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Schleswig-Holstein Ein Mundschutz wäre jetzt übertrieben
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15:04 10.02.2020
Von Christian Trutschel
Telefonaktion zum Thema Coronavirus: von links: Prof. Dr. Burkhard Bewig, Dr. Anne Marcic und Prof. Dr. Helmut Fickenscher. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel / hfr

Relativ wenige Anruferinnen und Anrufer nutzten am späten Freitagnachmittag die Möglichkeit, Fragen zum neuen Coronavirus zu stellen. Die drei Experten am KN-Telefon werteten dies jedoch als gutes Zeichen: Die Bevölkerung sei offensichtlich unaufgeregt und entspannt. Eine adäquate Haltung: Weder in Schleswig-Holstein noch in Hamburg gibt es bisher Menschen, bei denen eine Infektion mit dem neuen Coronavirus nachgewiesen wurde.

Wie kommt man auf die Idee, dass es ein neues Coronoavirus ist - und nicht schon längst da?

Anrufer: Wie kommt man auf die Idee, dass es ein neues Coronavirus gibt? Vielleicht ist es ja schon lange in der Bevölkerung, aber fällt wegen der schwachen Symptome gar nicht richtig auf. Und was treibt einen Arzt in China an, bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit und nur wenigen schweren Lungenentzündungen nach einem neuen Virus zu forschen?

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Prof. Burkhard Bewig: Es gab in Wuhan eine Häufung solcher Infekte, die zunächst Aufmerksamkeit erzeugte. Dann gab es einige Todesfälle. Diese Sondersituation in Wuhan veranlasste dazu genauer hinzusehen. Erst gab es die Pneumonien, danach den Test. Inzwischen wurde das Virus sequenziert, und seine Sequenz unterscheidet sich von denen der Coronaviren, die vorangegangene Infektionen verursacht hatten.

Prof. Helmut Fickenscher: Schon länger sind sechs verschiedene Coronaviren bei Menschen bekannt. Da inzwischen bei nahezu allen Infektionserkrankungen, auch der Atemwege, eine Massensequenzierung durchgeführt wird, weiß man ziemlich genau, was vorkommt. Dieses Virus war vorher nie da. Es zirkuliert auch nicht in der Bevölkerung in Deutschland

Anrufer: Aber woher wissen wir, dass es nicht schon längst in der Bevölkerung ist? Sie müssten ja ein Massenscreening machen, um das herauszufinden. Die Symptome sind ja wohl meistens nicht auffällig – auch bei denen, die aus Risikogebieten nach Deutschland geflogen wurden, und bei denen das Virus nachgewiesen wurde.

Fickenscher: Das Testsystem, eingerichtet von internationalen Referenzlaboren und mit Beteiligung von Forschern in Wuhan, halten in Schleswig-Holstein circa vier, fünf Labore vor. Manche werben damit, andere sind da zurückhaltender. In Deutschland gibt es derzeit 13 nachgewiesen Infizierte und – das ist meine Annahme – mehrere tausend Getestete. Wenn es Hinweise auf das Vorhandensein von 2019-nCoV gäbe, wäre sicherlich ein Grundrauschen wahrzunehmen.

Woran merkt man, dass man das Coronavirus hat, und wann ist ein Test sinnvoll?

Anruferin: Ich bin lungenkrank. Woran merke ich denn, ob ich mich mit dem neuen Coronavirus infiziert habe?

Dr. Anne Marcic: Die Symptome sind meistens unspezifisch, wie bei einer Erkältung. Aber das Wichtigste ist: Das neue Coronavirus ist hier noch nicht angekommen. Es zirkuliert hier nicht. In den Risikogebieten findet eine fortgesetzte Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch statt, was in anderen Gebieten, die nicht als Risikogebiete gelten, nicht der Fall ist. Als Lungenkranke sollten Sie besonders auf einen Schutz vor Influenza, der Grippe, achten und zum Beispiel geimpft sein. Diese Infektionsgefahr ist im Moment real.

Anruferin: Wie soll ich mich denn verhalten, wenn ich den Verdacht habe, dass ich mich infiziert habe? Es kann ja sein, dass demnächst jemand das Virus über den Hamburger Flughafen ins Land bringt, dann den Kielius nimmt, und schon ist es hier.

Dr. Anne Marcic: Zunächst einmal muss man sagen, dass eine diagnostische Abklärung einer CoronavirusInfektion nur erfolgen soll, wenn eine Symptomatik vorliegt und ein Kontakt mit dem Virus oder einem Erkrankten möglich war. Sie wenden sich an Ihren Hausarzt – am besten telefonisch. Er wird in Absprache mit dem Gesundheitsamt eine Testung in die Wege leiten – falls er das für erforderlich hält. 

Abstand halten, Hände waschen, in ein Papiertuch husten

Anrufer: Ich habe eine vielleicht etwas doofe Frage, aber ich habe eine chronische Bronchitis und darf in anderthalb Wochen Freunde vom Flughafen abholen, die aus Thailand kommen. Nun hat Bangkok, wo sie auch sind, eine der größten Chinatowns weltweit. Vielleicht infizieren sich die Freunde kurz vor ihrer Rückreise und wissen dann noch gar nichts von ihrer Infektion, wenn sie hier landen. Ich mache mir etwas Sorgen mit meiner Lunge. Soll ich einen Mundschutz tragen?

Prof. Burkhard Bewig: Die Frage ist überhaupt nicht doof. Es ist natürlich schwierig, wenn man nicht weiß, ob jemand Kontakt zu Infizierten hatte. Da gibt es keine Garantie. Doch ich halte einen Mundschutz jetzt für übertrieben. In Thailand gab es bis einschließlich 5. Februar 25 Infizierte und keinen Todesfall. Man muss das im Auge behalten, weil sich die Lage ändern kann. Sie könnten regelmäßig auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts (www.rki.de/ncov) sehen, wie die Lage bewertet wird. Nicht nur in Wuhan und in anderen Regionen Chinas, sondern auch in anderen Ländern Asiens und weltweit. Unabhängig vom Erreger ist es bei Atemwegsinfektionen immer zu empfehlen, Abstand zu halten, häufig die Hände zu waschen und als Betroffener bei Husten in ein Papiertuch zu husten, das man dann wegwirft, oder in die Ellenbeuge zu husten.

Die Wahrscheinlichkeit, sich eine Grippe einzufangen, ist derzeit um ein Vielfaches höher

Prof. Helmut Fickenscher: Aktuell wird berichtet, dass die Menge an Virus, die bei Infizierten ohne Symptome ausgeschieden wird, gering sei. Zurzeit ist ohnehin die Wahrscheinlichkeit, sich eine Grippe, das Influenza-Virus, einzufangen, um ein Vielfaches höher. Bisher gibt es in Schleswig-Holstein 1360 gemeldete Grippefälle und noch keinen Todesfall. Das ist etwas mehr als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Tatsächlich werden es mehr Fälle sein, da viele, gerade im mittleren Alter, nicht zum Arzt gehen, sondern die Grippe zu Hause auskurieren. Nicht bei allen, die zum Arzt gehen, wird eine Diagnostik gemacht. Dann gibt es auch keinen Nachweis und keine Meldung.

Anrufer: Man weiß ja wohl noch nicht, ob dieses neue Coronavirus nicht doch noch gefährlich wird, auch für Menschen, die weder alt und krank sind noch eine Immunschwäche haben. Wie kommt man denn darauf? Das Grippevirus wird doch auch nicht plötzlich gefährlich.

Prof. Fickenscher: Doch. Bei der bisher letzten Grippe-Pandemie 2009 hatten wir Sorge, dass es ein gefährliches Influenza-Virus wird – infolge der Genom-Veränderungen. Wenn außerdem Viren von Tieren auf Menschen übergehen und sich auf dem Menschen vermehren, neigen sie dazu, sich zu verändern und an den Menschen anzupassen. Bei SARS, einem hochgefährlichen Virus, führte das dazu, dass jeder zehnte Infizierte starb – eine Letalität von zehn Prozent. Bei dem neuen Coronavirus, das verwandt ist mit dem SARS-Virus, liegt die Letalität aktuell bei zwei Prozent. Es unterscheidet sich nur wenig von den bekannten Coronaviren, die häufig nur ein bisschen Schnupfen oder Durchfall verursachen, oder von Coronaviren, die aus dem Tierreich kommen.

Anrufer: Die ersten Infizierten in Wuhan waren auf einem Fleischmarkt gewesen und sollen sich dort infiziert haben. Besteht diese Gefahr auch hierzulande?

Dr. Anne Marcic: Nein. In China gibt es eine ganz andere Essenskultur als bei uns. Dort kauft man Tiere bevorzugt lebend und bewahrt sie lebend auf, bevor man sie zubereitet. Durch die engen Kontakte zu vielen verschiedenen Tieren auf den Märkten dort besteht grundsätzlich die Gefahr,, dass Viren auf den Menschen übergehen. Wir haben hierzulande nicht diese intensiven Kontakte zu Tieren. Und wir bevorzugen durchgegarte Speisen – das ist übrigens auch unsere Empfehlung, nicht nur im Hinblick auf das Coronavirus, sondern auch auf andere Erreger.

Anruferin: Ich leide schon Jahrzehnte an chronischer Bronchitis, habe eine durch Bronchiektasen geschädigte Lunge, und wenn es ein bisschen bergan geht, bekomme ich Atemnot. Trotzdem laufe ich viel an der Luft, das tut mir gut. Muss ich mir Sorgen machen wegen des neuen Coronavirus?

Prof. Burkhard Bewig: Nein. Das Coronavirus speziell ist für Sie jetzt keine Bedrohung. Für Sie ist jedoch jegliche Infektion eine Gefahr. Aber ein Keim macht nicht immer eine Erkrankung – ob es in Anwesenheit eines Keims zu einer Infektion kommt oder nicht, hängt auch von Ihrem jeweiligen Zustand ab. Wenn Sie wissen, dass jemand einen Infekt hat, dann halten Sie Abstand, ein bis zwei Meter etwa, um so eine Tröpfcheninfektion zu verhindern. Häufiges Händewaschen ist für Sie ganz wichtig. Und körperliche Betätigung ist auf jeden Fall gut. 

Informationen und Erklärvideos:

www.infektionsschutz.de/coronavirus-2019-ncov.html

und https://bzga-k.de/corona-faq-videos

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