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Schleswig-Holstein Auf der Jagd nach mehr Sicherheit
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11:13 02.12.2019
Von Niklas Wieczorek
„Polizei – Folgen“: Autofahrer, die gegen die Regeln verstoßen, werden vom Videowagen der Polizei überholt und aus dem rollenden Verkehr gewunken. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Neumünster

Da wären Rainer Pries und Marco Rose vom Verkehrsüberwachungsdienst Neumünster im Videowagen: Die beiden steigen jeden Tag in eine dunkelblaue Mercedes E-Klasse, die mit mehreren Kameras ausgestattet ist, und jagen in zivil Drängler, Raser und andere Verkehrsrowdys.

Ihr Revier sind die größeren Durchgangsstraßen – die meisten mit Tempolimit: Das wird gleich auf den ersten Metern der A 215 Richtung A 7 deutlich. Noch in Kiel nehmen Pries und Rose einen VW Touareg in den Blick: Der fährt arg schnell im Baustellenbereich, mit einem Knopfdruck startet Beifahrer Pries die Aufnahme – „beidseitig 100“, „jetzt wiederholt“, „jetzt fährt der Touareg sehr dicht auf den roten Toyota Aygo vor ihm auf“, sagt er zur Beweisaufnahme.

Dann schert Rose aus, überholt den Touareg hinter der Baustelle, Pries winkt mit der Kelle, der Touareg reduziert die Geschwindigkeit – auf dem Parkplatz Rumohr kommt es zum Treffen: Die Fahrerin ist einsichtig, das Gespräch und Erfassen der Daten fürs Bußgeld verläuft entspannt.

Manche Autofahrer pachten den Mittelstreifen

„Geschwindigkeit ist der Hauptgrund, warum wir einschreiten“, sagt Pries. Nur nicht auf der A 7 zwischen Hamburg und Bordesholm. Hier gilt freies Fahren auf drei Spuren: „Die Beweisführung auf der dreispurigen Autobahn ist schwierig“, sagt Pries. Meist läuft es flüssig, schätzt Rose ein: Mehr Platz, weniger dichtes Auffahren und weniger Drängler. Aber es könnte noch flüssiger laufen – würden nicht viele den Mittelstreifen pachten. Aber: Erst wenn Fahrer übertrieben lange in der Mitte bleiben, obwohl rechts eine Lücke besteht (laut einem Gerichtsurteil etwa 20 Sekunden Vorbeifahrt), können sie einschreiten.

Lesen Sie auch: Pro und Contra zum Tempolimit auf der A7

Auch bei Lkw-Überholmanövern sei es quasi unmöglich nachzuweisen, ob der Überholte nicht noch beschleunigt hat. „In dem Bereich hier ist wenig zu holen“, sagt Pries daher. Natürlich gebe es Klientel, welches rase – aber das ist ohne Tempolimit schwer feststellbar, und vom Hamburger Sportwagenfahrer auf dem Weg nach Sylt, über die gestresste Mutter, bis hin zum Vertreter im Diesel-Passat nicht einzugrenzen.

Wenn es einmal kracht, wird die dreispurige A 7 lebensgefährlich – auch für die Polizisten, die absperren müssen: „Den gefährlichsten Dienst machen die Kollegen vom Autobahnrevier“, sagt Pries. Mehrere hundert Meter ausgedehnte Trümmerfelder sind keine Seltenheit. Erst am Mittwoch rasten zwei Lkw bei Kaltenkirchen ineinander, ein Fahrer hatte das Stauende übersehen. Die A 7 war stundenlang dicht.

Absperrmaterial auf der A7 wird oft umgefahren

Weil der Verkehr heranrast, werden die Autobahn-Einsatzwagen im Land schrittweise mit besserem Absperrmaterial ausgestattet: Mehrmals die Woche stehe jedoch umgefahrenes Equipment im Revier, bestätigt der stellvertretende Leiter Matthias Trapp in Krogaspe. Das Absperren erfordert Erfahrung. „Wir haben viele junge Leute hier, die die Autobahn nur als Baustelle kennen“, sagt Trapp jedoch. Eine kleine Hilfe ist ein neuer Mercedes-Transporter mit digitaler Warntafel: „Wir freuen uns, dass unsere Klagen gehört wurden: Der Vito und das Absperrmaterial sind Resultate davon“, sagt Trapp.

Den Gewerkschaften reicht das nicht, um die Gefahr zu bannen. Torsten Jäger, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), verweist auf einen jüngst verabschiedeten Antrag aus der Regionalgruppe Mitte: Demzufolge wird sich die GdP für ein Tempolimit von 120 km/h einsetzen, bis es eine Verkehrsbeeinflussungsanlage (VBA) gibt.

Auf anderen deutschen Autobahnen mit sechs Spuren ist das längst Standard: Mit elektronischen Zeichen an Brücken könnte weit vorab gewarnt oder ein Tempolimit gesetzt werden. Auch Gerhard Kath aus dem Landesvorstand der Deutschen Polizeigewerkschaft bestätigt: „Bei dreispurigen Autobahnen wäre das generell sinnvoll.“ Beide Gewerkschaften verweisen auf immer weniger Personal auf den Autobahnrevieren, um fernab der Einsätze unterwegs zu sein.

Lesen Sie hier auch den Kommentar zum Thema Tempolimit.

Grüne und SPD wollen Tempolimit

Entsprechend sprechen sich auch Grüne und SPD im Land sowohl für ein Tempolimit als auch eine elektronische Verkehrssteuerung aus. Viele Fäden für Entscheidungen an einer Autobahn laufen allerdings in Berlin zusammen, wo die SPD sich vor Kurzem noch gegen ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen ausgesprochen hat. Wenn es derzeit kracht, verspricht ein Stau zumindest am Unfallort Sicherheit, bestätigen die Einsatzkräfte. Das gelte für jede Verkehrsberuhigung, auch durch eine Baustelle, wie die vergangenen Jahre auf der A 7.

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KN-Umfrage: sollte ein Tempolimit eingeführt werden?

In jenen Bereichen müssen Pries und Rose vom Verkehrsüberwachungsdienst auf andere Gefahren achten, wie auf die seitlichen Abstände. So fällt ihnen kurz vor dem Bordesholmer Dreieck auf der A 7 nach Norden ein Sprinter auf, der allzu optimistisch auf die linke Baustellenspur zuhält, und weiterfährt, obwohl sein Wagen deutlich breiter ist als die erlaubten zwei Meter. In Warder winken sie ihn heraus und übergeben den Bußgeldbescheid. Auch er sieht sofort ein, worum es geht. „Man trifft relativ viele vernünftige Leute“, sagt Rose. Was für die A 7 künftig vernünftig ist, dürfte weiter diskutiert werden.

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