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Schleswig-Holstein Putzen und Co.: Das Haus, das alles kann
Nachrichten Schleswig-Holstein Putzen und Co.: Das Haus, das alles kann
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16:00 27.11.2013
Licht, Heizung oder Waschmaschine: mit ein paar Klicks den gesamten Haushalt unter Kontrolle. Das Haus der Zukunft ist von überall aus steuerbar. Quelle: Fraunhofer inHaus-Zentrum
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Kiel

„Wenn es um das Thema ‚intelligentes Haus‘ geht, dann gibt es die Hauptbedürfnisse Sicherheit, Komfort und Energieeffizienz“, sagt Hans-Jürgen Schliepkorte, Leiter der Gebäudesysteme vom inHaus-Projekt des Fraunhofer-Instituts für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme (IMS). Der Ingenieur setzt sich mit verschiedensten neuen Technologien auseinander und testet sie in einem Musterhaus. Seiner Meinung nach werden sich Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz für Heizung und Beleuchtung am schnellsten durchsetzen.

 Man dürfe sich ein intelligentens Haus nicht so vorstellen, als ob „Heinzelmännchen um einen herumspringen“. Die Intelligenz stecke in vielen Teilbereichen und Systemen. Viele der Technologien seien bereits marktreif und bezahlbar. Schliepkorte nennt als Beispiel eine Jalousiensteuerung, die von der Sonneneinstrahlung abhängt. „Solche Systeme gibt es schon auf dem Markt. Und eine einfache Temperaturregelung eines intelligenten Hauses bekommt man für knapp 500 Euro.“

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 Auch ein Bett, das sich, wenn der Wecker ertönt, hochfährt, ist nicht weit weg. Betten, die sich bewegen können, gibt es schon. Dass sie sich bewegen, wenn der Wecker klingelt, ist eine Sache der Programmierung. Das Haus der Zukunft nimmt uns auch viel Arbeit ab. Saug- und Wischroboter gibt es bereits heute und sie werden immer günstiger. Diese Roboter reinigen zu festgelegten Zeiten festgelegte Bereiche. Das Haus der Zukunft jedoch erkennt, wo Schmutz ist und schickt dann die Roboter selbstständig los. Neben einer Reinigungskraft ist das Haus der Zukunft auch ein Sekretär, der uns an Termine und Aufgaben erinnert. Zum Beispiel an die Einnahme von Tabletten. Registriert die Schublade, in der die Tabletten sind, keinen Zugriff, weiß das Haus, dass der Besitzer noch keine genommen hat und erinnert ihn daran.

 Ein anderes sehr nützliches System des Hauses der Zukunft ist die Bestandskontrolle. Zum Beispiel ist der Shampoospender mit Sensoren ausgestattet. Er prüft regelmäßig, wie viel Shampoo noch vorhanden ist. Ebenso weiß der Kühlschrank, wie viel Butter oder Käse noch da ist. Geht ein Produkt zur Neige, so bestellt das Haus es automatisch nach. Zu vorher festgelegten Standard-Lieferzeiten bekommt der Besitzer des Hauses dann die Produkte nachgeliefert. Diese Technologie ist heute fast komplett möglich.

 Einzeln existieren solche Systeme also längst, was fehlt, ist die Vernetzung aller Systeme im Haus. Das heißt, dass ein zentrales Steuerungssystem in ständigem Kontakt zu sämtlichen Haushaltsgeräten wie zu Kühlschrank, Heizung und Licht steht.

 Überall wird es miteinander vernetzte Touchscreens geben, deren Anzeige sich bei einem Raumwechsel des Benutzers einfach auf das Display im Nebenraum transferiert. Dafür sind Sensoren, Lichtschranken oder Kameras nötig, die prüfen, in welchem Raum sich eine Person aufhält. Das kostet zwar eine Menge Geld, ist aber im Rahmen des Möglichen.

 Durch die zahlreichen Sensoren und Kameras hat das Haus auch sehr effektive Sicherheitssysteme. Einbrecher können sofort identifiziert werden und das Haus kann einen automatischen Notruf an die Polizei senden. Ein weiterer Vorteil der kompletten Vernetzung ist, dass wir unser Haus von jedem Ort zu jeder Zeit steuern können. So wird man per App zum Beispiel von überall auf Rolläden oder den DVD-Rekorder Zugriff haben.

 Doch verbrauchen diese Systeme nicht zu viel Strom? „Ganz im Gegenteil“, sagt Schliepkorte. „Die Vernetzungssysteme haben zwar einen gewissen Anteil am Stromverbrauch, aber das, was man durch sie einspart, wird deutlich mehr sein, als das, was man verbraucht.“

 Bei all den Vorteilen dieser Technologien gibt es auch Gefahren. Erst vor Kurzem haben wir durch Edward Snowden wieder einmal erfahren, dass wir online nie alleine sind. Geheimdienste und große Unternehmen analysieren alles, was wir tun und mit wem wir in Kontakt stehen, um genaue Profile zu erstellen. Auch Hacker bedrohen uns mehr als je zuvor. „Wie jedes vernetzte Computersystem sind Hausautomatisierungssysteme angreifbar“, so Falk Garbsch vom Chaos Computer Club. „Einige Hersteller setzen bei Lampen-, Heizungs- und Rolladensteuerungen auf einfache Funkübertragungen ohne jegliche Verschlüsselung. So ist es ohne großen Aufwand möglich, zum Beispiel Lampen von außen fernzusteuern.“

 Die Frage ist natürlich, welche Schäden dadurch entstehen könnten. Falk Garbsch meint: „Ein Angriff auf die Beleuchtungssteuerung führt vielleicht dazu, dass die Stromrechnung steigt.“ Kritischer werde es, sobald jemand auch Kühlschränke, Waschmaschinen oder Backöfen in ein Netzwerk integriere. „Da diese über eine entsprechende Software zur Steuerung verfügen müssten, könnte ein Angreifer diese manipulieren und damit einen Brand auslösen oder die Waschmaschine dazu bringen, das Wasser laufen zu lassen.“

 Auch Geheimdienste und Unternehmen könnten zahlreiche Daten sammeln: „Viel mehr, als dem Menschen vielleicht selbst bewusst ist. Ein Smartmeter, so heißt ein intelligenter Stromzähler, ermittelt beispielsweise sekundengenau den Stromverbrauch. Damit lässt sich eine Aussage treffen, wann wie viel Strom genutzt wurde. Mit speziellen Programmen zur Analyse dieser Daten kann man aus den Verbrauchskurven sekundengenau ermitteln, wann der Herd oder der Fön eingeschaltet wurde und wann jemand den Kühlschrank geöffnet hat.“

 Es bestehe die Gefahr, die Systeme im Haus zur Vollüberwachung einer Person zu nutzen. Garbsch fügt aber noch hinzu, dass die Heimautomatisierung ein spannendes Feld sei und wir selbst, indem wir darauf achten, was wir vernetzen, dem Ganzen vieles an Gefahren nehmen können.

 Von Maximilian Hartmann, Klasse 9b, Gymnasium Kronshagen