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Schleswig-Holstein Forscher warnt vor Techniker-Notstand
Nachrichten Schleswig-Holstein Forscher warnt vor Techniker-Notstand
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07:00 20.06.2019
Von Heike Stüben
Prof. Olaf Köller vom IPN an der Universität in Kiel hat mit Prof. Mirjam Steffensky das MINT-Nachwuchsbarometer 2019 erstellt - in Zusammenarbeit mit der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und gefördert von der Körber Stiftung.
Kiel

„Über 20 Prozent der Grundschulkinder schneiden in den Naturwissenschaften am Ende der 4. Klasse sehr schlecht ab. In der Mathematik ist auch nicht viel besser“, erklärt Prof. Olaf Köller, Leiter des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel (IPN).

Zusammen mit seiner Kollegin Prof. Mirjam Steffensky hat er im MINT-Nachwuchsbarometer 2019 eine aktuelle Bestandsaufnahme erhoben und fordert: Bereits in der Kita und der Grundschule müssen die Naturwissenschaften mehr Raum bekommen. Fach- und Lehrkräfte müssen besser aus- und fortgebildet werden.

Forscher aus Kiel: Informatikunterricht für alle

In der Sekundarstufe I sei ein flächendeckender Informatikunterricht notwendig. Etwa 30 Prozent der Achtklässler erreichen in Informatik nur die niedrigsten Kompetenzstufen. „Sie werden es vermutlich schwer haben, am gesellschaftlichen und beruflichen Leben in der digitalisierten Welt teilzunehmen.“ Nur 1,5 Prozent der Achtklässler erreichen bisher die Spitzengruppe.

Großes Interesse - geringer Erfolg

In den dualen MINT-Ausbildungsberufen gibt es mehr Bewerber als Ausbildungsstellen. Die Kehrseite: Viele Lehrstellen bleiben trotz Bewerber-Überangebot unbesetzt – 2017 traf das auf 12 200 Stellen zu.

Und: 40 Prozent der Studienanfänger wählen ein MINT-Hauptfach – so viele wie nirgendwo sonst in der EU. Aber: 40 Prozent der Bachelor-Studenten in Mathematik und den Naturwissenschaften brechen ihr Studium ab. Bei den Ingenieurwissenschaften sind es 21 bis 23 Prozent.

Hauptgrund fürs Scheitern: Überforderung

Der Hauptgrund dafür, dass es so viele junge Leute nicht in die Berufe schaffen: Überforderung.

Mitautorin Prof. Mirjam Steffensky vom IPN hält deshalb mehr Unterstützung für Studienanfänger für notwendig – etwa in obligatorischen Brückenkursen.

Auch angehende Azubis bräuchten Ansprechpartner und enge Begleitung. „Das müssen die Betriebe zusammen mit den Berufsschulen lösen. Auch eine Ausbildung light, um erst einmal Erfahrung zu sammeln, ist ein Weg“, erklärt Köller. Große Unternehmen würden bereits erfolgreich Bewerber aus der schwachen Gruppe mit gezielter Förderung ausbildungsfähig machen.

Zuwanderung ist notwendig

Trotz Handlungsbedarf steht für den Bildungsforscher fest: „Der Fachkräftemangel ist nicht primär durch das Bildungssystem verursacht. Die Nachfrage in den MINT-Berufsfeldern ist so groß, dass wir sie in Deutschland gar nicht decken können. Das ist nur mit Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften zu schaffen.“

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