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Schleswig-Holstein Klixbüll plant Fluglinie nach Sylt
Nachrichten Schleswig-Holstein Klixbüll plant Fluglinie nach Sylt
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07:05 08.02.2019
Von Christin Jahns
Die Initiatoren des Linienflug-Projekts: Die drei Bürgermeister Werner Schweizer (Klixbüll), Dirk Enewaldsen (Tinningstedt) und Andreas Deidert (Leck) am Flugplatz Leck. Quelle: Privat
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Klixbüll

Die Idee erinnert an eine Satire-Geschichte: Mit der Kampagne „Im hohen Bogen nach Sylt“ und der fiktiven „Catapult Air“ hatte die Sylt Marketing Gesellschaft (SMG) im Sommer auf die miserable Pünktlichkeitsrate auf der teilweise eingleisigen Bahnstrecke zwischen Niebüll und Westerland aufmerksam gemacht. In einem dreiminütigen Protestvideo schlug man vor, dass Urlauber und Pendler mit modernen Wurfmaschinen vom Festland auf die Insel geschleudert werden sollten.

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Das war natürlich nicht ernst gemeint. Doch die Unzuverlässigkeit der Eisenbahn beschäftigt nun auch Klixbülls Bürgermeister Werner Schweizer, der anstelle des Katapults eine „gesündere Luftverbindung“ zwischen der Nordseeinsel und dem Festland plant und mittels Linienflugverbindung eine Alternative auf der Problembahnstrecke schaffen möchte – und das ganz ernsthaft.

Linienflug nach Sylt vom ehemaligen Militärflugplatz Leck

Dazu wollen die nordfriesischen Gemeinden Klixbüll, Leck und Tinningstedt den ehemaligen Militärflugplatz Leck in einen Airpark auf Basis nachhaltiger Energie verwandeln. Die ehemaligen Shelter, in denen früher die „Phantoms“ untergebracht waren, sollen dann zur Garage für Reisende werden. Außerdem sollen Ferienunterkünfte gebaut werden, damit die Gäste neben ihren Flugzeugen übernachten können. „Die Unterlagen haben wir bereits zusammen und rechnen damit, dass wir noch im Laufe dieses Jahres die Genehmigung für unser Vorhaben bekommen“, sagt Schweizer. Das Exposé zur Umwandlung wollen die Bürgermeister in Kürze bei der Landesluftfahrtbehörde vorstellen. Wenn ihr Plan aufgeht, könnten bereits 2020 Taxiflüge auf Abruf stattfinden. Erste Linienflüge mit festem Zeitplan sind für 2021 geplant. Eine norddeutsche Airline soll bereits Interesse bekundet haben, Flüge und Buchungsabläufe zu übernehmen.

Flugzeuge bis 5,7 Tonnen sollen neben Sylt und auch andere Inseln und Halligen anfliegen

Was die Genehmigung der Landebahn angeht, ist Schweizer sehr optimistisch. Da der Flughafen als Sonderlandeplatz geplant ist, werden Flugzeuge nur auf Anmeldung abgefertigt. „Damit sparen wir Personal und Kosten“, erklärt der Bürgermeister. Wenn alles glatt geht, sollen in Leck Flugzeuge bis 5,7 Tonnen landen, die nicht nur Sylt, sondern auch andere Inseln und Halligen wie etwa Pellworm und Bornholm anfliegen könnten. „Andernorts ist es kaum sinnvoll, eine Strecke von 40 Kilometern zu fliegen. Für Inseln gibt es aber oftmals kaum eine Alternative, da der Bau von Straßen und Brücken viel zu kostspielig ist“, erläutert Schweizer.

Langfristig sollen Elektroflugzeuge von Nordfriesland nach Sylt fliegen

Mit einer einfachen Linienverbindung ist das Ziel allerdings noch lange nicht erreicht. Wenn es nach Schweizer geht, soll der Flughafen in Leck zu einem Pilotprojekt für Elektroflugzeuge werden, die mit selbstproduziertem Strom aus Windkraft fliegen. Schweizer sieht hier eine Chance für Schleswig-Holstein, das Fliegen mit neuen Technologien „aus der Schmuddelecke zu holen“. „Luftfahrt mit umweltfreundlichen Antrieb bedeutet auch weniger Flächenverbrauch und ist so insbesondere für Ballungszentren, aber auch für Inseln interessant“, sagt er. „Bis 2030 wird da eine Menge passieren.“

Aber auch abseits seiner Vision vom elektrischen Fliegen hofft Schweizer, auf dem Flugplatz ein Zentrum schaffen zu können, „wo richtig was entsteht“ und auch qualifizierte Arbeitskräfte einen Job oder eine Ausbildung finden. Zumindest was die Übungsbedingungen angehe, habe das dünn besiedelte Nordfriesland hier beste Chancen.