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Schleswig-Holstein Nicht alles läuft rund in Jagel
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13:14 04.09.2019
2017 hat das Taktische Luftwaffengeschwader 51 "Immelmann" in Jagel die fliegerische Ausbildung der deutschen Tornado-Besatzungen übernommen.
2017 hat das Taktische Luftwaffengeschwader 51 "Immelmann" in Jagel die fliegerische Ausbildung der deutschen Tornado-Besatzungen übernommen. Quelle: Carsten Rehder
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Jagel

Es wird laut auf dem Fliegerhorst Jagel. Innerhalb kürzester Zeit starten mehrere Tornados. Hier stationierte Piloten und Waffensystemoffiziere brechen auf zu ihren regelmäßigen Übungsflügen. Daniel R. steht noch in einem Shelter. Er geht einmal um das Flugzeug. Kontrolliert nach einem festgelegten Plan die Maschine, so wie dies alle Piloten tun. Dabei ist Mathias N.. Beide Namen mussten von der Redaktion geändert werden - weil die richtigen Namen der beiden nicht veröffentlicht werden dürfen.

Von Holloman in den USA nach Jagel

Daniel R. ist Hauptmann der Luftwaffe und lässt sich derzeit in Jagel zum Tornadopiloten ausbilden. Geflogen ist er einen solchen Jet bisher nur im Simulator. Er ist Teilnehmer des Basiskurses 81, des dritten B-Kurses, der in Jagel stattfindet.

Mathias N. ist einer der Tornado-Fluglehrer am Fliegerhorst. Vor gut zwei Jahren hat das Taktische Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ offiziell die fliegerische Ausbildung der deutschen Tornado-Besatzungen übernommen. Bis dahin wurden sie am Standort Holloman in den USA ausgebildet.

Ausbildung in Jagel läuft nicht rund

Richtig rund läuft die Ausbildung nicht, immer wieder gibt es Verzögerungen. Geplant waren neun bis 15 Monate für den ersten Kurs, „aber wir haben 26 Monate gebraucht“, sagt N. Die Gründe sind vielfältig: Personal, das die jungen Piloten ausbildet, stand nicht ausreichend zur Verfügung, Gebäude waren nicht einzugsbereit. Hinzu kommt das norddeutsche Wetter, das an weniger Tagen Flüge erlaubt. Auch der Vogelzug muss beachtet werden. „Es war ein schlechter Start“, gibt N. zu.

Hier sehen Sie Bilder von der Tornado-Flugausbildung in Jagel.

Daniel R. ist seit einem guten Jahr hier in Schleswig-Holstein. Eigentlich sollten er und seine Kameraden ihre ersten Flugstunden in dem Kampfjet schon absolviert haben, aber die Verzögerungen sind noch nicht alle abgearbeitet. Der erste Flug wurde immer wieder verschoben. Das sei sehr ärgerlich, findet R. Denn auch wenn man das Fliegen nicht einfach verlerne „die Übung fehlt und diese Sicherheit, die man einfach dadurch hat“.

Daniel R: "Jeder träumt davon zu fliegen"

Im April 2018 ist der 33-Jährige aus den USA, wo er den ersten Teil seiner Pilotenausbildung absolviert hat, nach Deutschland zurückgekehrt. Kampfjetpilot ist sein absoluter Traumberuf. „Jeder träumt davon zu fliegen oder Astronaut zu werden oder Superstar“, sagt er.

„Aber es fühlt sich so unerreichbar an, wenn man realisiert, wie wenigen es ermöglicht wird.“ Dennoch versucht er sein Glück, bewirbt sich bei der Bundeswehr und informiert sich über den fliegerischen Dienst.

Er absolviert ein mehrstufiges Auswahlverfahren. Dort wird unter anderem die Eignung zum Offizier, die medizinische und fliegerische Eignung getestet. Er besteht. „Und dann wird aus so einem Traum Realität“, sagt Daniel R.

Ausbildung bei der Bundeswehr: Propeller, Jet, Tornado

Seit knapp zehn Jahren ist er bei der Bundeswehr: Ein Jahr Offiziersausbildung, vier Jahre Studium in München, das er mit dem Master für Luft- und Raumfahrttechnik abschloss.

Und erst danach begann die eigentliche Flugausbildung. Die angehenden Piloten lernen Flugtheorie und Fliegerenglisch, absolvieren psychologische und physische Tests, testen Grenzen in Druckkammer und Zentrifuge sowie beim Überlebenstraining auf hohe See.

Und dann kommt die Grundlagenflugausbildung in einer kleinen Propellermaschine. „Das sind ein paar Wochen, wo man die ersten Flugerfahrungen sammelt“, sagt R. „Und dann kann man schon merken, ob man irgendwie flugkrank ist.“ Es gebe leider tatsächlich immer wieder Leute, die an diesem Punkt scheitern. „Weil sie es einfach nicht schaffen, mit der Belastung und der Bewegung im Raum umzugehen.“

Es folgen Trainings mit schnelleren Propellerflugzeugen bis hin zum Jet. Das dauert auch ein bis zwei Jahre. Und dann wird man auf den deutschen Flieger geschult. Im Fall von Daniel R. den Tornado.

Jagel und Büchel

Die Tornados der Bundeswehr sind im rheinland-pfälzischen Büchel und in Jagel stationiert. Während der primäre Auftrag des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 in Büchel laut Luftwaffe „Luftangriff“ lautet, sind die Immelmänner für die Aufklärung aus der Luft und die Bekämpfung gegnerischer Luftabwehr zuständig.

So sind Tornado-Piloten aus Jagel an Aufklärungsflügen etwa im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) über Syrien und dem Irak beteiligt.

Einsätze in der Luft bergen Gefahren

Dass solche Einsätze Gefahren in sich bergen können, ist den Piloten bewusst. Auch, dass während Übungsflügen Katastrophen passieren können, wie etwa der Eurofighterabsturz mit einem Toten vor wenigen Monaten über Mecklenburg-Vorpommern.

„Das sind immer so Momente, wo die Familie enorm besorgt ist. Man bekommt Anrufe, 'geht es dir gut'“, sagt Daniel R. Von seinem Ziel, Tornado-Pilot zu werden, halten ihn Meldungen über Flugzeugunglücke - egal ob mit zivilen oder militärischen Maschinen - nicht ab.

Checklisten verhindern, dass Fehler entstehen

In sein künftiges Arbeitsgerät hat Daniel R. Vertrauen. „Wir haben echt tolle Systeme“, findet er. „Unsere Checklisten und die gemeinsame Arbeit im Cockpit verhindern eigentlich zu 99 Prozent der Fälle, dass irgendwelche Fehler entstehen.“ Anders als Eurofighter sind Tornados mit zwei Mann besetzt - einem Piloten und einem Waffensystemoffizier.

Auch Mathias N. betont das Vertrauen in den Tornado und die gelernten Abläufe, die immer und immer wieder geübt werden. „Das Flugzeug ist zuverlässig“, sagt er. Es habe kaum jemals technische Gründe gegeben, weswegen man ungeplant das Flugzeug verlassen musste. „Das gibt einem schon ein hohes Selbstvertrauen in die Technik.“ Dennoch sei seine Familie immer froh, wenn er heil zurückkommt.

Von Birgitta von Gyldenfeldt