Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein Jamaika streitet über Bundespläne
Nachrichten Schleswig-Holstein Jamaika streitet über Bundespläne
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:30 22.05.2019
In Schleswig-Holstein leben derzeit laut Umweltministerium fünf oder sechs Wölfe. Vier davon haben bereits Nutztiere wie etwa Schafe gerissen. Quelle: Patrick Pleul
Anzeige
Kiel

Streitpunkt ist ein Gesetzentwurf von Bundes-Umweltministerin Svenja Schulze (SPD), den das Kabinett am Mittwoch in Berlin billigte. Im Visier hat der Bund insbesondere Wolfsrudel. Aus ihnen sollen Wölfe auch dann abgeschossen werden dürfen, wenn unklar ist, welches Tier genau zum Beispiel eine Schafherde angegriffen hat. Die Pläne sehen zudem vor, dass ein Wolf schon bei „ernsten“ Schäden erlegt werden darf. Bisher müssen die Schäden „erheblich“ seinFDP forderte härtere Regelung

Die Landtags-FDP sieht in der Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes zwar einen richtigen Schritt, fordert aber deutlich weitgehendere Regelungen. „Grundsätzlich geht es uns nicht um den Abschuss einzelner Wölfe, sondern um den Schutz der Weidetierhaltung vor der Ausbreitung des Wolfs, insbesondere in unseren Deichregionen“, sagt Fraktionsmanager Oliver Kumbartzky. „Eine Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht und eine bundesweit einheitliche Beweislastumkehr bei Entschädigungszahlungen etwa für Weidetierhalter wären die richtigen Zeichen gewesen.

Anzeige

CDU hat Zweifel

Der Wolfsexperte der Landtag-CDU, Hauke Göttsch, nennt die Bundesinitiative überfällig. „Zweifelsfrei geht der vorgeschlagene Weg in die richtige Richtung“. Aber: „Ob der Weg auch für Schleswig-Holstein mit seinen Deichen und intensiver Weidegrünlandnutzung ausreichend ist, wird die Praxis zeigen.“ Deutlicher als Göttsch hatte Bundes-Ararministerin Julia Klöckner (CDU) klar gestellt, dass der im Streit mit Kabinettskollegin Schulze erzielte Kompromiss nicht genügt. Klöckner will die „Entnahme einer begrenzten und behördlich spezifizierten Anzahl von Wölfen „zulassen, auch wenn es keine Nutztierrisse gab.

Grüne: Am Schutzstatus des Wolfs nicht rütteln

Die Landtags-Grünen lehnen so einen „vorbeugenden Abschuss“ kategorisch ab und lobten den Bundesvorstoß. „Mit einer einheitlichen Bundesregelung bekommen die Länder endlich die nötige Klarheit und Rechtssicherheit im Umgang mit dem Wolf“, sagte die Naturschutzexpertin Marlies Fritzen. Ähnlich äußerte sich Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). „Es muss aber auch klar sein, dass der Schutzstatus des Wolfs nicht zur Debatte steht und Deutschland seinen Pflichten aus dem EU-Recht beim Artenschutz nachkommt.“

Bundespläne betreffen Schleswig-Holstein kaum

Wolfsexperten gehen davon aus, dass die derzeitigen Bundespläne kaum Auswirkungen auf Schleswig-Holstein hätten. Es gibt hierzulande keine Rudel, also immer die Möglichkeit, Wolfsrisse einem einzelnen Tier zuzuordnen. Zudem ist fraglich, ob der Austausch unbestimmter Rechtsbegriffe (ernster statt erheblicher Schaden) zu mehr Abschussgenehmigungen führt. Unklar ist allerdings, ob der Bundestag den Gesetzentwurf verschärft. So oder so dürfte die Neuregelung frühestens im Herbst in Kraft treten.

Von Ulf Billmayer-Christen

Christian Hiersemenzel 23.05.2019
Ulf Billmayer-Christen 22.05.2019