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Schleswig-Holstein Baby-Kino boomt, doch 2021 ist Schluss
Nachrichten Schleswig-Holstein Baby-Kino boomt, doch 2021 ist Schluss
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12:00 04.05.2019
Von Heike Stüben
Die Schwangerenvorsorge mit zweidimensionalen Ultraschall-Aufnahmen reicht vielen werdenden Eltern nicht mehr aus. Sie nutzen die 3D-Ultraschalltechnik, um Fotos oder Filme vom Ungeborenen zu bekommen. Dafür lassen sich Schwangere bis zu 29 Mal schallen. Quelle: Zffoto - stock.adobe.com
Kiel

Drei Ultraschall-Untersuchungen (Sonografien) sind Standard in der Schwangerschaftsvorsorge. Sie werden auch von der Krankenkasse finanziert. In der Regel sind das zweidimensionale Bilder des Embryos oder Fötus. Doch selbst wenn es keine Auffälligkeiten gibt, reicht dies vielen werdenden Eltern nicht mehr. Sie möchten mehr vom Baby im Bauch. 

Der 3D-Ultraschall ermöglicht das, indem er ein dreidimensionales Bild des Ungeborenen errechnet – und das in so hoher Auflösung, dass sogar Gesichtsstrukturen zu erkennen sind. Beim 4D-Ultraschall werden die 3D-Aufnahmen sogar so schnell aufgebaut, dass sie aneinandergereiht einen Film ergeben.

Baby-Boy-USB-Stick für 90 Euro

Nicht nur Ärzte, sondern auch andere Anbieter wie Baby-Kino-Studios haben daraus diverse Produkte entwickelt. Etwa den „Baby-USB-Stick – Modell Boy oder Girl – mit 3D-Bildern und 4D-Videos, 5 XXL Bildern und 5 Farbbildern für 90 Euro“. Oder die „Baby-Flatrate“ für 100 bis 200 Euro. Dabei können die Schwangeren ab einem bestimmten Zeitpunkt bei jedem Besuch 3D-Bilder oder Filme mit nach Hause nehmen.

Dort werden sie oft über soziale Netzwerke verbreitet oder auf Baby-Kino-Partys auf großem Bildschirm vorgeführt. Offenbar kommt das an. In sozialen Netzwerken schwärmen Schwangere von einem „faszinierenden Erlebnis“ und bedauern das nahende Verbot. Andere Frauen begrüßen es dagegen und plädieren für Intuition statt Technik.

Das ist auch die Linie des Deutschen Hebammenverbandes in Schleswig-Holstein. Die Landesvorsitzende Anke Bertram sieht die Gefahr, dass schwangere Frauen eher auf Fotos und Filme vertrauen als auf ihr eigenes Gefühl und ihren Körper. „Wir erleben immer häufiger Frauen, die ihren Bauch gar nicht anfassen, obwohl sie über diese Berührung eine direkte Verbindung mit dem Kind herstellen.“

Ultraschall: Risiko ja oder nein?

Worauf aber basiert das Verbot? In der „Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nicht ionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen“ (NiSV) heißt es: „Die für die Bildgebung notwendigen hohen Ultraschallintensitäten sind mit einem potenziellen Risiko für das Ungeborene verbunden, insbesondere wenn mit Beginn der Knochenbildung wesentlich mehr Schallenergie am Knochen absorbiert wird.“

Kai-Sven Heling, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin, widerspricht. „Trotz jahrzehntelanger intensivster Forschungsarbeit gibt es nach wie vor keine Studienergebnisse, die darauf hindeuten, dass Ultraschall-Untersuchungen in der Schwangerschaft irgendeine Gesundheitsbelastung für das ungeborene Kind darstellen.“ 

Erwärmungseffekt

Das stimmt, heißt es beim Bundesverband der Frauenärzte. Doch das könne auch daran liegen, dass immer nur medizinisch notwendige Sonografien untersucht worden seien. „Ultraschall erwärmt das Gewebe. Der Effekt ist zwar normalerweise nur minimal. Aber je höher die angewandte Energie und je länger die Untersuchung, desto höher wird auch der Erwärmungseffekt“, erklärt der Gynäkologe und Pränatalmediziner Dr. Jochen Frenzel.

Beim gepulsten Dopplerschall könne die Temperatur bei längerer Dauer um bis zu vier Grad steigen. „Dadurch könnte das beschallte Gewebe durchaus Schaden nehmen. Deshalb sollte diese Untersuchung immer nur wenige Sekunden dauern.“

Das Recht des Ungeborenen

„Der eigentliche Grund für das Verbot von reinen Wunsch-Ultraschallaufnahmen ohne medizinische Indikation liegt beim Recht des ungeborenen Kindes. Eine Frau kann selbst entscheiden, wie oft sie sich Ultraschall-Untersuchungen unterziehen möchte, das Kind aber nicht“, sagt Doris Scharrel, Landeschefin des Berufsverbandes für Frauenärzte.

Kein Grund für Verteufelung

Auch André Hohn, Chefarzt der Frauenklinik im Städtischen Krankenhaus Kiel, kann das Verbot nachvollziehen. „Ultraschall ist eine diagnostische Maßnahme, und bis zum endgültigen Beweis der absoluten Unschädlichkeit sollte man die Untersuchungen auf medizinische Anwendungen beschränken.“ Er fürchtet jedoch, dass die Diskussion Ängste schürt und Schwangere die medizinisch sinnvollen Ultraschall-Untersuchungen nicht mehr oder mit einem unguten Gefühl machen lassen. „Für eine grundsätzliche Verteufelung von Ultraschall besteht überhaupt kein Anlass.“

Zum Internationalen Hebammentag am 5. Mai 2019 warnt der Deutsche Hebammenverband vor einer Verschlechterung der Situation in Deutschlands Kreißsälen und fordert mehr Personal für die Geburtshilfe. Frauen und Neugeborene würden im Kreißsaal immer öfter unzureichend versorgt.

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