Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein 2G im Einzelhandel, weniger Fans im Stadion: Das gilt künftig in Schleswig-Holstein
Nachrichten Schleswig-Holstein

Aktuelle Corona-Regeln in SH im Überblick: 2G im Einzelhandel, Fans im Stadion

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:18 06.12.2021
Von Christian Hiersemenzel
Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) steht einer Verschärfung der Corona-Regeln für Ungeimpfte offen gegenüber. Harte Einschnitte im öffentlichen Leben für Geimpfte und Genesene, wie es süddeutsche Länder bundesweit fordern, lehnt er für Schleswig-Holstein bisher ab.
Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) steht einer Verschärfung der Corona-Regeln für Ungeimpfte offen gegenüber. Harte Einschnitte im öffentlichen Leben für Geimpfte und Genesene, wie es süddeutsche Länder bundesweit fordern, lehnt er für Schleswig-Holstein bisher ab. Quelle: Frank Peter (Archiv)
Anzeige
Kiel

Die vierte Welle muss gebrochen werden – mit Impfungen und schärferen Corona-Regeln: Das ist die zentrale Botschaft der Bund-Länder-Beratungen von Donnerstag. Beschlossen wurde unter anderem 2G im Einzelhandel, Disco- und Club-Schließungen bei hohen Inzidenzen und Kontaktbeschränkungen. Wie werden die Maßnahmen in Schleswig-Holstein umgesetzt?

„Uns ist ein bundesweit einheitliches Vorgehen wichtig“, sagt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). So soll ab Sonnabend im Einzelhandel 2G gelten. Der Schritt sei von den Experten im Land nicht als notwendig erachtet worden. „Man kann aber auch nicht sagen, man macht als einziges Land nicht 2G“, so Günther – zumal die Regelung bereits in Hamburg greife.

Günther: Nicht allzu große Einschränkungen für den Einzelhandel durch 2G

2G im Einzelhandel in Schleswig-Holstein grenze rund 380.000 Menschen aus, rund 2,5 Millionen Bürgerinnen und Bürger könnten also weiter ganz normal shoppen gehen. Denn diese Personenzahl sei bereits vollständig geimpft oder genesen bzw. von der Regelung ausgenommen, weil sie jünger als 18 Jahre sind. „Es geht nicht darum, den Einzelhandel zu beschränken, sondern Ungeimpfte daran zu hindern, Infektionen zu verbreiten“, sagt Günther.

2G im Einzelhandel soll in Schleswig-Holstein stichprobenartig kontrolliert werden – optimalerweise mehrfach am Tag. „Wenn dort Unterstützung von Ordnungsämtern oder der Polizei erforderlich ist, stehen wir bereit“, bietet Günther den Unternehmern an. Die Landesregierung erwarte von den Einzelhändlern nicht nur, dass sie auf die 2G-Regelung per Aushang hinweisen. Die Kaufleute sollten auch mehrfach am Tag den Impf- beziehungsweise Genesenenstatus ihrer Kunden kontrollieren. Das könne beispielweise gleich am Eingang erfolgen, aber auch beim Bezahlen an der Kasse. Günther verwies in diesem Zusammenhang auf die Gastronomie. „Die macht diesen Job seit Monaten.“

Bei Verstößen gegen die 2G-Regel müsse der einzelne ungeimpfte Kunde mit einem Bußgeld rechnen, nicht das Unternehmen an sich. Wie hoch das Bußgeld sein wird, werde am Freitag mit Veröffentlichung der neuen Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes nachgereicht. Im Rahmen des zu überarbeitenden Bußgeldkataloges für Schleswig-Holstein sei mit empfindlichen, aber voraussichtlich noch dreistelligen Beträgen für jeden Verstoß zu rechnen.

Geschäfte des täglichen Bedarfs, wie etwa Lebens- und Futtermittel, Apotheken, Drogerien, Tankstellen, Babyfachmärkte, Baumärkte, Blumenfachgeschäfte und mehr, sind von der 2G-Regelung im Einzelhandel ausgenommen.

2G plus: In Clubs und Discos sowie in Beherbergungsbetrieben

Bundesweit soll eine 2G-Plus-Regelung in Clubs und Discos eingeführt werden. In Schleswig-Holstein soll das allerdings erst ab dem 15. Dezember gelten, ebenso wie 2G-plus in Beherbergungsbetrieben, machte der Regierungschef deutlich. Das negative Testergebnis sei bei Anreise vorzulegen, es dürfe nicht älter als 24 Stunden sein.

Daniel Günther im Livestream über aktuelle Corona-Regeln für SH

Sollte der Livestream nicht richtig angezeigt werden: Klicken Sie bitte hier.

THW Kiel und Holstein Kiel müssen künftig vor weniger Fans spielen

Bei Veranstaltungen soll die Teilnehmerzahl begrenzt werden. „Wir haben uns auf 50 Prozent verständigt“, so Günther. Heißt: Bei Holstein Kiel und dem THW Kiel dürfen demnächst nicht mehr so viele Fans wie bislang ins Stadion oder in die Arena. Zugang haben nur Geimpfte und Genesene (2G) mit medizinischer Maske. Möglich ist laut Bund-Länder-Beschluss, dass zudem noch ein aktueller Coronatest nachgewiesen werden muss.

Für Weihnachtsmärkte in Schleswig-Holstein gebe es bereits ein Regelwerk, das weiter greifen solle, so Günther. Ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum sei angesichts der aktuellen Corona-Zahlen nicht vorgesehen.

Die 2G-Regelung im Einzelhandel soll bereits ab Sonnabend gelten. Alle weiteren Maßnahmen sollen ab dem 15. Dezember über die neue Corona-Bekämpfungsverordnung greifen.

Was beim Bund-Länder-Gipfel darüber hinaus beschlossen wurde

Neben 2G im Einzelhandel sollen folgende Beschlüsse des Bund-Länder-Gipfels in Schleswig-Holstein umgesetzt werden, sofern sie nicht schon Anwendung finden.

  • Zur Eindämmung der Corona-Pandemie wird die Teilnehmerzahl für überregionale Sport-, Kultur- und vergleichbare Großveranstaltungen deutlich eingeschränkt. Künftig dürfen maximal 30 bis 50 Prozent der Platzkapazität genutzt werden. In Innenräumen dürfen es aber höchstens 5000 Besucher und im Freien höchstens 15 000 sein, wie Bund und Länder am Donnerstag beschlossen haben.
  • In Kultur- und Freizeiteinrichtungen hat die Landesregierung von Schleswig-Holstein längst 2G angeordnet: Zugang haben nur Geimpfte und Genesene. Die im Norden bereits geltende 2G-Regel soll nach einem Beschluss von Bund und Ländern vom Donnerstag bundesweit ausgeweitet werden und unabhängig von der jeweiligen Inzidenz gelten. Ebenfalls soll 2G im Einzelhandel kommen.
  • Clubs und Diskotheken werden bei hohen Corona-Infektionszahlen wegen des Ansteckungsrisikos geschlossen. Dies gilt ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 350 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner, so die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). In Schleswig-Holstein betrug die Inzidenz am Donnerstag 152,3 und lag damit am niedrigsten in ganz Deutschland.
  • Der Verkauf von Böllern und Feuerwerk zu Silvester wird in diesem Jahr erneut verboten. An publikumsträchtigen Plätzen soll es ein Feuerwerksverbot geben.
  • Zur Eindämmung der Corona-Pandemie soll in den Schulen generell eine Maskenpflicht für alle Klassenstufen gelten, auch dort, wo das bisher nicht der Fall ist.
  • Zur Eindämmung der Corona-Pandemie sollen künftig auch Zahnärzte, Apotheker und Pflegefachkräfte Impfungen gegen das Virus vornehmen dürfen. Der Bund werde den Kreis der dazu berechtigten Personen deutlich ausweiten, heißt es.
  • Auf nicht gegen das Coronavirus Geimpfte kommen in ganz Deutschland strenge Kontaktbeschränkungen zu. Zusammenkünfte im öffentlichen und privaten Raum, an denen nicht geimpfte und nicht genesene Personen teilnehmen, seien auf den eigenen Haushalt sowie höchstens zwei Personen eines weiteren Haushalts zu beschränken. Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres seien ausgenommen.

Über eine allgemeine Impfpflicht für alle bestand schon am Dienstag weitgehend Einigkeit. Beschlossen wurde sie am Donnerstag jedoch nicht. Merkels voraussichtlicher Nachfolger Olaf Scholz (SPD) kündigte am Donnerstag an, dass über eine allgemeine Impfpflicht im kommenden Jahr im Bundestag ohne Fraktionsdisziplin abgestimmt werden solle.