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Schleswig-Holstein Diese Rettungsschwimmer braucht das Land
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16:18 12.10.2019
Von Heike Stüben
Sie haben Schleswig-Holstein beim Bundeswettbewerb des Jugendrotkreuz in der Altersgruppe der 13- bis 16-Jährigen vertreten (von links): die Nachwuchs-Rettungsschwimmer Leonie Jäckel (13), Jannik Schröder (15), Ilka Wertz (16), Eleni Dörhage (14), Yonah Lüdersen (14), Paul Ehlers (16), Jeremy Sümnik (14) aus Kiel. Die weißen Anzüge, die sich im Wasser vollsaugen, mussten bei einer der Aufgaben getragen werden. Quelle: Frank Peter
Kiel

Wer an diesem Wochenende in Kiel dabei ist, hat sich bereits bewährt, hat regelmäßig trainiert, sich als Team in Wettbewerben durchgesetzt. In Schleswig-Holstein haben sich drei Gruppen für den Bundeswettbewerb qualifiziert - zwei aus Kiel und eine aus Nordfriesland.

Jede Woche trainieren die Gruppen einmal. "Natürlich kostet das Zeit, erfordert Lernen und viel Übung", sagt Ilka Wertz aus Kiel. Die 16-Jährige hat in diesem Sommer erstmals mit Erwachsenen zusammen den Strand in Kiel-Falckenstein bewacht - eine verantwortungsvolle Aufgabe, für die viele der ehrenamtlichen Rettungsschwimmer ihren gesamten Urlaub opfern.

Wer bewacht die Strände in Zukunft?

"Aber dafür wissen wir, dass wir etwas wirklich Sinnvolles machen und haben ein tolles Gemeinschaftserlebnis. Und wer bewacht sonst in Zukunft die Strände?", sagt Jannik Schröder (15) aus Kiel, seit elf Jahren begeisterter Schwimmer. 

Es sind Jugendliche wie Ilka und Jannik, auf denen die Hoffnung der DRK-Wasserwachten in der gesamten Bundesrepublik ruhen. Denn es fehlt an Nachwuchs.

Ehrenamt? Viele nehmen lieber einen Mini-Job

Viele Jugendliche verbringen ihr Freizeit lieber mit den sozialen Medien, Videospielen und ähnlichem. Und wer seine Freizeit hergibt, der will Geld dafür und macht lieber einen 450 Euro-Job", sagt Sören Tyldal von der Kieler Wasserwacht. Da kann die Wasserwacht mit einer Aufwandsentschädigung von 20 Euro pro Schicht nicht mithalten. Dabei werden Rettungsschwimmer immer wichtiger.

Denn viele Kinder lernen gar nicht oder erst mit 13, 14 Jahren sicher zu schwimmen. Und Erwachsene überschätzen ihre Schwimmfähigkeiten zunehmend. Eine extrem heiße Witterung wie in den letzten Sommern verstärken das noch.

Erwachsene Schwimmer überschätzen sich

"Die Strandbesucher werfen sich stark erhitzt ins Wasser und wundern sich dann über Kreislaufprobleme. Unsere Rettungsschimmer müssen genau auf die Badenden achten, um sofort einzugreifen, wenn Personen schwindlig wird oder sie sogar kollabieren und bewusstlos werden", sagt Frederic Möß, Landesleiter der DRK-Wasserwacht in Schleswig-Holstein.

Ein weiteres Problem: Die Badegäste schwimmen unbedarft über die Begrenzungszonen hinaus. "Gerade in der Kieler Förde ist das lebensgefährlich. denn die Sportbootfahrer rechnen nicht damit und übersehen die Schwimmer leicht.

Sylt: Rettung per Jet-Ski

Hinzu kommen noch Surfer und Luftmatratzen-Liebhaber, die sich zu weit vom Ufer entfernen und abtreiben", sagt Möß. Auf Sylt hat man sich extra einen Jet-Ski angeschafft, um so große Strecken schnell überwinden zu können. "Eigentlich sind wir außerhalb der Badebegrenzung nicht mehr zuständig. Aber wir unterstützen die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger gerne. In Notsituationen kommt es einfach darauf an: Wer kann zuerst da sein."

Und die Rettungsschimmer leisten auch immer mehr Hilfe an Land. Wunden werden verarztet, es wird erste Hilfe bei Sonnenstich, Bewusstseinstrübungen, Sportverletzungen geleistet, sich um Kinder gekümmert, die ihre Eltern verloren haben oder am Strand schlicht vergessen wurden...

Rettungsschwimmer müssen Allrounder sein

All das sind Situationen, in denen sich auch die jungen Rettungsschwimmer beim Bundeswettkampf in Kiel bewähren müssen. Sie müssen in speziellen Anzügen, die sich voll Wasser saugen, auf Zeit schwimmen, müssen die Rettungsgriffe kennen, tauchen, aber auch in nachgestellten Erste-Hilfe-Notsituationen sicher bewältigen.

"Es geht um aber auch um Teamfähigkeit und Persönlichkeitsbildung", sagt Ralph Schmieder vom DRK-Landesvorstand. Deshalb  gehören zu dem Wettbewerb auch ungewöhnliche Aufgaben - etwa zusammen eine Foto-Love-Story zu kreieren, inhaltliche Fehler in Texten zu erkennen und Müll richtig zu trennen. Alles jeweils innerhalb von maximal zwölf Minuten. Denn die Rettungsschwimmer müssen auch zeigen, dass sie unter Stress konzentriert, zusammen und korrekt handeln.    

Klar, dass anschließend auch noch zusammen gefeiert wird. In der Hein-Dahlinger-Halle wurde dafür sogar ein Strand nachgebaut - natürlich wie fast alles an diesem Wettbewerbswochenende von ehrenamtlichen Helfern.  

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