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Schleswig-Holstein Wie Karl Lagerfeld ins Poesiealbum kam
Nachrichten Schleswig-Holstein Wie Karl Lagerfeld ins Poesiealbum kam
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11:41 21.02.2019
Von Kristiane Backheuer
In der Familie von Christel Friedrichs wird das alte Poesiealbum ihres Vaters gehütet wie ein Schatz. Hier trug sich 1947 der spätere Modezar Karl Lagerfeld ein. Quelle: Ulf Dahl
Bad Bramstedt

14 Jahre seines Lebens verbrachte Karl Lagerfeld auf dem platten Land in Schleswig-Holstein unweit der kleinen schleswig-holsteinischen Stadt Bad Bramstedt. Ein Ort, der ihm ganz und gar nicht gefiel.

Karl Lagerfeld trug sich 1947 ins Poesiealbum ein

Zusammen mit dem fast gleichaltrigen Siegfried Werner wächst Karl Lagerfeld hier Tür an Tür auf. Tochter Christel Friedrichs (62) brachte jetzt ein altes Poesiealbum in die Redaktion der Kieler Nachrichten und berichtet von den vielen Erzählungen von damals. 

Karl Lagerfeld wurde von allen "Mule" genannt

Karl Lagerfeld wurde von allen immer nur Mule genannt“, erzählt Christel Friedrichs. Noch immer wohnt sie dort, wo der berühmte Modeschöpfer seine Kindheit und Jugend verbrachte. Auf Gut Bissenmoor. Das Gut, das rund vier Kilometer von Bad Bramstedt entfernt liegt, besteht damals aus einem weißen Gutshaus und mehreren eigenständigen kleinen Bauernhöfen.

In das herrschaftliche Gutshaus zieht Karl Lagerfeld mit der Familie ein, als er ein Jahr alt ist. Sein Vater ist Otto Lagerfeld. Ein Hamburger Kondensmilch-Fabrikant, der mit der Marke „Glücksklee“ Millionen machte. Seine Mutter Elisabeth stammt aus wohlhabenden Verhältnissen. Mit dabei ist auch Schwester Christiane (1931-20015), die alle nur Christel nennen. „Sie ist später nach Amerika ausgewandert“, sagt Christel Friedrichs

Karl Lagerfeld hat in Bad Bramstedt nie mit den anderen Kindern gespielt

Auf dem Gelände von Gut Bissenmoor herrscht damals reges Treiben. Die vielen Kinder der Höfe spielen zusammen im Matsch, klettern auf Bäume, sammeln Kartoffeln. „Nur Karl Lagerfeld hat nie mitgespielt“, erinnert sich Christel Friedrichs an die Erzählungen ihres Vaters.

„Er hat lieber drinnen im Gutshaus im Ecktürmchenzimmer gelesen, gezeichnet, mit Puppen gespielt oder ihnen Kleider genäht.“ Mit anderen Kindern konnte er nie etwas anfangen. „Als Kind träumte ich davon, erwachsen zu sein. Ich fand es erniedrigend, ein Kind zu sein, so als wäre man ein Mensch zweiter Klasse“, sagt er Jahrzehnte später, als er schon längst der „Kaiser der Mode“ geworden ist. 

Die Mutter sprach nur Französisch mit Karl Lagerfeld

Die Mutter fördert die Bildung ihres Sohnes. „Sie hat in Bissenmoor nur Französisch mit ihrem Sohn gesprochen“, sagt Christel Friedrichs. „Er wurde auch nicht auf die Grund- und Volksschule geschickt, sondern wurde von Privatlehrern zu Hause unterrichtet.“ Erst später habe Karl Lagerfeld das Jürgen-Fuhlendorf-Gymnasium in Bad Bramstedt besucht.

Zeichenlehrer Heinz-Helmut Schulz habe schon damals sein großes Talent erkannt. „Ich habe mich schon immer für Kleider interessiert, ohne zu wissen, dass man das Mode nenne“, sagt Lagerfeld einmal in einem seiner zahlreichen Interviews.

Das alte Poesiealbum existiert noch immer

Vorsichtig holt Christel Friedrichs das alte Poesiealbum ihres Vaters hervor. Wohl gehütet über all die Jahre. Ihr Vater Siegfried Werner, der 2006 starb, hatte das ledergebundene Buch im März 1947 an die Lagerfelds gegeben. Hier verewigen sich zuerst die Eltern, Otto Lagerfeld mit einem Zitat des Philosophen Mengzi (Mong Dsi), sie mit einem Schiller-Spruch.

Anschließend gestaltet der damals 14-jährige Karl Lagerfeld eine Seite mit Goethe-Zitat und feinen Blumenranken. „Wunderschön“, sagt Christel Friedrichs anerkennend. „Er war ein Visionär, der seiner Zeit weit voraus war.“

"Nehmen Sie diese grauenhaften Lustgreise weg"

Auch ihr Vater habe trotz der völlig verschieden verlaufenden Kindheit immer wertschätzend über Karl Lagerfeld gesprochen. Ganz anders als der Modezar selbst. Als er 2006 in der Talkshow mit Sandra Maischberger mit den Jungs aus seiner Kindheit konfrontiert wird, verliert er die Beherrschung.

Als Siegfried Werner und sein Freund Karl Wagner dann auch noch vor laufender Kamera von früher erzählen, grantelt der Chanel-Chef: „Nehmen Sie diese grauenhafte Lustgreise da weg.“

Die anderen Jungs kletterten auf Bäume, er las

Karl Wagner, der noch immer in Bad Bramstedt ein Schuhgeschäft betreibt, kontert am nächsten Tag in der „Bild“: „Wir waren gerne im Kuhstall, Karl hielt sich da die Nase zu. Wenn wir auf Bäume geklettert sind, hat er gelesen.“ Die Beleidigung im Fernsehen treffe ihn nicht, sagt er. „Karl hat schon immer viel geredet. Ich bin jedenfalls froh, dass ich nicht so aussehe wie er.“ 

Karl Lagerfeld, den die französische Tageszeitung „Le Figaro“ gerade zum „letzten heiligen Ungeheuer“ ernannt hat, hatte sich nie mit seiner Kindheit und Jugend auf dem Land in Schleswig-Holstein ausgesöhnt. 1949 zieht die Familie wieder nach Hamburg, wo Karl Lagerfeld auch geboren wurde. Vier Jahre später geht der junge Karl nach Paris und seine einzigartige Karriere beginnt. „Ich bin Hanseat, kein Deutscher“, sagt er von sich selbst. Aber auch: „Ich finde mich stinknormal, aber ich weiß vielleicht nicht, was normal ist.“

Auf Gut Bissenmoor stehen noch die Obstbäume von einst

Karl Lagerfeld war ein Schnellredner, ein großer Grantler, ein Genie. Er hinterlässt keine Kinder. Homosexuell, bisexuell, asexuell? „Ich habe alles ausprobiert – aber Sex ist doch nicht so wichtig“, sagte der Workaholic einmal. Ein Teil seines Vermögens erbt seine heißgeliebte Birma-Katze „Choupette“. Weiterleben wird er aber nicht nur in seiner Mode, sondern auch in Bad Bramstedt

Vor 30 Jahren baute Christel Friedrichs auf Gut Bissenmoor mit ihrem Mann ein Haus direkt hinter dem einstigen Gutshaus, in dem Karl Lagerfeld heranwuchs. Das Haus von damals ist schon längst abgerissen. Aber wenn sie auf ihrer Terrasse sitzt, dann blickt sie immer noch direkt in den alten Obstgarten der Familie von Karl Lagerfeld.

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