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Schleswig-Holstein Brexit treibt Briten zur Einbürgerung
Nachrichten Schleswig-Holstein Brexit treibt Briten zur Einbürgerung
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09:00 01.03.2019
Von Anne Holbach
Immer mehr Briten in Norddeutschland wollen noch vor dem Brexit einen deutschen Pass haben. Quelle: Holger Hollemann
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Kiel

Allein 39 Briten wollen dann die Prüfung ablegen, die nötig ist, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen.

„Ein harter Brexit kann für hier lebende Briten harte Konsequenzen haben“, sagt VHS-Verbandsdirektor Karsten Schneider. Die Sorge vor den Folgen eines ungeordneten EU-Austritts wachse spürbar.

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In diesem Fall würden in Deutschland lebende Briten plötzlich das in der EU vereinbarte Recht auf Freizügigkeit verlieren. „Sie müssten einen neuen Aufenthaltsstatus beantragen und sich um eine Arbeitserlaubnis kümmern“, erklärt Schneider.

Harter Brexit: Kein Recht mehr auf Doppelpass

Zudem dürften sie nach dem Brexit als sogenannte Drittstaatler ihren Pass aus der Heimat nicht behalten. Für sie gilt die Ausnahmeregelung für Menschen aus EU-Mitgliedsstaaten in Bezug auf die doppelte Staatsangehörigkeit dann nicht mehr.

Geregelter Austritt: Übergangsfrist bis Ende 2020

Verläuft der Austritt dagegen geregelt, soll eine Übergangsfrist bis Ende 2020 in Kraft treten. Wer sich in diesem Zeitraum für die Einbürgerung entscheidet, dürfte dann weiterhin die bisherige Staatsbürgerschaft beibehalten. Ende Januar hatte der Bundestag einen entsprechenden Gesetzentwurf gebilligt.

Zahl der Einbürgerungen von Briten nimmt zu

Die Zahl der Menschen aus dem Vereinten Königreich, die in Schleswig-Holstein eingebürgert wurden, hat seit dem Votum für den EU-Austritt im Jahr 2016 drastisch zugenommen. 2017 erlangten 244 Engländer die deutsche Staatsbürgerschaft, für 2018 liegen noch keine Zahlen vor.

 

Die Volkshochschulen sprechen von deutlich mehr Anfragen in den vergangenen Monaten. Je nach Standort nehmen sie vier bis sechs Mal im Jahr den Einbürgerungstest ab. „Für den Zusatztermin diese Woche haben wir sogar Anmeldungen aus Hamburg vorliegen, weil die Briten dort keinen rechtzeitigen Termin mehr bekommen haben“, sagt Schneider.

Tests sollen schneller ausgewertet werden

Bei der Prüfung werden 33 Fragen gestellt. Für den Test haben die Teilnehmer eine Stunde Zeit. Beantworten sie mindestens 17 Fragen richtig, haben sie bestanden.

„Normalerweise dauert es etwa vier Wochen, bis die Tests ausgewertet sind.“ Nun hätten sowohl das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das den Einbürgerungstest begutachtet, als auch der Sprachtestanbieter Telc zugesagt, die Ergebnisse innerhalb von zwei Wochen vorzulegen.

Einbürgerung in Großbritannien teurer

Das Einbürgerungsverfahren kostet 255 Euro, dazu kommen 25 Euro für den Einbürgerungs- und 164 Euro Euro für den Last-Minute-Sprachtest.

Zum Vergleich: Wer in Großbritannien die Staatsbürgerschaft beantragen möchte, muss 1330 Pfund (rund 1550 Euro) plus 50 Pfund (knapp 60 Euro) für den „Life in the UK“-Test bezahlen

28.02.2019
28.02.2019
Anne Holbach 28.02.2019