Corona in SH: Prien will Abiturprüfungen absagen
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Schleswig-Holstein Prien will Abiturprüfungen wegen Coronakrise absagen
Nachrichten Schleswig-Holstein Prien will Abiturprüfungen wegen Coronakrise absagen
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18:35 24.03.2020
Von Anne Holbach
Karin Prien hat sich für die Absage der Abiturprüfungen ausgesprochen.
Karin Prien hat sich für die Absage der Abiturprüfungen ausgesprochen. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Kiel

In einer Erklärung der Ministerin heißt es: "Wir haben in diesem Jahr durch die Ausbreitung des Coronavirus' und unsere Maßnahmen dagegen eine außergewöhnliche Situation. Seit dem 16. März ist der Unterricht an Schulen im Land eingestellt. Wann und wie wir den Unterrichtsbetrieb wieder aufnehmen können, kann heute niemand seriös vorhersagen. Ende Juni ist das Schuljahr vorbei."

Es bleibt keine Zeit

Wenn Abiturprüfungen im Norden abgenommen werden sollen, müsste dies direkt nach den Osterferien erfolgen. Das sei in den Augen der Bildungsministerin unrealistisch.

Demnach komme man zu dem Schluss, dass in diesem Schuljahr die Abschlusszeugnisse als Anerkennungsleistungen aus den bisherigen Noten vergeben werden sollten. Das gelte auch für die Prüfungen zum Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss und Mittleren Schulabschluss.

Gegenwind bekommt die CDU-Ministerin aus der eigenen Jugendorganisation: „Wir tun den Schülern absolut keinen Gefallen damit, wenn auf die Abschlussprüfungen vollständig verzichtet wird“, sagt die JU-Vorsitzende Birte Glißmann. „Das würde zu einem Zwei-Klassen-Abschluss führen und die Qualität und Aussagekraft der Abschlüsse in Frage stellen.“ Die vollständige Absage müsse das absolut letzte Mittel sein.

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Philologenverband hält Entscheidung für verfrüht

"Die Entscheidung der schleswig-holsteinischen Ministerin kommt nach Auffassung des Deutschen Philologenverbands zu früh", sagt Walter Tetzloff, Sprecher des Landesverbandes. "Eine Verschiebung der Abiturprüfungen auf den Monat Mai scheint gegenwärtig eine mögliche Option." Niemand könne aktuell den Verlauf der Corona-Epidemie sicher voraussagen. "Als Ultima Ratio käme dann zu einem späteren Zeitpunkt auch die Entscheidung für ein Abitur, das sich aus den Leistungen der letzten drei Halbjahre zusammensetzt, in Frage", so Tetzloff.

"In Anbetracht der aktuellen Situation halte ich das für die richtige Entscheidung", sagt Astrid Henke, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Es sei allerdings wichtig, dass sich die Bundesländer in dieser Frage am Ende einig seien. "Die Zeugnisse müssen von allen Arbeitgebern und Hochschulen anerkannt werden. Es kann nicht sein, dass die jungen Menschen mit diesem Anerkennungsabschluss schlechter gestellt sind als diejenigen mit einem normalen Abitur."

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Prien hofft auf Schulterschluss

Prien betonte, ihr sei besonders wichtig, dass sich die Bundesländer auf einen gemeinsamen Weg einigen. Die Kultusministerkonferenz habe bereits in der vorvergangenen Woche beschlossen, die Zeugnisse der Allgemeinen Hochschulreife in dieser Situation gegenseitig anzuerkennen.

Es gebe viel gute Gründe für die Entscheidung, sagt Ines Strehlau (Grüne). „Wir wissen nicht, ob die Schule am 19. April wieder startet. Wenn ja, ob in vollem Umfang oder zeitversetzt. Wir wissen nicht, welche Schüler und Lehrkräfte dann an Bord sind“, so die Abgeordnete. Die Zukunft der Schüler dürfe nicht unter der Corona-Krise leiden, betonte Strehlau.

Die FDP-Fraktion unterstützt die Idee des Anerkennungsabschluss, um die Unsicherheit für die Schüler zu beenden. „Wir wissen aber auch, dass es Schülerinnen und Schüler gibt, die auf eine Abschlussprüfung angewiesen wären, um ihren Notendurchschnitt zu verbessern, beispielsweise um den Zugang zu einer weiterführenden Schule oder zu einem Studienfach zu erreichen“, sagt Anita Klahn. Für sie müsse es die Möglichkeit zusätzlicher Prüfungsleistungen geben.

SPD gegen Absage

Die SPD hat sich gegen eine Absage der Abitur- und weiterer Abschlussprüfungen angesichts der Corona-Krise an den Schulen in Schleswig-Holstein ausgesprochen. "Auch wenn es im Mai keinen Eurovision Song Contest gibt, muss die Punktevergabe an den Schulen möglich sein", sagte der SPD-Bildungspolitiker Kai Vogel am Dienstag. Das Bildungsministerium müsse so schnell wie möglich Klarheit schaffen, in welcher Form und mit welchen Fristen in diesem Jahr das Abitur und die anderen Prüfungen abgelegt werden können.

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Petition von Hamburger Schülern

Zwei Hamburger Schüler hatten angesichts der Corona-Pandemie eine Petition zur bundesweiten Absage der Abitur-Prüfungen gestartet. Stattdessen soll in diesem Jahr jeder Schüler deutschlandweit ein sogenanntes Durchschnittsabitur erhalten, heißt es darin. Dabei soll ein Durchschnitt der einzubringenden 32 bis 40 Semesterergebnisse der vergangenen vier Halbjahre errechnet und als Abiturnote festgelegt werden. Die beim Internetportal "change.org" veröffentlichte Petition haben bis Dienstagnachmittag rund 76 000 Unterstützer unterzeichnet. Davon stammen mehr als zehn Prozent der Unterzeichner aus Schleswig-Holstein.

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