Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein Daniel Hartlieb suchte die Verschüttete
Nachrichten Schleswig-Holstein Daniel Hartlieb suchte die Verschüttete
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:01 13.12.2012
Von Heike Stüben
Fassungslos: Daniel Hartlieb in den Geröllmassen des Steilufers von Kap Arkona, die Katharina zum Verhängnis wurden. Quelle: dpa
Anzeige
Rügen

Wenn Daniel Hartlieb in die Nähe von Kap Arkona kommt, ist die Erinnerung sofort da: An Rügens nördlichster Spitze wurde vor knapp einem Jahr ein zehnjähriges Mädchen unter Kreidemassen begraben. Der 34-jährige Feuerwehrmann leitetete die Suchaktion.

 Es war der 26. Dezember 2012. Als Daniel Hartlieb ganz in Familie den Feiertag genoss. Als eine Urlauberin aus dem Brandenburgischen am Fuße der Steilküste mit ihren beiden Töchtern einen Weihnachtsspaziergang unternahm. Als der 70 Meter hohe Hang so stark ins Rutschen geriet, dass Mutter und beide Mädchen von Geröll und Kreideschlamm verschüttet wurden.

Anzeige

 Die Unfallmeldung vertrieb abrupt die Weihnachtsstimmung. Am Einsatzort konnten die Rettungskräfte die Mutter und die 15-jährige Tochter zwar verletzt, aber recht schnell aus dem Kreideschlamm befreien. Katharina aber war nicht zu sehen. Eine für die Insel Rügen beispiellose Suchaktion begann. „Es war mein schwierigster Einsatz“, sagt der Retter, der hauptamtlich im Ordnungsamt des Ostseebades Binz arbeitet.

 „Im ersten Moment funktioniert man nur.“ Das kennt Hartlieb von vielen Einsätzen. Er ist seit 18 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr und inzwischen Kreiswehrführer für die ganze Ostseeinsel. Doch wenn die Kameraden zu Bränden oder Unfällen ausrücken, sind sie nach ein paar Stunden zurück. Die Suche nach Katharina dauerte zwei Wochen.

 Daniel Hartlieb koordinierte 400 Rettungskräfte, die mit Schaufeln und schwerer Technik, mit Wärmebildkameras, Schlauchbooten und Spürhunden nach dem Kind suchten. Bei Kälte, Sturm und Hochwasser. Hüfttief standen die Helfer in Fluten und Schlamm. „Wir wollten Katharina unbedingt finden“, sagt er. „Auch als immer wahrscheinlicher wurde, dass sie kaum noch leben konnte.“

 Wie seine Männer bekam der Einsatzleiter kaum Schlaf, agierte bis zur Erschöpfung. Mehrfach ließ der erfahrene Mann die Suche unterbrechen, denn er trug auch die Verantwortung für die Suchtrupps. An den Tagen nach dem Unglück lösten sich immer wieder Kreide, Mergel und Geröll vom Kliff.

 „Die schwerste Entscheidung war die am 8. Januar“, sagt Hartlieb rückblickend. Als das Kind auch mit schwerer Technik unter den Kreidemassen nicht zu finden war. Und die Suche eingestellt wurde.

 Das tragische Ereignis war für Daniel Hartlieb damit nicht vorbei. Zusammen mit Polizeiseelsorger Andreas Schorlemmer brachte er der Mutter die erschütternde Nachricht ins Krankenhaus. „Ich wollte ihr persönlich sagen, dass wir wirklich alles Menschenmögliche versucht hatten.“

 Tage später kam er zurück ans Kap. Zur Trauerfeier, bei der Rettungskräfte und viele Rüganer Abschied nahmen. Und dann am 31. Januar – als das Meer 36 Tage nach dem Unglück das verschollene Mädchen freigab. Auch zur Beerdigung des Mädchens in Brandenburg fuhr der Rüganer.

 Der tagelange Kampf gegen die Naturgewalten, Erschöpfung und Hoffnung, Enttäuschung, Verzweiflung und Trauer – all das hat sich Hartlieb tief eingegraben. Bis heute bedrückt ihn, „dass wir Katharina der Mama nicht lebendig übergeben konnten“. Seit dem Sommer hat er selbst einen Sohn. „Wenn unser Kleiner uns morgens anlacht, etwas Schöneres gibt es nicht“, sagt der junge Vater. „Aber wie schnell kann alles vorbei sein.“

 Daniel Hartlieb hat das tragische Ereignis verarbeitet, wie er sagt. Vergessen wird er die dramatischen Tage nie.

Bis zum Freitag stellen wir ihnen alle Kandidaten für die Wahl zum Helden des Jahres 2012 vor. Ab Sonnabend, 15. Dezember, können Sie dann ihre Stimme für ihren Favoriten abgeben.

Mehr zum Thema

Die Helden sind mitten unter uns – aber oft sehen wir sie nicht. Das soll anders werden. Ab Sonnabend stellen wir sechs Menschen vor, die sich in außergewöhnlicher Weise für andere eingesetzt haben. Danach sollen Sie entscheiden: Wer ist der Held des Nordens 2012?

Heike Stüben 07.12.2012

Wer ist Held des Nordens 2012? Wir stellen Ihnen sechs Kandidaten vor - heute Matthias Teßmer aus Golm. Am Ende können die Leser der Kieler Nachrichten, der Hannoverschen Allgemeinen, der Ostsee Zeitung, des Hamburger Abendblatts und die Hörer von NDR Info über den Helden des Jahres 2012 abstimmen und dabei eine von drei Kreuzfahrten gewinnen.

KN-online (Kieler Nachrichten) 14.12.2012
Schleswig-Holstein Held des Nordens 2012 - Kandidat 2 - Ami Dose: Mutter der Hamburger Tafel

Wer ist Held des Nordens 2012? Wir stellen Ihnen sechs Kandidaten vor – heute Annemarie Dose, die Gründerin der Hamburger Tafel. Am Ende können die Leser der Kieler Nachrichten, der Hannoverschen Allgemeinen, der Ostsee Zeitung, des Hamburger Abendblatts und die Hörer von NDR Info über den Helden des Jahres 2012 abstimmen und dabei eine von drei Kreuzfahrten gewinnen.

KN-online (Kieler Nachrichten) 10.12.2012