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Schleswig-Holstein Die vielen Gesichter des Alters
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10:00 11.09.2018
Von Heike Stüben
Bernd Bünsche fotografiert für ein Projekt der Awo 100-Jährige. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Als Bünsche 2017 gefragt wird, ob er sich vorstellen könne, zum 100-jährigen Bestehen der Awo eine Porträtreihe von Hundertjährigen aufzulegen, stimmt er sofort zu. Seither hat er 53 Menschen ab 100 Jahren aufwärts zu Hause besucht, hat sich ihre Lebensgeschichte angehört, diese mit einem Füllfederhalter in einem gebundenen Buch festgehalten und in Schwarz-Weiß-Porträts mit der Kamera die Persönlichkeit eingefangen. Nicht gestylt, nicht retuschiert, sondern ungeschminkt und authentisch.

Durch das Fotografieren entsteht Nähe

„Das ist für beide Seiten immer eine neue, ungewohnte Situation. Ich möchte, dass diese Menschen für die Zeit unserer Begegnung im Mittelpunkt stehen, aus ihrem Alltag herauskommen, der leider oft durch Einsamkeit geprägt ist. Manche sagen mir, dass sie ihr Dasein als etwas Nutzloses erleben. Und alle leiden unter Verlusten und Abschieden – das ist die Kehrseite eines so langen Lebens.“ Für Bernd Bünsche sind diese Gespräche ein großer Vertrauensbeweis und ein Geschenk. „Es entsteht ein liebevolles Gefühl gegenüber einer Person, die mir zunächst völlig fremd ist. Ich bekomme einen anderen Eindruck von den Dingen des Lebens. Und ich erlebe, wie unterschiedlich und individuell die Menschen sind. Ich hoffe, das wird in meinen Porträts sichtbar.“

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Wer macht mit?

In Schleswig-Holstein leben nicht nur die glücklichsten Menschen, sondern statistisch gesehen auch die ältesten. Mit einer einzigartigen Fotoaktion will die Awo Pflege deshalb zu ihrem 100-jährigen Bestehen im kommenden Jahr diejenigen Menschen in den Mittelpunkt stellen, die mindestens ebenso alt sind wie die Wohlfahrtsorganisation: Menschen, die im Kaiserreich geboren, in der Weimarer Republik aufgewachsen sind, die Nazizeit und den Zweiten Weltkrieg überlebt und die Gründung der Bundesrepublik, die Teilung Deutschlands, das Wirtschaftswunder und die Wiedervereinigung miterlebt haben. Die Awo hofft, dass sich 100 dieser Menschen fotografieren lassen, damit diese Fotos in einer Ausstellung gezeigt und als Bildband veröffentlicht werden können. Die Schwarz-Weiß-Fotos dafür werden ausschließlich von Bernd Bünsche nach einem ausführlichen Gespräch gefertigt und nur veröffentlicht, wenn die Porträtierten die Fotos auch freigeben.

Wer mitmachen will, kann sich bei Anja Abel von der Awo melden. Telefon: 0431-5114551, Fax: 0431/5114559, Mail: anja.abel@awo-sh.de

Christian Hiersemenzel 11.09.2018
Frank Behling 11.09.2018
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