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Schleswig-Holstein Bahn fährt nur in Bremen unpünktlicher
Nachrichten Schleswig-Holstein Bahn fährt nur in Bremen unpünktlicher
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11:16 16.04.2019
Von Christian Hiersemenzel
In Kiel nehmen Passagiere inzwischen oft einen früheren Zug, um in Hamburg die Anschlüsse zu erwischen. Quelle: Rupert Oberhäuser
Kiel

Unter Pünktlichkeit versteht die Deutsche Bahn (DB), dass die Züge ihr Ziel mit weniger als sechs Minuten Verspätung erreichen. Im Verkehrsministerium knirscht man mit den Zähnen.

Verkehrs-Staatssekretär Thilo Rohlfs (FDP) betonte am Montag, dass Minister Bernd Buchholz (FDP) und er sich wöchentlich detailliert über die Zustände der DB Regio berichten ließen. „Wir sind mit der Pünktlichkeit überhaupt nicht zufrieden“, sagte er. „Die DB hat schlicht ihre Seite des Vertrags nicht erfüllt.“

Zugesichert sei eine Quote von 93 Prozent. Für die Marschbahn hatte das Ministerium von Februar bis November 2018 hohe Sondermaluszahlungen verhängt: insgesamt 3,8 Millionen Euro. Für das sogenannte Netz Mitte zwischen Hamburg, Kiel und Flensburg dagegen habe man bisher von solchen Zahlungen abgesehen, auch wenn dort die Pünktlichkeit bisweilen unter 90 Prozent gefallen sei.

Aufgrund verspäteter Fahrzeuglieferungen könne man aber „fairerweise nicht von einem eingespielten Zustand“ ausgehen. Zudem gebe es mit der Autobahn 7 in weiten Teilen eine Alternative zum Zug.


Hohe Maluszahlungen

Der Verkehrsminister kann einen Sondermalus von 250.000 Euro für jeden Monat verhängen, in dem die Pünktlichkeitsquote unter 90 Prozent liegt. Hinzu kommen 100.000 Euro für jeden Monat, in dem mehr als ein Prozent der Zugkilometer ungeplant ausfallen, beziehungsweise 250.000 Euro für jeden Monat, in dem mehr als fünf Prozent der Zugkilometer ungeplant entfallen.

„Leute, hier muss etwas passieren“, sagte Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn. Die A 7 werde vorbildlich ausgebaut. „Aber bei der Bahn schläft die Landespolitik selig.“ Dabei seien die Engpässe zwischen Niebüll und Sylt, zwischen Pinneberg und Elmshorn seit 30 Jahren bekannt.

Viel zu häufig komme es jetzt auch zwischen Kiel, Flensburg und Hamburg zu Verspätungen von fünf bis sechs Minuten. Die seien möglicherweise für die Statistik nicht relevant, reichten aber aus, um Anschlüsse zu verpassen. Längst seien viele Kieler dazu übergegangen, eine halbe Stunde eher loszufahren.

„Da nehmen viele Menschen lieber gleich das Auto“, beklagte Kirsten Kock vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Schleswig-Holstein solle sich auf seine Verantwortung gegenüber den Bürgern besinnen, die regelmäßig für das Klima auf die Straße gehen. Der „Fokus auf den motorisierten Individualverkehr“ jedenfalls sei grundfalsch.

Kritik der Opposition

Die Opposition sieht die Landesregierung in der Pflicht. „Die Jamaika-Koalition darf sich von der Bahn nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen“, sagte Lars Harms, SSW-Chef im Kieler Landtag. Volker Schnurrbusch (AfD) forderte die Bahn auf, ihre Zuverlässigkeit deutlich zu steigern, um bundesweiten Standards zu genügen.

Und SPD-Verkehrspolitiker Kai Vogel bezeichnete die schlechten Leistungen auf der Marschbahn als tragische Lachnummer. „Leider ist Schleswig-Holstein auch bei der Bahn abgemeldet.“

Christopher Vogt von der regierungstragenden FDP versprach, den politischen Druck weiterhin sehr hoch zu halten. Was CDU-Verkehrspolitiker Hans-Jörn Arp unterstrich. „Der Weg, Zahlungen zu kürzen, ist der richtige.“

Bahn-Sprecher: "Nicht dort, wo wir sein wollen"

Und die Bahn? Sprecher Egbert Meyer-Lovis verwies darauf, dass man neben der Sylt-Strecke vor allem mit Gewährleistungsmängeln bei den neuen sogenannten Twindexx-Zügen zwischen Hamburg, Kiel und Flensburg kämpfe.

Häufig gebe es technische Probleme, die doppelstöckigen Wagen in Neumünster zu trennen oder zusammenzufügen. „Bombardier ist mit eigenen Leuten vor Ort“, sagte der Bahn-Sprecher. „Und auf der Marschbahn investieren wir in den nächsten Jahren 160 Millionen Euro. Aber wir sind leider noch nicht dort, wo wir sein wollen.“

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