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Schleswig-Holstein Vogelvirus Usutu breitet sich weiter aus
Nachrichten Schleswig-Holstein Vogelvirus Usutu breitet sich weiter aus
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15:31 22.05.2018
Ein landesweites Monitoringprogramm soll bei der Aufklärung des Usutu-Virus helfen. Amseln sind bereits verendet. Quelle: pae: Uwe Paesler
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Kiel

Das Usutu-Virus kommt ursprünglich aus Afrika und wird von Stechmücken übertragen. Hauptwirte für das Virus sind Wildvögel, die in der Regel nicht erkranken. Es sind daneben aber auch sehr empfängliche Vogelspezies wie die heimischen Amseln bekannt, welche sich sehr leicht infizieren. Klinisch zeigen diese infizierten Vögel häufig Symptome wie Teilnahmslosigkeit und Störungen des zentralen Nervensystems wie Taumeln oder Kopfverdrehen, gefolgt von vielen Todesfällen.

Monitoringprogramm soll neue Erkenntnisse bringen

Ein landesweites Monitoringprogramm soll nun Erkenntnisse über die Verbreitung des Virus im Land liefern. Zu diesem Zweck können Bürger frisch verendete Amseln beim zuständigen Veterinäramt abgeben. Von dort werden die Tiere zur Untersuchung an das Landeslabor Schleswig-Holstein (LSH) überstellt.

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Die Tiere sollten hierzu eingepackt (beispielsweise in einen Gefrierbeutel) werden und Fundort und -datum auf der Verpackung notiert sein. Es wird empfohlen die toten Vögel aus allgemeinen Vorsichtnahmen nicht mit den bloßen Händen anzufassen und die Hände nach dem Einsammeln zu waschen. Offensichtlich verunglückte (z.B. überfahrene) Vögel sollten nicht eingesammelt und abgegeben werden. Eine Abholung der Vögel durch die zuständigen Veterinärämter ist nicht möglich.

Erste Fälle wurden bereits 2010 nachgewiesen

Das Virus wurde in Deutschland erstmals 2010 in einem Mückenpool aus dem Süden Deutschlands nachgewiesen. Im Folgejahr kam es zu einem massiven Vogelsterben in der nördlichen Oberrheinebene und in den benachbarten Gebieten der Pfalz und des Neckartales. USUV breitete sich in den Folgejahren besonders in Südwestdeutschland unter Wildvögeln, vorrangig Amseln, aus. Auch zahlreiche Zoovögel wie Eulenvögel in Volierenhaltung waren betroffen.

Das Virus breitete sich immer weiter aus

Im Jahr 2016 zeigte das USUV eine sehr starke Aktivität unter den Wild- und Zoovögeln mit deutlicher räumlicher Ausbreitung in weiten Teilen Deutschlands, gefolgt von teilweise massenhaftem Verenden in einzelnen Gebieten. Betroffen war hierbei vor allem Nordrhein-Westfalen. Die starke nationale Verbreitung führte auch zu USUV-bedingten Todesfälle unter Wild- und Zoovögeln in den westlichen Nachbarländern, vorrangig in den Niederlanden, Belgien und im Norden Frankreichs. In Schleswig-Holstein erfolgten erstmals im Spätsommer 2017 zwei Nachweise bei Amseln im südlichen Landesteil - von einem vermehrten Verenden von Amseln wurde bislang aber noch nicht berichtet.

USUV ist auch auf Menschen übertragbar

USUV wird ein zoonotisches Potential zugeschrieben, das heißt das Virus ist über Stiche infizierter Mücken auf den Menschen übertragbar und kann unter bestimmten Bedingungen zu einer Erkrankung führen. Bislang wurden jedoch nur sehr wenige mild verlaufene humane Erkrankungsfälle in Afrika und Europa beschrieben.

Da eine USUV-Infektion bei Vögeln weder anzeige- noch meldepflichtig ist, hat ein Nachweis in der Tierpopulation keine rechtlichen Folgen. Weitere Infos hier.

Von KN-online