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Schleswig-Holstein Opfer: Weißer Ring zahlt Anwaltskosten
Nachrichten Schleswig-Holstein Opfer: Weißer Ring zahlt Anwaltskosten
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12:15 23.03.2018
Mit der Unterstützung geht die Organisation über die Hilfe hinaus, die Kriminalitätsopfer normalerweise erhalten. Quelle: Jens Büttner/dpa
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Kiel

Der Weiße Ring will die Anwaltskosten für 18 Frauen übernehmen, die der frühere Leiter der Außenstelle Lübeck der Hilfsorganisation sexuell belästigt haben soll. „Wir wollen umfassend helfen“, sagte die Bundesvorsitzende Roswitha Müller-Piepenkötter der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitagausgabe). Der Weiße Ring, der seit Jahrzehnten Verbrechensopfern hilft, wolle die Frauen bei ihren Schadenersatzprozessen gegen den Ex-Mitarbeiter finanziell unterstützen. Um welchen Betrag es sich dabei handelt, sei offen, weil dies vom Streitwert der Verfahren abhänge.

Mit der Unterstützung geht die Organisation über die Hilfe hinaus, die Kriminalitätsopfer normalerweise erhalten. Sonst bietet der Weiße Ring Betroffenen begrenzte finanzielle Unterstützung an, etwa die Erstberatung durch einen Anwalt und Therapeuten, Rechtshilfe im Strafprozess oder Umzugshilfe.

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Im aktuellen Fall geht es um den 73 Jahre alten ehemaligen Außenstellenleiter in Lübeck, gegen den mehrere Frauen und der Bundesverband Strafanzeige gestellt haben. Ihm wird vorgeworfen, hilfesuchende Frauen in Beratungsgesprächen sexuell belästigt und sich vor ihnen entblößt zu haben. Der Mann bestreitet die Vorwürfe.

Einen vergleichbaren Fall habe es noch nie seit der Gründung des Opferschutzvereins 1976 gegeben, sagte Müller-Piepenkötter. Der Verein mit rund 47 000 Mitgliedern verzeichne wegen der Vorfälle in Lübeck bisher nur vereinzelte Austritte.

Der Bundesvorstand hat eine Satzungsänderung angekündigt, um in Notfällen künftig Mitarbeiter vor Ort suspendieren zu können. Weibliche Opfer von Sexualdelikten sollten in Zukunft beim ersten Gespräch generell nur von Frauen betreut werden.

Der Landesvorsitzende des Weißen Rings von Schleswig-Holstein, der frühere Justizminister Uwe Döring, und sein langjähriger Stellvertreter Uwe Rath waren am vergangenen Samstag von ihren Ämtern zurückgetreten, um Schaden vom Verband abzuwenden.

Müller-Piepenkötter kündigte an, dass der Posten des Vorsitzenden rasch wieder besetzt werde. In drei bis vier Wochen werde zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Landesverbandes eingeladen.

Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) und Polizeivertreter wollten sich am Freitagmittag in Kiel zur Affäre beim Weißen Ring äußern. Die SPD hat eine Sondersitzung des Innen- und Rechtsausschusses des Landtags beantragt.

Von dpa

Ulf Billmayer-Christen 23.03.2018