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Schleswig-Holstein Niclas Herbst kandidiert zum dritten Mal
Nachrichten Schleswig-Holstein Niclas Herbst kandidiert zum dritten Mal
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10:50 22.05.2019
Von Christian Hiersemenzel
Niclas Herbst ist der CDU-Kandidat aus Schleswig-Holstein für die Europawahl. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

In der Nord-CDU galt er bislang als einer der wichtigsten Berater von Ministerpräsident Daniel Günther – einer, dessen Aufgabe es ist, den Chef im Vier-Augen-Gespräch zu kritisieren. Aber schon an der Basis, geschweige denn außerhalb seiner Partei, kennt ihn kaum jemand. Zweimal schon war Niclas Herbst zur Europawahl auf dem aussichtslosen Listenplatz 2 angetreten. Nach dem Verzicht von Reimer Böge auf eine erneute Kandidatur steht der 46-Jährige nun kurz vor dem Sprung nach Brüssel.

Niclas Herbst will nach Brüssel

Zu Hause hängt im Keller ein Sandsack. Während seiner Jahre als Zeitsoldat hatte Herbst mal angefangen zu boxen. „An meiner Nase können Sie es vielleicht erkennen.“ Den Zweikampf habe er aus Gründen des Selbstschutzes längst aufgegeben, aber nach einem harten Tag schnappe er sich noch immer die Boxhandschuhe, um sich abzureagieren. Vielleicht auch, um für Auseinandersetzungen neue Kräfte zu sammeln. Man könne die Zukunft nicht aufhalten, sondern nur stark werden, zitiert der Politiker CDU-Bundestagsfraktionschef Ralph Brinkhaus.

Das allerdings sei wichtiger denn je. „Europa ist in Gefahr.“ Die bevorstehende Wahl eigne sich mitnichten für Denkzettel, sondern könne erhebliche negative Folgen haben. „Wenn 30 oder 40 Prozent der Sitze an extreme Parteien fallen, muss sich der ganze Rest einigen. Dann kann man kaum noch vernünftige Beschlüsse erwarten.“

Europawahl im Fokus

Dabei komme es mehr denn je auf Einigkeit an. Herbst spricht vom Klimawandel, den wirtschaftlichen Herausforderungen zwischen Trump und China, von ethischen Fragestellungen in Medizin- und Gentechnik, aber auch von wichtigen Förderprogrammen. „Es gibt eine hohe Zustimmung für Europa. Aber die müssen wir wecken.“ Herbst wuchs in Ratzeburg auf, dem ehemaligen Zonenrandgebiet. Die Wendejahre und die „deutsche Einheit als europäischer Prozess“ hätten seinen politischen Werdegang wesentlich geprägt. „Der ungarische Außenminister hat mal Grenzzäune zerschnitten, nicht aufgestellt. Und Flüchtlinge aus der DDR wurden vernünftig behandelt, nicht abgeschoben.“

Herbst ist studierter Politologe, war Unternehmensberater im Ostseeraum, saß zwei Legislaturperioden für die CDU im Kieler Landtag, ist seit elf Jahren stellvertretender Landeschef der überparteilichen Europa-Union und leitete zuletzt die Stabsstelle für politische Koordinierung in der Staatskanzlei. Seine Frau Kristina ist Staatssekretärin im Innenministerium. Wer kümmert sich da um die drei Kinder im Alter von sechs, sieben und neun Jahren? Es gab eine Phase in seinem Leben als Hausmann und Vater. Herbst denkt gern daran zurück, als er für das Mittagessen zuständig war, während seine Frau zur Arbeit ging. Seit März lebt ein albanisches Aupair-Mädchen in der Einliegerwohnung.

Der CDU-Kandidat aus Schleswig-Holstein hat zwei Kinder

„Ich bin sehr konservativ“, sagt der CDU-Mann. „Das Wichtigste in meinem Leben sind meine Kinder.“ Er sei Reserveoffizier, habe Respekt vor der staatlichen Obrigkeit und sei ein überzeugter Anhänger der sozialen Marktwirtschaft. „Konservativ ist für mich eine Haltung, kein Widerspruch zu gesellschaftspolitischer Offenheit. Ich habe kein Problem damit, dass meine lesbischen Nachbarinnen heiraten.“ Anfang des Jahres hatten die Eheleute Herbst deutschlandweit für mediale Aufmerksamkeit gesorgt, als bekannt wurde, dass Daniel Günther seit 2012 Patenonkel eines ihrer Kinder ist. Niclas Herbst zuckt die Achseln. Günther sei damals noch nicht Regierungschef gewesen, man kenne einander seit Anfang der 1990er-Jahre. „Und gute Paten sind mir wichtiger als eine schlechte Schlagzeile.“ Wenn er zwischen Beliebtheit und einem klaren Wort wählen müsste, sei klar, wofür er sich entscheide. „Eine starke Meinung ist mir stets wichtiger.“

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