten mit einer Eins vor dem Komma in Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich am niedrigsten ist, findet Schauer problematisch. "Da Studienplätze nach Abiturnoten vergeben werden, kann es hier für Schüler aus Schleswig-Holstein einen Nachteil geben."

Das sieht auch Jens Finger so: "Schleswig-Holstein ist nicht per se schlechter als Bremen oder Berlin, nur, weil es einen kleineren Anteil an Einser-Abiturienten gibt." Es brauche eine höhere Vergleichbarkeit zwischen den Bundesländern. "Momentan machen die Abiturprüfungen ein Drittel der Note aus, zwei Drittel sind die zwei Jahre zuvor." Dabei seien die Kriterien in der Oberstufe für die Schüler je nach Bundesland unterschiedlich, etwa, wie lange Hauptfächer belegt werden müssen.

Ministerin Karin Prien: Abitur wird ab 2021 besser vergleichbar

"Die sehr unterschiedlichen Zahlen in den einzelnen Bundesländern verdeutlichen: Wir brauchen mehr Vergleichbarkeit und Transparenz in der Bildungspolitik und bei den Bildungsabschlüssen - das ist ein Muss", so Bildungsministerin Karin Prien (CDU). Daran werde in der Kultusministerkonferenz gearbeitet. Ab 2021 seien die unterrichtlichen Rahmenbedingungen vergleichbar, es werde verbindliche Bearbeitungszeiten für die Abituraufgaben in allen Ländern sowie eine einheitliche Bewertungsskala geben.

Von Alexander Timpe und Jördis Früchtenicht

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