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Schleswig-Holstein Blaualgen in der zentralen Ostsee könnten nach Deutschland treiben
Nachrichten Schleswig-Holstein Blaualgen in der zentralen Ostsee könnten nach Deutschland treiben
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14:07 24.07.2019
Das Luftbild zeigt den Blaualgen-Teppich auf der Ostsee.
Das Luftbild zeigt den Blaualgen-Teppich auf der Ostsee. Quelle: Regierung MV
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Schwerin

In der zentralen Ostsee blühen die Blaualgen. Nun zeigen Satelliten- und Luftbildaufnahmen sehr große Vorkommen vor der dänischen und schwedischen Küste und in etwas schwächerer Form auch vor Mecklenburg-Vorpommern, teilte das Landwirtschaftsministerium am Montag mit. Erkennbar sind sie an einer grünlichen Trübung oder Algenschlieren auf der Wasseroberfläche.

Wegen der Wassertemperaturen von über 18 Grad und ruhiger Wetterlage könnten sich die Blaualgen an der Wasseroberfläche anreichern. Bei Wind aus nördlicher und östlicher Richtung könnte der Algenteppich sogar an die deutsche Küste getrieben werden.

Weiter begünstigt werde dies, weil sich aus Ablagerungen am Meeresboden Phosphor löse. Dieses Phänomen werde durch den Sauerstoffmangel in großen Gebieten der zentralen Ostsee noch verstärkt. Auch in der Kieler Förde und der Eckernförder Bucht gibt es sogenannte Todeszonen. In der Eckernförder Bucht fällt der Meeresgrund steil auf 20 bis 24 Meter ab. Alle Bereiche mit einer Wassertiefe ab 15 Metern zeigten bei einer Messung im Jahr 2018 deutliche Sauerstoffarmut. Bei der flacheren Kieler Bucht war dies bereits ab acht bis zehn Metern der Fall.

Das Luftbild zeigt den Blaualgen-Teppich auf der Ostsee.

Blaualgen im Bordesholmer See nachgewiesen

Blaualgen treten zurzeit in einigen schleswig-holsteinischen Binnengewässern in höheren Konzentrationen auf. An der Badestelle Bordesholmer See (Kreis Rendsburg-Eckernförde) gilt laut Umweltministerium Schleswig-Holstein aufgrund von starken Algenanschwemmungen vorsorglich ein befristetes Badeverbot

Blaualgen sind giftig

Die Blaualge fühlt sich bei 22 bis 25 Grad richtig wohl und vermehrt sich entsprechend kräftig. Blaualgen schimmern mintgrün-bläulich am Ufer und geben dem Wasser einen besonderen Farbton. Doch ein Teil der Bakterien produziert Gifte, die bei Erwachsenen zu Beschwerden wie Durchfall, Bindehautentzündungen, Hautausschlägen oder Atemproblemen führen können. Verschluckt man zu viel Wasser, können auch Übelkeit und Erbrechen auftreten. Vor allem für Kleinkinder besteht durch Schlucken eine ernsthafte Gefahr.

Außerdem ist in einigen Hamburger Gewässern ein erhöhter Blaualgenwert gemessen worden. An der Binnen- und Außenalster wurde am Dienstag ein Wert von 15 Mikrogramm pro Liter gemessen – am Ballindamm waren es sogar 40, wie ein Sprecher der Umweltbehörde am Dienstag mitteilte.

Ein Badeverbot gebe es erst ab 75 Mikrogramm – dieser Wert werde während der Hitzewelle voraussichtlich nicht erreicht. „Die Gefahr besteht noch nicht“, sagte der Sprecher. Trotzdem könne es bereits bei 15 Mikrogramm pro Liter zu Hautreizungen, Übelkeit oder Schwindel kommen.

Saugwürmer im Stadtparksee Hamburg

Badefreunde sollten deshalb nicht dort planschen, sondern auf andere Gewässer ausweichen: „Wir haben in Hamburg 15 offizielle Badestellen, von denen zwölf in ausgezeichnetem Zustand sind“, betonte der Sprecher.

Die Ausnahmefälle seien der Stadtparksee und Boberger See, in dem man Zerkarien entdeckt habe – ein Larvenstadium von Saugwürmern –, die etwa zu juckender Haut führen können. Am Allermöher See sei ebenfalls ein Blaualgenwert von 15 Mikrogramm pro Liter gemessen worden.

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RND/dpa

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