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Schleswig-Holstein Ärztlicher Rat aus Cuxhaven für Seeleute
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08:04 21.01.2018
Manuel-Georg Burkert, Chefarzt für Intensiv, Notfall und Palliativmedizin an der Hellios Klinik berät immer mehr Seeleute weltweit per Funk. Quelle: Carmen Jaspersen
Cuxhaven

Wird medizinische Hilfe an Bord eines Schiffes benötigt, stehen Cuxhavener Ärzte den Seeleuten weltweit zur Seite. Per Mail oder am Telefon geben sie rund um die Uhr Rat - und retten so manches Leben.

Das Arbeiten an Bord von Frachtschiffen hat seine Gefahren, immer wieder kommt es zu Unfällen. Manche sind besonders schwer, so wie der eines deutschen Kapitäns auf einem Frachtschiff im vergangenen Jahr. Vor der Küste des Omans hatte ihn eine Welle gegen eine Stahlkonstruktion geschleudert. Er erlitt Brüche und schwerste Kopfverletzungen. „Wäre das an Land passiert, hätte man ihn ins künstliche Koma versetzt und ins nächste Krankenhaus gebracht“, sagt Notfallmediziner Manuel Burkert. Auf den Weltmeeren müssen sich Seeleute dagegen mit ärztlicher Hilfe per Telefon oder Mail begnügen - solange, bis ein Hafen erreicht wird. Und das kann manchmal dauern.

15 Mediziner gehören zu Medico

Im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums und der BG Verkehr betreibt die Helios Klinik Cuxhaven den ärztlichen Notrufdienst „Medico“. 15 speziell geschulte Mediziner gehören neben ihrer normalen Klinik-Tätigkeit dem Telemedical Maritime Assistance Service (TMAS) an. „Die funkärztliche Beratung, die 24 Stunden rund um die Uhr zur Verfügung steht, ist kostenfrei und steht allen Schiffen weltweit zur Verfügung“, heißt es auf dem Internetportal der deutschen Flaggenstaatverwaltung. „Medico“ sei ein wesentlicher Bestandteil des Gesundheitsschutzes für Seeleute.

Im vergangenen Jahr beriet das von Chefarzt Manuel Burkert geleitete Team über 900 Mal Seeleute. „2003 waren es noch 250 Fälle, durch die zunehmende Digitalisierung wird die Hemmschwelle immer geringer, uns zu kontaktieren.“ In den meisten Fällen werde hausärztlicher Rat abgefragt. Bei Verletzungen oder Geschwüren würden Fotos geschickt. An Bord behandeln die Offiziere, die Cuxhavener Mediziner stehen ihnen über Satellit telefonisch oder per Mail zur Seite. „Sie können einen Zugang legen und Wunden nähen“, erklärt Burkert.

Videostream von Bord geplant

Ralf Nagel, Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder, hat gute Erfahrungen mit der funkärztlichen Beratung gemacht. „Natürlich verfügen Seeleute über eine medizinische Grundausbildung, aber im Notfall ist die Live-Unterstützung durch das Medico von unschätzbarem Wert“, betont er. Es werde daran gearbeitet, dass die Ärzte demnächst auch einen Videostream von Bord empfangen können.

Weltweit haben sich rund drei Dutzend Länder verpflichtet, einen telemedizinischen Dienst anzubieten. Der 1931 ins Leben gerufene Service in Cuxhaven war ursprünglich Schiffen mit deutscher Flagge vorbehalten. Mit der zunehmenden Ausflaggung der Seeschiffe steht er inzwischen allen Wasserfahrzeugen auf den Weltmeeren zur Verfügung - und das nicht nur Containerriesen, sondern auch Segelyachten, wie Burkert betont.

Neben der medizinischen Beratung sei es bei lebensbedrohlichen Situationen vor allem wichtig, Ruhe in die Situation zu bringen, betont Burkert. Denn bei einem Fall wie dem des Kapitäns, herrsche Ausnahmezustand an Bord. Der Mann habe so schnell wie möglich an Land gebracht werden müssen. Doch wegen der rauen See war das zunächst nicht möglich. „Die Crew musste auf besseres Wetter warten.“

Kurs kann auch bei Notfall nicht immer geändert werden

Ob ein Schiff seinen Kurs ändere, entscheide der Kapitän. Manchmal gebe es taktische Gründe gegen eine Fahrt zum nächsten Hafen, obwohl dies medizinisch sinnvoll wäre. „Für uns Ärzte ist es oft schwierig, sich nicht-medizinischen Notwendigkeiten unterzuordnen“, sagt der 43-Jährige. Er könne sich meist aber in die Situation an Bord versetzen, da er selbst zur See fuhr - 16 Jahre war er bei der Marine.

Zwölf Stunden habe es gedauert, bis der verletzte Kapitän in einen Hafen gebracht werden konnte. Bis dahin telefonierte Burkert fast ununterbrochen mit dem Schiff, der Reederei und mehreren Seenotleitungen. Der Kapitän wurde im Oman im Krankenhaus behandelt und dann nach Hamburg geflogen. „Solche Fälle sind immer sehr komplex“, sagt Burkert. „Aber das macht sie auch so spannend.“

Von dpa

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