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Schleswig-Holstein CAU und FH Kiel: Warum die Professorinnen fehlen
Nachrichten Schleswig-Holstein CAU und FH Kiel: Warum die Professorinnen fehlen
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06:00 09.10.2019
Von Anne Holbach
Noch viel zu tun: Auch CAU-Vizepräsidentin Prof. Anja Pistor-Hatam (re.) und Gleichstellungsbeauftragte Dr. Iris Werner sehen, dass das Geschlechterverhältnis bei den Studenten und Doktoranden zwar ausgeglichen ist, es bei den großen Professuren aber immer noch einen starken Knick gibt.
Kiel

In Europa liegt der laut „She Figures“-Bericht der EU-Kommission mit 23,7 Prozent aber deutlich höher. Das zeigt eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen.

„Bei den Studierenden ist das Verhältnis noch ausgeglichen, bei den Promotionen auch. Aber wenn es zu den großen Professuren geht, dann gibt es einen sehr starken Knick“, sagt Dr. Iris Werner, Gleichstellungsbeauftragte der Christian-Albrechts-Universität (CAU). An der Uni in Kiel sind 52,7 Prozent der Studierenden weiblich, bei den Absolventen lag ihr Anteil im Prüfungsjahr 2018 sogar bei rund 58 Prozent.

Universitäten: Viele Positionen sind mit Männern besetzt

Auch bei den Promotionen halten sich die Geschlechter in der Waage: 231 Doktortitel gingen zuletzt an Männer und 243 an Frauen. Unter den 24 Juniorprofessoren an der CAU sind 14 weiblich. Diese befristeten Stellen mit geringerem Gehalt sind aber nicht vergleichbar mit der Stellung von Lebenszeitprofessuren.

Diesen Schritt auf der Karriereleiter erklimmen deutlich weniger: Der Frauenanteil bei den W2- und W3-Professoren an der CAU liegt bei 23,3 Prozent. Das liege vor allem daran, dass es lange dauere den Bestand zu erneuern. Weil früher kaum Wert auf Gleichstellung gelegt wurde, sind viele Positionen mit Männern besetzt.

In zehn Jahren will die CAU Kiel einen Frauenanteil von 40 Prozent

Die meisten Professoren seien bei ihrer Berufung etwa 40 Jahre alt. „Das heißt, sie sind dann für Jahrzehnte an ihrem Lehrstuhl“, so Werner. „Professoren haben zudem als Beamte auf Lebenszeit das Recht, ihre Dienstzeit um drei Jahre zu verlängern, wenn sie noch nicht in Ruhestand gehen möchten“, sagt CAU-Vizepräsidentin Anja Pistor-Hatam. „Das verzögert die Zeit noch einmal, bis ein Posten neu besetzt werden kann und vielleicht eine Frau nachrückt.“

In der Mathematik und der technischen Fakultät gebe es kaum Professorinnen, die höchste Frauendichte herrsche in der Theologie und Philologie. Islamwissenschaftlerin Pistor-Hatam wurde 2003 berufen. „Es ist immer leichter, wenn schon Frauen unterwegs sind“, sagt sie. „Mein Umfeld war damals sehr männlich geprägt. Die Unterstützung war da sehr unterschiedlich.“ In zehn Jahren will die CAU einen Frauenanteil von 40 Prozent unter den Professoren erreicht haben. Das sei ein realistisches Ziel.

Gute Platzierung für Schleswig-Holstein

Heute setzten sich bei fast bei der Hälfte der Neuberufungen Frauen durch. Weil die CAU ihren Frauenanteil seit 2012 fast um mehr als neun Prozent erhöhen konnte, teilt sie sich im bundesweiten Hochschulranking nach Gleichstellungsaspekten des Leibniz Instituts mit der Uni Düsseldorf den sechsten Platz und katapultierte Schleswig-Holstein in die Spitzengruppe. Die anderen schleswig-holsteinischen Hochschulen rangieren im Mittelfeld. Die ersten Plätze erreichten die Stadtstaaten, unter den Flächenländern ist nur Brandenburg vor Schleswig-Holstein.

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) freut sich zwar über die gute Platzierung. „Damit geben wir uns aber nicht zufrieden.“ Im Rahmen der Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit den Hochschulen werde zukünftig nicht nur auf die Zahl der eingestellten Professorinnen geachtet, sondern auch wie viele Wissenschaftlerinnen durch einen Ruf nach Schleswig-Holstein geholt werden konnten. „Um die Besten zu bekommen und hier zu halten, müssen wir nicht nur gute Arbeitsbedingungen, sondern auch ein attraktives Arbeitsumfeld bieten.“ An der Fachhochschule Kiel sind von den 145 Professoren aktuell 27 Frauen. Die meisten lehren in den Fachbereichen Soziale Arbeit, Wirtschaft und Medien. In den technischen Gebieten sind sie kaum vertreten. Von den Studenten sind 43 Prozent weiblich.

Familiäre Situation wird mitberücksichtigt

Das Wissenschaftssystem sei mit seinen Strukturen und Logiken der Anerkennung traditionell männlich geprägt, sagt Gleichstellungsbeauftragte Dr. Marike Schmeck. Die Berufsbiografien von Frauen verliefen oft weniger geradlinig und lückenlos. „Ihnen wird gesellschaftlich nach wie vor die primäre Zuständigkeit für familiäre Care-Arbeit zugeschrieben.“ Das führe zu einer Benachteiligung, weil für FH-Professuren neben einer wissenschaftlichen Qualifizierung auch eine mehrjährige berufspraktische Erfahrung vorausgesetzt werde. Deswegen bemühe sich die FH Kiel, gezielt Frauen auf sämtlichen Qualifizierungsstufen der Laufbahn zu stärken.

An der CAU Kiel werde bei der Bewertung von Leistungen die familiäre Situation mitberücksichtigt, so Werner. „Wenn wir sehen, da ist eine Person mit zwei Kindern und die hat vielleicht fünf Publikationen weniger aufzuweisen als ein Bewerber ohne Familienpflichten, wird das mit in die Entscheidung einbezogen.“

Noch etwas anderes habe sich bewährt: „Wir haben die Regelung gefunden, dass bei einer Berufung mindestens drei geeignete Frauen aktiv zur Bewerbung aufgerufen werden müssen.“ Das werde nicht etwa getan, weil sich Frauen gerne bitten ließen. „Frauen bewerben sich oft nur, wenn sie das Gefühl haben, dass sie zu 100 oder sogar 110 Prozent auf eine Ausschreibung passen. Männer machen das dagegen auch, wenn sie nur zu 80 Prozent den Anforderungen entsprechen.“

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