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Schleswig-Holstein Koalitionspartner geraten in SH in Konflikt
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07:00 06.03.2020
Von Christian Hiersemenzel
Wie viel Leistung sollen Schüler erbringen, wie schwer muss das Abitur sein? In der Regierungskoalition bewerten die Fraktionen diese Frage kontrovers. Quelle: Tobias Kleinschmidt/dpa
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Kiel

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) wies den Betrugsvorwurf am Donnerstag zwar weit von sich. Es gebe aber Defizite innerhalb des föderalen Bildungssystems in der Bundesrepublik. Im Wettbewerb der Länder untereinander müssten die Schulabschlüsse tatsächlich vergleichbarer werden. Prien setzt sich deshalb für einen Bildungsstaatsvertrag ein.

2019 hätten sich die Ressortchefs der Länder in diesem Sinne bereits über die Zulassung zum Medizinstudium verständigt und die unterschiedlichen Abitur-Niveaus zwischen Nord und Süd, Ost und West ausgeglichen. „Aber unstreitig haben wir zurzeit ein Problem“, stellte Prien fest. Noch kenne sie Brodkorbs Befunde nicht und könne seine Schlussfolgerungen nicht nachprüfen. „Ich muss auf eine hoffentlich interessante Lektüre seines Buches warten.“

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Grüne bewerten die Abi-Quote entspannt

Die Grünen-Bildungspolitikerin Ines Strehlau räumte ein, dass die unterschiedlichen Anforderungen ans Abi nicht zur Wettbewerbsverzerrung beim Zugang zu Studienplätzen führen dürften. Insofern sei es ein Schritt in die richtige Richtung gewesen, für die Klausuren bundesweit einen Aufgabenpool festzulegen, aus dem auszuwählen ist. „Grundsätzlich befürworten wir Grünen mehr Zentralisierung im Bildungssystem“, sagte sie. „Aber in einem föderalen System funktioniert Zentralisierung eben nicht mit Fingerschnippen.“

Eine zu hohe Abi-Quote? Die Abgeordnete runzelte angesichts Brodkorbs Kritik die Stirn. „Wir schauen nicht auf die Abiturquote, sondern es geht uns darum, die Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu fördern und zum bestmöglichen Bildungsabschluss zu führen.“ Wenn das in einer höheren Abschlussquote münde, sei das doch erfreulich.

Anita Klahn (FDP): "Der SPD-Mann Brodkorb wäre bei uns gut aufgehoben"

Bei der FDP dagegen rennt der ehemalige Schweriner SPD-Bildungsminister Brodkorb offene Türen ein. „Mit diesen Positionen wäre er bei uns Liberalen gut aufgehoben“, sagte die Landtagsabgeordnete Anita Klahn. „Spannend, dass sich ein SPD-Politiker so kritisch mit der Bildungspolitik der vergangenen Jahre auseinandersetzt.“

Viele Länder hätten in den vergangenen Jahren vor allem ein Ziel verfolgt: Möglichst viele Jugendliche sollten Abitur machen. Die Qualität sei aber auf der Strecke geblieben. „Wir brauchen den Leistungsgedanken an unseren Schulen vom ersten Tag an“, sagte Klahn. Gestärkt werden müssten Grundfähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen, erweitert um digitale Kompetenzen.

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Klahn gab Brodkorb auch in einem anderen Punkt recht: „Unsere Schüler fühlen sich zu Recht gegenüber den Hamburgern, mit denen sie in direkter Konkurrenz stehen, benachteiligt.“ Zugleich kritisierte sie die gestiegene Anspruchshaltung vieler Wirtschaftsbetriebe. Die Unternehmen hätten die Entwertung von Schulabschlüssen abseits des Abiturs unterstützt. „Wir brauchen eine Aufwertung der beruflichen Bildung.“

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