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Schleswig-Holstein Corona-Regeln: Schleswig-Holstein schließt 2G nicht mehr ganz aus
Nachrichten Schleswig-Holstein

Corona-Regeln, 2G in SH, Impfen: So geht es im Winter 2021 weiter

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19:12 11.11.2021
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Wie soll es im Norden angesichts der steigenden Infektionszahlen weitergehen?
Wie soll es im Norden angesichts der steigenden Infektionszahlen weitergehen? Quelle: Frank Peter
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Kiel

3G am Arbeitsplatz, 2G in bestimmten Bereichen, eine Impfpflicht für Gesundheits- und Heilberufe: Die Landesregierung Schleswig-Holstein schließt eine Verschärfung der Corona-Regeln mit Ende der pandemischen Notlage zum 25. November nicht mehr aus.

Derzeit laufen Gespräche über Corona-Regeln mit Experten, bei einem Bund-Länder-Treffen am kommenden Donnerstag will die Regierung dann neue Leitlinien festziehen. Unter anderem, wie 2G bei größeren Veranstaltungen im Innenbereich definiert wird und 3G am Arbeitsplatz umgesetzt werden kann.

Die aktuelle Corona-Verordnung, die am Sonntag ausläuft, soll mit kleinen Änderungen solange fortgeschrieben werden, bis es ein neues Regelwerk gibt. So bleibt es zunächst beim 3G-Modell (geimpft, genesen, getestet) in Innenräumen.

Auch wenn 2G kommt: Weihnachtsmärkte in SH sollen stattfinden können

Die Pläne der Landesregierung sind nicht als Absage an Veranstaltungen und Weihnachtsmärkte in Schleswig-Holstein zu verstehen. Diese „sollen weiter durchgeführt werden können“, so Ministerpräsident Daniel Günther.

In Schleswig-Holstein sei die Corona-Lage aktuell nicht so angespannt wie beispielsweise in Bayern mit Inzidenzen über 300 oder Sachsen über 500. Ministerpräsident Daniel Günther spricht hier von einer Schere, die Deutschland in zwei Teile trennt: Zwischen den Bundesländern mit hoher Impfquote und denen mit niedriger Impfquote. Dort, wo die Quote hoch sei, seien die Inzidenzen niedrig. Andernorts seien die Inzidenzen hoch.

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Impfen in SH: Stationäre Impfstationen werden aufgebaut

Auch wenn Schleswig-Holstein mit 72 eine hohe Impfquote hat: „Bitte lassen Sie sich impfen, lassen Sie sich boostern“, so der Appell von Finanzministerin Monika Heinold (Grüne). Auch Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) lobt die hohe Bereitschaft, sich impfen zu lassen. Das habe positive Auswirkungen auf die Hospitalisierungs-Inzidenz. Diese liegt derzeit bei 2,3. Garg und Günther gehen deshalb davon aus, dass Schleswig-Holstein Corona-Patienten aus anderen Bundesländern zur Behandlung aufnehmen wird.

Damit sich auch weiter Schleswig-Holsteiner und Schleswig-Holsteinerinnen erst- und zweitimpfen bzw. boostern lassen können, sollen stationäre Impfstationen ähnlich der Impfzentren im ganzen Land aufgebaut werden. Ergänzend zu den Impfangeboten in den Arztpraxen im Land. „Die Priorität muss bei den hochvulnerablen liegen“, so Garg. 

Eine Impfpflicht für Gesundheits- und Heilberufe zieht die Landesregierung in Betracht, beschlossen ist sie allerdings noch nicht. „Schleswig-Holstein wird sich im Bund-Länder-Treffen dafür aber einsetzen“, so Günther. Eine Impfpflicht für alle Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner sei angesichts der hohen Impfquote in Schleswig-Holstein laut Daniel Günther derzeit kein Thema.

Besuche in Alten- und Pflegeheimen in Schleswig-Holstein: Nur noch mit Test

In Alten- und Pflegeheimen sollen künftig Besucherinnen und Besucher nur noch mit einem tagesaktuellen Corona-Test unabhängig von Genesenen- oder Impstatus kommen. „Hier gilt, die besonders vulnerablen Gruppen zu schützen“, erklärte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP).

Infektiologe Jan Rupp spricht sich für 2G in SH aus

Der Lübecker Infektiologe Jan Rupp von der Uniklinik Schleswig-Holstein (UKSH) hat sich für eine Verschärfung der Corona-Regeln ausgesprochen und eine generelle 2G-Vorgabe für Innenräume empfohlen. Das erhöhe den Druck auf die Ungeimpften, sagte der Direktor der Klinik für Infektiologie und Mikrobiologie am Campus Lübeck. „Denn aus infektiologischer Sicht würden sicher viele noch einmal darüber nachdenken und der Impfung etwas abgewinnen. Und wenn es nur aus Pragmatismus ist.“

Aus Sicht von Rupp sind Tests und 3G - also genesen, getestet, geimpft - nicht die richtige Lösung. „Das Problem mit den Tests ist, dass wir das Übel dokumentieren, wir lösen es damit aber nicht. Dadurch ist nicht eine einzige Person zusätzlich geschützt.“ Der Druck ist seiner Meinung nach nötig, weil nicht noch mehr Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen der Kliniken liegen sollten.

So ist die aktuelle Corona-Lage in Schleswig-Holstein

Am Mittwoch ist die Zahl der Neuinfektionen in Schleswig-Holstein mit 622 Fällen enorm in die Höhe geschnellt. Die Sieben-Tage-Inzidenz kletterte auf 89,4 Fälle je 100 000 Einwohner in einer Woche. Ministerpräsident sieht darin noch keinen Grund zur Beunruhigung. Die Lage in den Krankenhäusern sei noch entspannt, was auch an der hohen Impfquote mit 72 Prozent bei den vollständig geimpften liegt.

Livestream: Corona-Regeln in Schleswig-Holstein

Forderungen im Vorfeld von der Opposition

Vor der geplanten Neufassung der Corona-Landesverordnung hat die Opposition den Druck auf die Landesregierung erhöht. Er begrüße die Pläne von SPD, Grünen und FDP auf Bundesebene für eine 3G-Regelung (geimpft, genesen oder getestet) am Arbeitsplatz, sagte SSW-Fraktionschef Lars Harms am Mittwoch.

Dies könne auch bei Behördengängen oder Arztbesuchen gelten. Für Freizeitaktivitäten wie Restaurant-, Kneipen-, Museums- oder Kinobesuche und öffentliche Veranstaltungen halte der SSW dagegen das Modell 2G+ (geimpft oder genesen und getestet) für sinnvoll.

Ähnlich hatte zuvor bereits die SPD-Fraktion argumentiert und sich für 2G+ bei Großveranstaltungen ausgesprochen. In allen anderen Bereichen solle das Land nach Hamburger Vorbild auf ein 2G-Optionsmodell setzen, sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Serpil Midyatli am Dienstag.

In der Hansestadt dürfen Betreiber von Geschäften und Einrichtungen ihre Läden bei Nutzung des 2G-Modells (geimpft oder genesen) voll auslasten. Die Maskenpflicht entfällt dann.