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Schleswig-Holstein 80 Wochenarbeitsstunden - Ärzte am Limit
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13:16 29.04.2019
Von Heike Stüben
Im Tarifkonflikt an kommunalen Kliniken hat die Ärztegewerkschaft Marburger Bund für diesen Montag zu einem ganztägigen Warnstreik in Schleswig-Holstein aufgerufen.  Quelle: Daniel Reinhardt/dpa
Kiel

„Die Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern arbeiten bis an ihre Belastungsgrenze und darüber hinaus. Viele Ärzte flüchten in die Teilzeit, weil sie die Hundert-Prozent-Belastung nicht mehr aushalten. Das ist nicht länger akzeptabel", erklärte der 2. Landesvorsitzende vom Marburger Bund, Dr. Joachim Schur.

Streikende in Kiel beklagen: Zu wenig Zeit für Patienten

Die Arbeitsverdichtung habe in den letzten Jahren ein unerträgliches Ausmaß angenommen, bestätigte eine Ärztin bei der Demo in Kiel. Sie selbst arbeitet seit 30 Jahren im Krankenhaus. Es gehe bei den aktuellen Tarifverhandlungen deshalb primär um drei Forderungen: "Mehr Zeit für Patienten, mehr Zeit für Gespräche mit Angehörigen, mehr Zeit für das eigene Leben."

Die Ärztegewerkschaft fordert eine Reform des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, bei den Diensten insgesamt eine verlässliche Planbarkeit und eine Höchstgrenze, sowie zwei freie Wochenenden im Monat.

Minusstunden für Nachtarbeit

Ein zentraler Punkt dabei ist die Arbeitszeitdokumentation: In vielen Krankenhäusern würde diese Arbeitszeit nachträglich gekappt, weil die Arbeitgeber nur so die gesetzliche Maximal-Arbeitszeit einhalten können. "Wir arbeiten also nachts und bekommen dafür Minusstunden angerechnet. Das ist paradox und eine grobe Missachtung unserer Arbeit am Patienten", erklärte eine junge Ärztin.

"Wir fordern deshalb, dass Bereitschaftsdienste nur noch angeordnet werden dürfen, wenn die Arbeit automatisiert und manipulationsfrei erfasst wird", erklärte der Landesvorsitzende Dr. Henrik Herrmann

Gesundheitsdienste fürchten Ausbluten

Außerdem fordert der Marburger Bund, dass die Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst tarifrechtlich nicht benachteiligt werden. "Wir sollen wie Verwaltungsangestellte behandelt werden. Das würde bedeuten, dass die Ärztinnen und Ärzte 1000 bis 1500 Euro weniger verdienen würden", sagt die Claudia Vollmers vom Marburger Bund, selbst Vize-Chefin eines Gesundheitsamtes, "wer soll dann noch in den Gesundheitsämtern arbeiten? Wir haben schon jetzt Personalmangel und können zum Beispiel Schuleingangsuntersuchungen nicht mehr leisten."

Außerdem fordert die Gewerkschaft in den laufenden Tarifverhandlungen eine lineare Gehaltserhöhung um fünf Prozent. 

Notbesetzung an Krankenhäusern während des Streiks

Die Demonstranten zogen vom Rathausplatz in Kiel vorbei am Landeshaus zum Sitz der Arbeitgeberverbandes VKA. Landesweit waren 2000 Ärzte an 13 Kliniken zum Warnstreik aufgerufen. Währenddessen sorgte ein Notbesetzung für Notfälle und die Patienten auf den Stationen.

Planbare Operationen wurden wegen des Warnstreiks verschoben.  Die  4. Tarifverhandlungsrunde findet am 2. Mai in Berlin statt.

Mehr zum Thema: Ärzte-Streik auch an der Imland-Klinik

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