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Schleswig-Holstein Bereits mehr Omikron als Delta in Schleswig-Holstein
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Corona-Variante: Bereits mehr Omikron als Delta in Schleswig-Holstein

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19:30 28.12.2021
Von Tilmann Post
Die Sequenzierung von Testmaterial auf die Omikron-Variante ist aufwendig. Prof. Helmut Fickenscher hat bereits 635 Meldungen der neuen Variante in Schleswig-Holstein verzeichnet.
Die Sequenzierung von Testmaterial auf die Omikron-Variante ist aufwendig. Prof. Helmut Fickenscher hat bereits 635 Meldungen der neuen Variante in Schleswig-Holstein verzeichnet. Quelle: Ulf Dahl; Carsten Rehder/dpa
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Kiel

Rund zwei Wochen nach dem Nachweis der ersten Omikron-Fälle hat die Variante des Coronavirus die Oberhand in Schleswig-Holstein gewonnen. In den täglich von der Landesmeldestelle verzeichneten Neuinfektionen verdrängt sie die Delta-Variante, der inzwischen weniger als die Hälfte davon zuzuordnen ist. Die Auswirkungen müssten nun genau beobachtet werden, heißt es von dort.

„Ab dem 15. Dezember beobachteten wir, dass Omikron einen deutlichen Anteil an den Neuinfektionen in Schleswig-Holstein ausmachte“, sagt Prof. Helmut Fickenscher, Leiter des Instituts für Infektionsmedizin der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Dort laufen die Meldungen aus Schleswig-Holstein zusammen.

635 Omikron-Nachweise in Schleswig-Holstein

An Weihnachten habe sich das Verhältnis geändert. Seitdem sind es ihm zufolge in den täglich registrierten Infektionen mehr Omikron- als Delta-Fälle. Insgesamt seien in Schleswig-Holstein inzwischen 635 Omikron-Nachweise geführt worden.

Das zeigt, wie rasant sich die Variante ausbreitet, denn erst am 11. Dezember war Omikron erstmals in Schleswig-Holstein bei drei Flensburger Afrika-Reiserückkehrern nachgewiesen worden. Den Virologen überrascht das nicht. „Die Entwicklung ist kaum anders als bei Alpha vor einem Jahr und bei Delta Mitte dieses Jahres“, so Helmut Fickenscher.

Sie müsse weiter beobachtet werden, es gebe noch zu wenige Fakten. Etwa darüber, ob Infektionen und Erkrankungen tatsächlich milder verlaufen. Laut Fickenscher mussten neun der 635 Omikron-Infizierten im Krankenhaus behandelt werden. Seit dem verstärkten Aufkommen der Variante Mitte Dezember ist die Zahl der Corona-Patienten in Schleswig-Holsteins Kliniken tatsächlich gesunken, von mehr als 200 auf unter 190.

Virologe Fickenscher: Masken und Abstand helfen auch gegen Omikron-Infektion

Ob das jedoch mit der Variante zusammenhängt, ist noch ungeklärt. Omikron verbreite sich zwar schneller als alle bisher bekannten Varianten, „doch mit dem Begriff ,hochansteckend’ sollten wir vorsichtig sein“, so Fickenscher. „Die herkömmlichen Schutzmaßnahmen funktionieren auch gegen Omikron“, sagt er.

„Wenn alle artig Maske tragen, gibt es auch keine engen Kontakte“, so der Virologe. Alles hänge von der Disziplin in der Bevölkerung ab. Die jüngsten Verschärfungen der Corona-Regeln kommen ihm zufolge zur richtigen Zeit.

Von Forderungen aus der Politik, die Quarantäne-Vorschriften für Omikron-Kontaktpersonen zu lockern, hält der Virologe nicht viel. „Die Lage lässt sich noch nicht ausreichend einschätzen.“ Zuletzt hatte etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) einen Vorschlag vom Robert-Koch-Institut (RKI) gefordert. „Wir können nicht das ganze Land in Quarantäne schicken“, so Söder.

„Diese Befürchtung ist legitim, aber es ist nur eine Befürchtung“, so Fickenscher dazu. Die Entwicklung lasse sich noch nicht absehen. Möglicherweise könnten strenge Quarantäneanforderungen auch helfen, das Infektionsgeschehen einzudämmen. Derzeit sei es in Schleswig-Holstein aber moderat.

Zwei Wochen Quarantäne für Omikron-Kontaktpersonen in Schleswig-Holstein

Tatsächlich gilt laut dem jüngsten Absonderungserlass des Landes, dass Kontaktpersonen von Omikron-Fällen für zwei Wochen in Quarantäne müssen. Davon sind auch Geimpfte und Genesene betroffen. Im Alleingang will die Kieler Landesregierung den Erlass zumindest nicht ändern.

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„Die Landesregierung beobachtet die aktuelle Lage sehr aufmerksam“, heißt es aus dem Gesundheitsministerium dazu. Unter anderem werden „die Ergebnisse weiterer Beratungen auf Bund-Länder-Ebene – um eine einheitliche Handhabung bundesweit sicherzustellen – einbezogen“, so eine Sprecherin.

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