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Schleswig-Holstein Darum streiken die Busfahrer in SH
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19:55 12.02.2020
Von Marc R. Hofmann
Rund 350 streikende Busfahrer aus ganz Schleswig-Holstein machten sich vom Kieler Hauptbahnhof lautstark auf in Richtung Haus der Kommunalen Selbstverwaltung, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Kiel

Trillerpfeifen, Vuvuzelas und Sirenengeheul aus einem Lautsprecher. Die Busfahrer aus Kiel, Neumünster, Lübeck und Flensburg wussten in der Landeshauptstadt auf sich aufmerksam zu machen. Rund 350 von ihnen – und damit rund doppelt so viele wie bei den zwei vorherigen Kundgebungen in den vergangenen vier Wochen – waren nach Kiel gekommen, um ihrer Forderung nach höheren Löhnen Nachdruck zu verleihen.

"Um gehört zu werden, müssen wir streiken", begründete Busfahrer Adil Özisik aus Neumünster die dreitägige Arbeitsniederlegung in vier Städten in Schleswig-Holstein. Er sei seit 20 Jahren im Job, verdiene jetzt in der höchsten Stufe knapp 2900 Euro brutto zuzüglich Zuschlägen. Zu wenig für einen Job, "bei dem ich immer top konzentriert sein muss", so der Busfahrer.

Busfahrer-Streik: Zuschläge zählen nicht

Am Mikrofon vor dem Haus der Kommunalen Selbstverwaltung sprach Gewerkschaftssekretär Christian Manke aus Lübeck. Er sagte: "Zuschläge einfach zum Gehalt dazuzuzählen, geht nicht." Er nennt sie Erschwerniszulagen für Sonntags- und Nachtarbeit und erntet dafür den Applaus der Männer und Frauen.

Während die Busfahrer vor dem Haus in der Reventlouallee ordentlich lärmten, macht sich Arbeitgeber-Verhandlungsführer Wilfried Kley rar. Ihn aus dem Haus zu bewegen, gelingt den Busfahrern jedenfalls nicht.

Kein Respekt der Fahrgäste: Mitarbeiter kritisieren Arbeitsbedingungen

"Wir stehen bei unserer Arbeit mittlerweile mit einem Bein im Gefängnis", sagte Busfahrer Tim Töpel aus Kiel. Durch den zunehmenden Stadtverkehr häuften die Linien teilweise so große Verspätungen an, dass sie ohne Pause gleich zur nächsten Tour aufbrechen müssten. 

Dazu käme ein immer größer werdender Respektverlust vonseiten der Fahrgäste. "Wir werden bei der Arbeit bepöbelt, bespuckt und beklaut", sagte Töpel weiter. Kollege Ralf Nippert ergänzte: "Trotz allem machen wir unseren Job gern, wollen dafür aber anständig bezahlt werden."

Lesen Sie auch:Das sagen die KN-Leser zum Busfahrer-Streik

Gewerkschafts-Verhandlungsführer Karl-Heinz Pliete sagte vor dem Sitz des Arbeitgeberverbandes in Kiel: "Die Politik wünscht sich günstigere Tickets und umweltfreundlichere Busse. Da wird investiert, nicht aber in das Personal."

Ähnlich sieht das Hedwig Münchow. Sie fährt seit 23 Jahren in Kiel Bus. Sie sagte: "Wir haben zwar vielleicht nicht studiert, aber unsere Verantwortung ist groß und unser Arbeitstakt dicht." Dabei seien neue Busse für die Fahrer kein Gewinn. "Die werden für uns immer komplexer zu bedienen und haben oft noch Kinderkrankheiten."

Verhandlungen werden Donnerstag fortgesetzt

Für Verdi-Verhandlungsführer Pliete ist daher klar: "Im Zweifel wird weiter gestreikt". Die Gewerkschaft sei aber bereit, sich bei den Verhandlungen am Donnerstag auf die Arbeitgeber zuzubewegen. Das jetzige Angebot sei jedoch nicht hinnehmbar.

Die Arbeitgeber hatten eine pauschale Erhöhung der Löhne rückwirkend zum Januar um 110 Euro pro Monat und Gehaltssteigerungen in Höhe von 2,8 und 2,3 Prozent für die beiden Folgejahre angeboten. Die Gewerkschaft fordert eine pauschale Erhöhung der Stundenlöhne um 2,06 Euro und eine Laufzeit des Tarifvertrags von lediglich einem Jahr.

Weitere Streiks möglich

Neben den Busfahrern der Stadtbetriebe befinden sich derzeit auch Mitarbeiter aus dem privaten Busgewerbe im Tarifkonflikt. Die Verhandlungen mit dem Omnibus Verband Nord wurden am Dienstag nach Auskunft des Arbeitgeberverbandes ergebnislos abgebrochen. Sie sollen am 28. Februar in die nächste Runde gehen. In der Zwischenzeit sind auch Streiks bei privaten Anbietern wie der Autokraft möglich. Davon betroffen sind 90 Unternehmen aus Schleswig-Holstein und Hamburg.

Busfahrer Özisik zeigte Mitgefühl für die Menschen, die bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt in Kiel auf die Busse verzichten müssen: "Wir wollen den Konflikt nicht. Weder mit dem Arbeitgeber noch den Fahrgästen. Wir haben bei diesen Bedingungen aber keine Alternative."

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