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Schleswig-Holstein 7,4 Prozent bleiben ohne Berufsabschluss
Nachrichten Schleswig-Holstein 7,4 Prozent bleiben ohne Berufsabschluss
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19:43 10.07.2019
Von Anne Holbach
Eine Langzeitstudie zeigt, dass 7,4 Prozent der Auszubildenden in Schleswig-Holstein dauerhaft ohne Berufsabschluss bleiben.
Eine Langzeitstudie zeigt, dass 7,4 Prozent der Auszubildenden in Schleswig-Holstein dauerhaft ohne Berufsabschluss bleiben. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa (Symbolbild)
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 „Das ist eine Zahl, die einen ein Stück weit aufatmen lässt“, sagte Margit Haupt-Koopmann. Laut der Chefin der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur ist es bundesweit die erste Langzeitstudie dieser Art.

Bei den Vertragsauflösungen von Azubis lag der Norden im Jahr 2017 mit einer Quote von 27,7 Prozent über dem Durchschnitt (25,7). Eine Auflösung sei aber nicht immer gleichbedeutend mit einem endgültigen Abbruch, so Haupt-Koopmann. Deswegen hat sich Studienautor Volker Kotte den Verlauf von Erwerbsbiografien junger Menschen, die 2005 eine Ausbildung begonnen haben, über acht Jahre angeschaut.

Am seltensten brechen Azubis in Bayern ab

Von diesen 16416 Azubis hatten 1216 bis zum 25. Lebensjahr keine abgeschlossene Berufsausbildung. 79 Prozent beendeten eine Ausbildung, fünf Prozent machten einen Studienabschluss. Mit 7,4 Prozent an sogenannten „Drop-Outs“ liegt Schleswig-Holstein über dem Bundesschnitt von 6,2 Prozent. Mehr Abbrecher als hier gibt es nur in Berlin und Brandenburg, am seltensten hören bayrische Azubis auf.

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„Je kontinuierlicher eine Ausbildung verläuft, desto besser verläuft später das Berufsleben“, so Haupt-Koopmann. Mehr als zwei Drittel der Berufsanfänger schlossen ohne zeitliche Unterbrechung oder einen Berufswechsel ihre Ausbildung ab. Rund 44 Prozent dieser Durchläufer waren nicht einen Tag arbeitslos.

Bei Menschen mit Brüchen in der Azubi-Biografie folgten dagegen oft kürzere Beschäftigungsverhältnisse und sie blieben mehr als ein halbes Jahr ohne Job. „Knapp 30 Prozent der Drop-Outs haben nicht einen Tag sozialversicherungspflichtig gearbeitet.“ Im Schnitt war jeder länger als ein Jahr arbeitslos.

Niedrigste Quote im Kreis Segeberg

„Wir können es uns in Zeiten des Fachkräftemangels noch weniger als früher leisten, jemanden auf dem Weg in den Beruf zurückzulassen“, sagte Staatsekretär Thilo Rohlfs. Das Land fördere daher an neun Standorten regionale Ausbildungsbetreuung.

Gravierende Unterschiede auf Kreis- und Stadtebene zeigt die Studie nicht: Bei den Drop-Outs schwanken die Zahlen zwar zwischen 5,4 Prozent im Kreis Segeberg und 9,7 Prozent in Kiel. Aufgrund niedriger Fallzahlen seien diese Werte aber wenig aussagekräftig.

Gründe für Abbruch: Überforderung, Konflikte und unflexible Arbeitszeiten

Haupt-Koopmann sieht zwei Ansätze zur Prävention: „Wir müssen frühzeitig erkennen, dass jemand abbruchgefährdet ist.“ Zudem müsse bei der Berufsorientierung angesetzt werden. In Schleswig und Elmshorn gebe es Pilotprojekte an Berufsschulen, wo über Fragebögen die Situation der Azubis abgefragt wird, um bei Problemen schnell eingreifen zu können.

Zudem gebe es ausbildungsbegleitende Hilfen, die bislang nur von 1600 Jugendlichen genutzt würden. Denn oft sei Überforderung ein Grund für einen Abbruch. Aber auch Konflikte mit Chefs und Kollegen oder unflexible Arbeitszeiten spielten eine Rolle.

Am häufigsten hören Azubis in der Gastronomie auf

Rohlfs betonte, dass die Unternehmer in der Pflicht seien, vernünftige Ausbildungsrahmenbedingungen zu schaffen. Er nahm dabei besonders das Hotel- und Gastgewerbe in den Fokus, wo die Abbrecherquote besonders hoch liegt.

Selten wird dagegen im öffentlichen Dienst (4,1 Prozent) oder im Bankgewerbe (7,9) aufgehört. Die Vertragslösungsquote falle umso höher aus, je niedriger der Schulabschluss war, so Haupt-Koopmann.

Berater sollen wöchentlich in Schulen kommen

Nach den Ferien will die Agentur für Arbeit einmal pro Woche mit Beratern in den allgemeinbildenden Schulen präsent sein. Bislang sei die Frequenz der Besuche je nach Engagement der Schulen sehr unterschiedlich. „Hier wollen wir ein kontinuierliches Angebot aufbauen“, sagte Haupt-Koopmann.

Zudem soll die Berufsorientierung früher starten. Bisher kamen Berater in den Abschluss- und Vorabgangsklassen zum Einsatz, nun sollen sie schon ein Jahr eher ansetzen.

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