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Schleswig-Holstein Jugendstrafe: Onkel gegen Kopf getreten
Nachrichten Schleswig-Holstein Jugendstrafe: Onkel gegen Kopf getreten
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14:04 08.05.2019
Blick auf das Landgericht. Zwei Brüder wurden dort wegen Körperverletzung verurteilt.  Quelle: Carsten Rehder/dpa
Flensburg

Das Landgericht Flensburg sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass die beiden 20 Jahre alten Deutschen aus dem Kreis Schleswig-Flensburg den Bruder ihres Vaters im Sommer 2018 auf einer Familienfeier in Witzwort im Kreis Nordfriesland mit Schlägen zu Boden gebracht und anschließend mit Tritten gegen Oberkörper und Kopf schwer verletzt haben. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

Hintergrund der Tat waren nach Ansicht des Gerichts seit langem bestehende Spannungen zwischen den Familienzweigen, die aber nie offen ausgetragen wurden. Warum der schwelende Konflikt in der Nacht zum 1. Juli 2018 eskalierte, konnte nicht ganz aufgeklärt werden. Die Familienzweige gingen sich bei der Feier aus dem Weg, zu Provokationen seitens des Opfers ist es Zeugenaussagen zufolge nicht gekommen.

Die Tat war als versuchter Mord angeklagt, einen Tötungsvorsatz hat die Kammer jedoch nicht angenommen. Zwar seien Tritte gegen den Kopf sehr gefährlich, sagte die Vorsitzende Richterin. Aber in diesem Fall seien sie nicht mit solcher Wucht ausgeführt worden, dass man annehmen müsste, die Angeklagten hätten den Tod ihres Onkels gewollt.

Tritte gegen Kopf und Oberkörper

Die Brüder sind in der Tatnacht ihrem Onkel nach draußen gefolgt, als dieser nach Mitternacht die Feier verließ, so die Überzeugung des Gerichts. Die jungen Männer haben demnach ihren Onkel damit konfrontiert, dass er nach Aussage ihres Vaters schlecht über sie und ihre Familie rede. Anschließend schlugen sie ihren Onkel mit Fäusten ins Gesicht und traten ihn, als er am Boden lag, gegen Kopf und Oberkörper.

Erst als eine Cousine der Angeklagten - die das Opfer suchte - die beiden sah und schrie, sie sollten aufhören, ließen sie von dem Mann ab. Selbst wenn er keine bleibenden Verletzungen davon getragen habe, der Onkel leide vor allem darunter, dass er von Familienmitgliedern angegriffen worden sei, sagte die Vorsitzende Richterin.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Schlussvortrag am Dienstag ebenfalls nicht mehr auf versuchten Mord, sondern auf gefährliche Körperverletzung und Bedrohung plädiert. Sie forderte eine Jugendstrafe von jeweils vier Jahren. Die Verteidiger beantragten für ihre Mandanten bewährungsfähige Jugendstrafen verbunden mit (Therapie-)Auflagen und Weisungen. Die Nebenklage, die den geschädigten Onkel vertrat, plädierte für eine Verurteilung zu jeweils sechs Jahren Jugendstrafe wegen versuchten Mordes.

Erziehungsmittel fruchteten nicht

Die Vorsitzende Richterin begründete mit deutlichen Worten, warum für die Kammer statt der Jugendstrafe keine milderen Formen des Jugendstrafrechts wie Arrest in Frage gekommen seien. So hätten Erziehungsmittel wie soziales Training oder Arrest bei den Angeklagten - die bereits früher wegen eines ähnlichen Vorfalls vor Gericht standen - nicht gefruchtet. Die Tat sei zudem unter Bewährung begangen worden.

"Sie sind jetzt an einer Art Wendepunkt. Wenn Sie jetzt nicht wirklich an sich arbeiten, wird es schlimm mit Ihnen ausgehen", sagte die Vorsitzende Richterin. Die Brüder müssten sich klar werden, wie gefährlich das sei, was sie machten. Nur aus Zufall sei bisher nichts Schlimmeres passiert. Zudem hätten sie die Neigung, Gründe für Fehlverhalten bei anderen zu suchen, sagte die Kammervorsitzende. Sie seien aber nicht immer nur Opfer: "Sie haben auch Opfer geschaffen. Fassen Sie sich auch mal an die eigene Nase."

Von dpa

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