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08:55 31.03.2020
Von Anne Holbach
In den UKSH-Kreißsaal dürfen die werdenden Mütter weiterhin einen Begleiter mitnehmen.
In den UKSH-Kreißsaal dürfen die werdenden Mütter weiterhin einen Begleiter mitnehmen. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

Am vergangenen Wochenende musste das Städtische Krankenhaus in Kiel (SKK) seine Geburtshilfe vorsichtshalber zu machen, weil eine Mitarbeiterin der Kinderklinik positiv auf Covid19 getestet worden war.

Es sei geprüft worden, welche Kinderärzte, die bei Bedarf zu Untersuchungen in den Kreißsaal kommen, Kontakt mit der betroffenen Pflegerin hatten. Nachdem der Erreger bei keinem der Mitarbeiter nachgewiesen wurde, konnte der Kreißsaal am Montag ab 14 Uhr wieder öffnen.

Stationen voneinander getrennt

„Die kinderärztliche Versorgung wird nur von den Ärzten vorgenommen, die gar keinen Kontakt zu der positiv getesteten Mitarbeiterin der Kinderklinik hatten“, so der Ärztliche Direktor, Dr. Sebastian Ullrich. Die Neugeborenen- und Frühchenstation sei in zwei abgeschlossene Bereiche getrennt worden. „Damit gibt es keine Kontaktmöglichkeit zwischen dem Bereich, der sich um die Versorgung der bisher aufgenommenen Neugeborenen und Frühchen kümmert und dem Bereich, der mit neu aufgenommen belegt wird.“

Corona: Dürfen Väter mit in den Kreißsaal?

Nachdem in Süddeutschland einige Kliniken wegen des Coronavirus keine Begleiter mehr zur Entbindung zulassen, sind auch Schwangere im Norden verunsichert. „Ich habe von meiner Klinik die Auskunft erhalten, dass der Vater nur unmittelbar bei der Geburt dabei sein kann. Wie soll das funktionieren? Erst, wenn das Köpfchen kommt, darf der Partner rein?“, fragt eine Leserin, die Anfang Mai ihr erstes Kind erwartet. „Man weiß nie wie lange eine Einleitungsphase dauert, das kann sich ja über Stunden ziehen.“

Eine Frau brauche während des gesamten Prozesses die Unterstützung eines Vertrauten, das Personal könne das gar nicht leisten. Zudem sei es doch Recht des Vaters, bei der gesamten Geburt dabei zu sein. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt, Väter zuzulassen, weil sie in diesem „vulnerablen Moment essenziell wichtigen mentalen Beistand für die Gebärenden“ leisteten.

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Mit Familienzimmer und Besuchsregeln halten Kliniken es unterschiedlich

„Wir sind der Meinung, dass Väter weiterhin die Möglichkeit haben sollen, die Geburt ihres Kindes mitzuerleben“, sagt Robert Quentin von den Segeberger Kliniken. Dort müssen Partner zuvor ein Formular ausfüllen, dass sie nicht in einem Risikogebiet waren oder Kontakt zu Erkrankten hatten.

So hält es auch das Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster. Dort darf ein Partner mit ins Familienzimmer, sofern er die Station zwischendurch nicht verlässt, sonst ist eine Rückkehr für einen Besuch nicht mehr möglich.

Auch am Städtischen Krankenhaus Kiel, den Unikliniken in Kiel und Lübeck sowie in der Klinik in Preetz darf weiterhin eine Begleitperson mit in den Kreißsaal, solange diese nicht von Covid19 betroffen ist, unter Quarantäne steht oder Symptome zeigt.

Nur ein Elternteil auf Neugeborenen- und Frühchenstation

„Nach der Geburt dürfen wir aus gegebenem Anlass leider keine Besucher auf der Wochenstation zulassen“, sagt UKSH-Sprecher Oliver Grieve. Er bittet um Verständnis dafür. Auch das Familienzimmer werde derzeit nicht angeboten. Besuche bei Müttern seien nur in Ausnahmefällen bei schwerwiegenden medizinischen Gründen erlaubt.

Werde ein Baby auf der Neugeborenenstation aufgenommen, so darf jeweils ein Elternteil das Kind besuchen. „Auf der Frühgeborenen-Station darf maximal zweimal pro Tag ein Elternteil zu Besuch kommen.“ Der Besuch müsse im Vorfeld mit der Station abgestimmt sein. Die Eltern erhalten dann einen Passierschein.

Vor- und Nachsorge finden weiter statt

„Mir ist in Schleswig-Holstein keine Klinik bekannt, die Partner ausschließt“, sagt Maike Pagel, zweite Vorsitzende des Landes-Hebammenverbandes. „Es ist irre wichtig, dass Frauen bei der Geburt eine Unterstützung dabei haben. Es wäre furchtbar, sie alleine zu lassen.“

Bei der Vorsorge finde derzeit nur statt, was vonnöten sei. Viel Beratung laufe per Videotelefonie. Hausbesuche zur Nachsorge seien aber deshalb insbesondere wichtig, weil viele Mütter sich jetzt für eine ambulante Entbindung entschieden und das Krankenhaus möglichst früh zu verlassen.

Imland-Klinik erlaubt noch Besuche vom Vater

An der Imland-Klinik, wo sie Beleghebamme ist, darf eine gesunde, symptomfreie Person die werdende Mutter während der gesamten Geburt begleiten. „Aus sozialer Sicht halten wir das für wichtig und aus hygienischer Sicht spricht nichts dagegen“, so Klinik-Sprecherin Christine Kunkis. Die Imland-Klinik hat ihre Geburtshilfe komplett an den Standort Rendsburg gezogen.

Der Begleiter darf die Mutter hier auch auf der Wöchnerinnenstation einmal täglich besuchen. Bislang können Partner auch noch mit ins Familienzimmer, wenn sie dort bleiben. Das könne sich aber je nach Entwicklung der Lage ändern.

Nicht überall mit Mundschutz

Im Kreißsaal gelten die normalen Hygienevorkehrungen, die auch sonst während der Geburt getroffen werden. Laut Pagel benutzen einige Hebammen und Gynäkologen nun Mundschutz, das sei aber nicht überall der Fall, weil solche Schutzmaterialien knapp würden. Nur wenn eine Schwangere an Corona erkrankt sein sollte, müsste sie isoliert werden und das Personal mit Schutzanzug und FFP2-Maske arbeiten.

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